„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Interview mit Henning Vogler, Geschäftsführer der Armbruster Engineering GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Vogler, wenn Sie sich zurückerinnern – welche Entwicklung war für Ihr Unternehmen prägend?

Henning Vogler: Ganz klar die Entwicklung unseres ELAM-Systems. Das war ursprünglich eine individuelle Lösung für einen einzelnen Kunden. Heute ist es unser Kernprodukt. Aus dieser Einzelanfertigung hat sich über 25 Jahre ein Standardsystem entwickelt. Das war kein geradliniger Weg, sondern einer, der sich immer am Kunden orientiert hat. Wir haben gemerkt: Viele Unternehmen stehen vor denselben Herausforderungen – Mitarbeitende in der Montage führen, Prozesse überwachen, alles dokumentieren. Daraus ist Schritt für Schritt unser heutiges Portfolio entstanden – mit den Bereichen Engineering, Software und Hardware.

Wirtschaftsforum: Was genau leistet ELAM?

 

Henning Vogler: In drei Punkten: Wir bringen die digitale Arbeitsanweisung direkt zum Mitarbeitenden. Wir überwachen den Prozess mit intelligenter Technik, damit alles so ausgeführt wird, wie es vorgesehen ist. Und wir dokumentieren jeden Schritt. Am Ende entsteht zu jedem Produkt ein vollständiger Datensatz. Das schafft Sicherheit – technisch wie regulatorisch. Und wir greifen sofort ein, wenn im Prozess etwas nicht stimmt. Nicht hinterher, sondern im Moment des Geschehens.

Wirtschaftsforum: Sie decken also mehr als nur Software ab?

Henning Vogler: Genau das ist unser USP. Wir liefern nicht nur die Software, sondern auch die notwendige Hardware – vom Panel bis zum intelligenten Werkzeug – und übernehmen das Engineering. Wenn Vorrichtungen, Sonderlösungen oder komplette Arbeitsplatzkonzepte gebraucht werden, kommen sie von uns. Diese Bandbreite gibt es so kein zweites Mal. Für den Kunden heißt das: eine durchgängige Plattform statt vieler Einzellösungen.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Henning Vogler: Wir haben rund 40 Mitarbeitende, unseren Hauptsitz in Bremen und einen Standort in Kassel. Etwa 200 aktive Kunden betreuen wir derzeit. Unser Jahresumsatz liegt im Bereich mehrerer Millionen Euro. Da wir stark im Projektgeschäft arbeiten, kann es Schwankungen geben. Projekte bewegen sich zwischen 30.000 EUR und einer Million EUR. Parallel bauen wir unser Geschäft mit Serviceverträgen konsequent aus, um Kunden langfristig zu begleiten und zusätzliche Kontinuität zu schaffen.

Wirtschaftsforum: Internationalisierung ist ebenfalls ein Thema?

Henning Vogler: Ja, absolut. Unser Schwerpunkt liegt noch bei etwa 60 bis 70% im deutschen Markt beziehungsweise in der DACH-Region. Aber viele unserer Kunden produzieren weltweit. Über die Partnerschaft mit der Bossard Gruppe in der Schweiz stärken wir unsere internationale Präsenz gezielt. Remote ist viel möglich – aber am Ende muss man auch vor Ort in die Fabriken gehen. Nähe zum Kunden bleibt entscheidend.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit 2003 im Unternehmen.

Henning Vogler: Ich bin tatsächlich als Diplomand eingestiegen – ein klassisches Eigengewächs. Ich durfte das ELAM-System von Anfang an begleiten, habe das erste Software-Team mit aufgebaut und bin 2007 in die Geschäftsführung eingestiegen. Heute bin ich Mehrheitsgesellschafter. Diese Entwicklung mitzuerleben, ist etwas Besonderes.

Wirtschaftsforum: Welche Themen treiben Sie aktuell besonders um?

Henning Vogler: Künstliche Intelligenz. Mit dem ELAM Agent entwickeln wir ein Modul, das die Bedienung revolutioniert. Statt sich durch Menüs zu klicken, kommuniziert der Nutzer per Dialog. Arbeitsanweisungen können automatisiert ins System überführt werden. Das reduziert Einführungsaufwände erheblich. Ich bin überzeugt: Die Erwartungshaltung an Softwaresysteme verändert sich grundlegend. Man will nicht mehr wissen, welchen Knopf man drücken muss – man will sagen, was man braucht.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Erfolgsfaktoren Ihres Unternehmens?

Henning Vogler: Unsere Breite – und unser Mittelstandscharakter. Wir begleiten viele Kunden seit Jahrzehnten. Der erste Kunde ist noch immer Kunde. Wir entwickeln uns gemeinsam weiter – partnerschaftlich und langfristig. Nicht mit Blick auf das nächste Quartal, sondern mit dem Anspruch, eine erfolgreiche Produktion dauerhaft am Leben zu halten.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten?

Henning Vogler: Zu sehen, wie sich etwas entwickelt, das man von Beginn an mitgestaltet hat. Und zu wissen, dass wir unseren Kunden echten Mehrwert liefern – zum Beispiel, indem wir ihre Produktion digitaler, effizienter und qualitativ stabiler machen. Ich teile den Pessimismus nicht, der oft über den Standort Deutschland gelegt wird. Der deutsche Mittelstand ist stark – und ich bin überzeugt, dass wir ihn mit unseren Lösungen weiter stärken können. Deutsche Unternehmen haben hervorragende Leistungen und Produkte, die unsere Wirtschaft nach vorn bringen. Wenn Unternehmen gut zusammenarbeiten, sind sie schlagkräftiger, als viele glauben. Unser Motto ist einfach: „Wir lösen das.“ Und genau daraus entstehen die nächsten Schritte.

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