Innovative Lösungen in der Endoprothetik

Interview

Bei Endoprothesen kommt es ganz besonders auf die Qualität und Sicherheit jeder einzelnen Komponente an, schließlich bleibt der künstliche Gelenkersatz viele Jahre im Körper eines Menschen.

„Als Komplettanbieter, der sämtliche Komponenten bei uns im Haus produziert, können wir die hohe Qualität und Zuverlässigkeit unserer Prothesen gewährleisten“, sagt Geschäftsführer Jens Saß. „Wir sind hoch spezialisiert, vor allem auf dem Gebiet der Tumorendoprothetik, und arbeiten ständig an der Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Lösungen. Dabei sind wir als mittelständisch organisiertes Unternehmen sehr flexibel und unsere Nischenprodukte sind ein besonderes Alleinstellungsmerkmal.“

Individuelle Gesamtlösungen

Das Leistungsangebot der implantcast GmbH umfasst Primär-, Revisions- und Tumorendoprothesen. Dabei bietet das Unternehmen seinen Kunden individuelle Gesamtlösungen an, die vor allem auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet sind.

Die Hüftendoprothetik, Knieendoprothetik, Schulterendoprothetik sowie die Endoprothetik kleinerer Gelenke fallen in den Kompetenzbereich des Unternehmens. Implantcast bietet sowohl die Primärversorgung als auch die Revisionsversorgung und findet für jeden Patienten die optimale Lösung.

Allein auf dem Gebiet der Hüftendoprothetik umfasst das Spektrum primäre Hüftschäfte, Hüftoberflächenersatz, Revisionshüftschäfte, tripolare Hüftsysteme, Hüftkopfimplantate, Beckenteilersatz sowie Revisionshüftimplantate, die mit unterschiedlichen Beschichtungen versehen werden können.

Jens Saß
„Wir sind hoch spezialisiert, vor allem auf dem Gebiet der Tumorendoprothetik.“ Jens SaßGeschäftsführer

Implantcast arbeitet mit verschiedenen Hochschulen in Deutschland zusammen, um neue Lösungen zu entwickeln. „Es geht immer um Prothesentypen, die bisher noch nie dagewesen sind und das Leben der Patienten erleichtern“, so der Geschäftsführer.

Tumorendoprothetik

Ein Spezialbereich der implantcast GmbH ist die Tumorendoprothetik und das Unternehmen bietet eine Vielzahl von Endoprothesen an, mit deren Hilfe Knochendefekte von unterschiedlichem Ausmaß individuell überbrückt werden können.

1992 hat der Betrieb MUTARS® (Modular Universal Tumor And Revision System) auf den Markt gebracht, das in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. W. Winkelmann und Prof. Dr. G. Gosheger, der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie und dem Universitätsklinikum Münster entwickelt wurde.

„MUTARS® wurde in einer modularen Bauweise konzipiert und ermöglicht die individuelle Überbrückung großer Knochendefekte, einschließlich des Gelenkersatzes der angrenzenden Gelenke“, erläutert Jens Saß. „Als sehr universelles Tumor - und Revisionsprothesensystem hat sich MUTARS® bei der Behandlung ausgedehnter Knochendefekte an der unteren und oberen Extremität bewährt, und die Entwicklung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.“

Vor allem Kinder und Jugendliche sind häufig von Knochenkrebs betroffen. Die entsprechenden Prothesen müssen viele Jahrzehnte lang halten und sind in dieser Zeit starken Belastungen ausgesetzt, die im Laufe der Jahre infolge des Wachstums der Patienten noch zunehmen. Aus diesem Grund arbeitet implantcast, in Kooperation mit WITTENSTEIN intens, an mitwachsenden Prothesen für Kinder und Jugendliche.

Hohe Wertschöpfungskette

Das Unternehmen deckt im Haus die Entwicklung, Fertigung der Komponenten, Beschichtung, additive Fertigung vom Pulver zum fertigen Implantat sowie die Verpackung ab und erzielt damit eine sehr hohe Wertschöpfungskette.

„Vor allem die Fertigungstechniken für individuelle Implantate wachsen“, beschreibt Jens Saß. „Wir sind besonders gut im 3D-Druckverfahren, mit dessen Hilfe wir patientenspezifische Produkte erstellen können. Durch eine hohe Integration in die digitale Prozesskette sind heute hochkomplexe und patientenindividuelle Endoprothesen technologisch und wirtschaftlich in kurzer Zeit herstellbar.“

Vom Lohnfertiger zum Komplettanbieter

Der Betrieb wurde am 1. Oktober 1988 unter dem Namen implantcast Feinguss GmbH von Wolfgang Petroll am Standort im Technologiezentrum Buxtehude gegründet. Damals lag der Fokus noch auf der Fertigung von Komponenten und Gussprodukten für Prothesen.

Im Laufe der Jahre wurde das Leistungsspektrum kontinuierlich erweitert und damit auch die Wertschöpfung erhöht. „Wir haben uns von einem Lohnfertiger zu einem Komplettanbieter für die Endverbraucher gewandelt“, bemerkt Jens Saß. „Dabei haben wir zahlreiche Endoprothesen selbst entwickelt, die seit vielen Jahren erfolgreich implantiert werden.“

Weltweiter Export

implantcast hat bereits sehr früh auf die Internationalisierung gesetzt und konnte schnell Kunden im Ausland von seiner hohen Kompetenz und der Qualität der Produkte überzeugen. Heute verfügt das Unternehmen über Vertriebstöchter in Italien, Polen, der Türkei, Thailand, Griechenland, Benelux, Südafrika, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz und realisiert 75% seines Umsatzes durch den weltweiten Export.

Insgesamt beschäftigt der Betrieb 515 Mitarbeiter und hat 2015 einen Umsatz von 68 Millionen EUR erwirtschaftet. „In Zukunft wollen wir weiterhin neue Märkte erobern, zum Beispiel in den USA“, sagt der Geschäftsführer. „Der weltweite Markt wird von großen Konzernen beherrscht. Als mittelständischer Betrieb können wir jedoch deutlich flexibler reagieren und besondere Nischenprodukte anbieten. Am Ende geht es jedoch um die Patienten, denen wir das Leben erleichtern wollen.“

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