Alles geregelt für gutes Klima

Interview mit Werner Ottilinger, Geschäftsführer der SAUTER Deutschland, Sauter-Cumulus GmbH

Sehr fern vom heutigen Angebot der SAUTER Gruppe war das Produkt, das Fritz Sauter ab 1910 produzierte, nicht. Mit seinen elektrischen Zeitschaltuhren mit astronomischer Schaltung, die den Gang der Sonne berücksichtigten, erregte der Schweizer Unternehmensgründer seinerzeit viel Aufmerksamkeit.

Nicht anders war es 1919, als er mit dem von ihm entwickelten Heißwasserspeicher Cumulus an den Markt ging. Im Zuge der folgenden Expansion ins Ausland wurde 1925 SAUTER Deutschland in Form der Sauter-Cumulus GmbH in Freiburg gegründet.

Mit der Entwicklung von Geräten für die Regelung von Heizung und Klima legte das Unternehmen 1935 den Grundstein für das heutige Kerngeschäft. Die Entwicklung schritt kontinuierlich voran. Ende der 1960er-Jahre begann das Zeitalter komplexer Regel- und Steuerfunktionen für Großgebäude, bald darauf folgte die erste softwaregesteuerte Gebäudeautomation.

Auch heute noch hat SAUTER mit seinen Entwicklungen die Nase weit vorn, berichtet Werner Ottilinger, Geschäftsführer von SAUTER Deutschland: „Unsere neueste Entwicklung heißt SAUTER modulo 6, eine Automationslösung, die auf dem Internet der Dinge (IoT) beruht. Wir haben sie erstmals im März 2019 auf der ISH Frankfurt präsentiert.“

Expansion ins Ausland

Auch in anderer Hinsicht stehen die Zeichen auf Fortschritt und Wachstum. Vor zwei Jahren wurde in Freiburg eine neue Produktion in Betrieb genommen. Bereits 2016 übernahm SAUTER Deutschland die Firma Pandomus in Köln und will weiter expandieren, wie Werner Ottilinger erklärt: „Unser Ziel ist, uns zumindest EU-weit internationaler aufzustellen. Mit dem Zukauf von zwei Unternehmen in London und Dublin haben wir 2018 den Anfang gemacht.“

Mit insgesamt 35 Standorten und 1.400 Mitarbeitern ist SAUTER Deutschland in jeder größeren deutschen Stadt vertreten. Der Umsatz, derzeit 240 Millionen EUR, hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Der Gesamtkonzern erwirtschaftet mit 2.200 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 400 Millionen EUR.

Werner Ottilinger
„Die Kunden kaufen nicht beim Unternehmen, sondern bei unseren Mitarbeitern.“ Werner OttilingerGeschäftsführer

Für Werner Ottilinger, der 1987 als Projektleiter angefangen und 2004 die Geschäftsleitung übernommen hat, ist sein Job mehr als ein Steckenpferd: „Es ist mein Leben“, sagt der Betriebswirt mit technischem und kaufmännischem Background. Bereits im Jahr 2000 hatte er die Sauter FM GmbH gegründet, die auf Facility Management-Leistungen spezialisiert ist.

Erfolgsfaktor Mitarbeiter

Die wichtigsten Kunden sind Investoren und Projektentwickler. Ob in der Münchner Allianz Arena, dem Hybridhochhaus One Forty West in Frankfurt am Main oder dem Hauptbahnhof Berlin, die Gebäude- und Raumautomation von SAUTER ist überall gefragt, wo hochmoderne und energieeffiziente Bauten entstehen.

Hinter der innovativen und zuverlässigen Technik stehen diejenigen, die für den Erfolg verantwortlich sind, betont Werner Ottilinger: „Unsere Stärke sind definitiv die Mitarbeiter. Die Kunden kaufen nicht beim Unternehmen, sondern bei unseren Mitarbeitern.“

Darin liegt allerdings auch ein Problem: „Es mangelt vor allem an Technikern und Handwerkern. Wir haben dieses Jahr bereits über 40 Mitarbeiter eingestellt, aber die Personalgewinnung ist schon schwierig.“ Es besteht allerdings eine Aussicht auf Besserung, meint der Geschäftsführer: „Ich denke, der Zenit des Fachkräftemangels ist überschritten.“

Seinem Unternehmen bleiben die meisten Mitarbeiter treu. „Eine Betriebszugehörigkeit von 25 bis 40 Jahren ist keine Seltenheit. Wir haben eine geringe Fluktuation von unter 5%.“ Familiäre Strukturen, das Bemühen um die Work-Life-Balance mit Gleitzeitregelungen sowie Angebote wie Firmenwagen und -handy zur privaten Nutzung tragen zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei.

Veränderungen sollten auch in diesem Bereich nur in einem gesunden Maß stattfinden, meint Werner Ottilinger: „Wir springen nicht auf jeden Trend auf.“ Nutzen für Investoren Die Digitalisierung ist in seinem Geschäft allgegenwärtig. „Die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge haben gigantisch Fahrt aufgenommen. Die Entwicklung ist schwer zu berechnen und zu kanalisieren. Hinter diesen Themen müssen entsprechende Business-Modelle stehen, das ist die Herausforderung. Es geht darum, vermarktbare Lösungen zu entwickeln. Denn am Ende des Tages muss die Digitalisierung beim Nutzer der Immobilie ankommen.“

Von den Politikern wünscht er sich Lösungen, durch die das Energieeffizienz-Potenzial von Gebäuden auch dem Investor zugutekommt. „Oft müssen sie erst investieren, den Nutzen hat jedoch der Mieter. Das ist ein Missverhältnis.“ Für Werner Ottilinger steht weiterhin der Spaß an neuen Lösungen und Technologien im Vordergrund. Auf diese Weise will er SAUTER Deutschland zum Vollservice-Anbieter ausbauen.

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