Durch starres Sitzen liegt Potenzial brach

Interview mit Josef Glöckl, Geschäftsführer der Aeris GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Glöckl, Sie versprechen, Lebensqualität ins Büro zu bringen. Wie machen Sie das?

Josef Glöckl: Indem ich durch unsere innovativen Produkte Arbeit und Bewegung miteinander verbinde. 1997 sind wir mit unserem ersten Produkt, dem Aktiv-Bürostuhl Aeris Swopper, auf den Markt gegangen. Inzwischen hat er eine Reihe von Geschwistern bekommen. Bisher haben wir uns nur auf das Büro konzentriert. Mit unserem neuen Objektstuhl Aeris Numo wollen wir weitere Zielgruppen erschließen, etwa designorientierte Händler, aber auch Architekten. Denn der Aeris Numo ist auch ein Designelement, das sich gut in einen Besucher- und Loungebereich integriert. Er ist in drei Varianten und fünf verschiedenen Farben erhältlich und damit sehr vielseitig einsetzbar. Das macht ihn interessant für Architekten, die ein Bürohaus planen, aber auch für den privaten Bereich.

Wirtschaftsforum: Was ist, neben dem Design, das Besondere an diesem Stuhl?

Josef Glöckl: Er verfügt über eine neuartige Bewegungsmechanik und funktioniert nach dem Prinzip der Bandscheiben. Durch zwei patentierte Mechaniken passt er sich auf angenehme Weise den Körperbewegungen an. Form und Funktion passen sehr gut zusammen. Der Aeris Numo ist mit etlichen Designpreisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Red Dot Award ‘Best of the Best’ und dem German Design Award.

Wirtschaftsforum: Warum werden Ihre Produkte so gut angenommen?

Josef Glöckl: Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen sehr gesundheitsbewusst sind. Vor 20 Jahren haben erst wenige Bio-Produkte gekauft. Heute achtet jeder auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung, aber auch mentale Aspekte wie die Einstellung zur Arbeit. Bewegung führt zu mehr Lebensqualität, Gesundheit zu mehr Leistungsfähigkeit. Dieses Bewusstsein setzt sich immer mehr durch. Langes Sitzen ist nun einmal gegen unsere Natur; es ist nicht gut für uns, und das merken die Menschen auch. Unser Umsatz wächst stetig, um 8 bis 10%. Seit 2015 gehört die Firma übrigens der Josef und Dorothea Glöckl Familienstiftung; ich bin Stiftungsvorstand. Auch meine Tochter und mein Sohn sind in der Firma, um unsere Ideen voranzubringen.

Wirtschaftsforum: Die Corona-Zeit hat viele Menschen ins Homeoffice befördert. Was bedeutet das für Sie?

Josef Glöckl: Corona hat bewirkt, dass die starren Arbeitsmöglichkeiten aufgebrochen wurden. Das Homeoffice ist salonfähig geworden. Jetzt hat man auch in Konzernen gemerkt, dass das geht. Viele Menschen haben am Küchentisch auf einem Holzstuhl gearbeitet. Sie haben unsere Produkte gekauft, weil es ihnen ihre Gesundheit wert war. Die Arbeitgeber hingegen haben noch nicht verstanden, dass sie für den Homeoffice-Arbeitsplatz ihrer Mitarbeiter genauso verantwortlich sind wie für den im Büro. Sie sind zur Gesundheitsvorsorge verpflichtet und damit auch für die richtige Ausstattung zuständig. Es gibt also großen Nachholbedarf im Homeoffice.

Wirtschaftsforum: Für Sie ist Ihre Arbeit offensichtlich nicht nur ein Geschäft. Was treibt Sie an?

Josef Glöckl: Ehrlich gesagt ist es für mich eine richtige Mission. Das, was die Berufsgenossenschaften noch heute vorschreiben – eine rechtwinklige Sitzposition und viel Unterstützung – habe ich schon vor 30 Jahren als Schwachsinn empfunden. Mir war klar, dass Menschen durch eine unnatürlich starre Haltung gesundheitliche Schäden davontragen. Wenn der menschliche Körper nicht so benutzt wird, wie die Natur es vorgesehen hat, geht er kaputt. Mich hat es immer aufgeregt, wenn man etwas besser machen kann, es aber nicht gemacht wird. Das Büroleben kann schöner sein, wenn man es richtig betreibt. Dafür muss man sich aber geistig umstellen. In einem Wirtschaftsunternehmen möchte man doch das bestmögliche Ergebnis erzielen. Wer aber starr sitzt, kann nicht die optimale kognitive Leistungsfähigkeit erreichen. Das belegt eine Studie von Prof. Schöllhorn von der Universität Mainz mit Menschen im konventionellen Büro im Vergleich zu unserem Active Office. Bei Millionen von Managern und Angestellten liegt dieses Potential brach.

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