Italienischer Genuss weltweit exportiert

Interview mit Luigi Brandazza, geschäftsführender Gesellschafter der Allegra s.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Brandazza, nehmen Sie uns bitte mit an den Anfang: Wie hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt?

Luigi Brandazza: Unsere Wurzeln reichen bis ins Jahr 1967 zurück, als mein Onkel eine Handelsvertretung für Konservenprodukte gründete. Ziel war es, die italienische Lebensmittelindustrie mit Rohstoffen und Halbfabrikaten zu beliefern. Im Jahr 2009 haben meine Cousine Cristina – die heute Geschäftsführerin ist – und ich beschlossen, eine neue Richtung einzuschlagen: Statt als reiner Broker zu agieren, gründeten wir Allegra als Hersteller und Markeninhaber. Heute verfügen wir über vier eigene Marken, drei davon sind registriert. Gleichzeitig vertreten wir exklusiv zahlreiche namhafte italienische Lebensmittelhersteller im Ausland.

Wirtschaftsforum: Was umfasst Ihr aktuelles Produktsortiment?

Luigi Brandazza: Unser Sortiment ist breit gefächert – von klassischen Konserven wie Tomaten und eingelegtem Gemüse bis zu Pesto, Hülsenfrüchten, Olivenölen und Antipasti. Wir beliefern sowohl den Lebensmitteleinzelhandel als auch den Food-Service-Bereich. Insgesamt führen wir über 7.000 Artikelnummern, davon rund 1.000 aktiv im Sortiment, mit über 18.000 Palettenplätzen im Lager. Darüber hinaus vertreten wir als Handelsagentur einige der bekanntesten italienischen Lebensmittelmarken im Ausland – darunter Barilla, Mulino Bianco, Parmalat und viele weitere. Diese Partnerschaften unterstreichen unser Renommee als verlässlicher Exportpartner für qualitativ hochwertige italienische Lebensmittel.

Wirtschaftsforum: Ist Ihr gesamtes Geschäft auf den Export ausgerichtet?

Luigi Brandazza: Ja, wir verstehen uns als Botschafter des „Made in Italy“. Unser gesamter Umsatz wird über Exportmärkte generiert. Aktuell beliefern wir Kunden in 82 Ländern weltweit. Etwa 50% unseres Umsatzes erzielen wir in Europa – in Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien oder den Beneluxstaaten. Darüber hi­naus wachsen wir in Nordamerika, Afrika und dem Mittleren Osten.

Wirtschaftsforum: Wer zählt zu Ihren typischen Kunden?

Luigi Brandazza: Unsere Kunden stammen ausschließlich aus dem B2B-Bereich – also Importeure, Vertriebspartner und Großhändler, mit denen wir oft seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. Unsere Struktur ist darauf ausgelegt, flexibel und schnell zu agieren – mit einem schlanken Team von acht Beschäftigten im Hauptsitz und etwa zehn weiteren im ausgelagerten Logistikbereich.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich gegenüber dem Wettbewerb?

Luigi Brandazza: Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Sortimentsvielfalt, zuverlässigem Service, hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis und – ganz wichtig – unserer Zuverlässigkeit. Wir investieren kontinuierlich in moderne Kommunikationssysteme und optimierte Abläufe. Viele unserer Kunden schätzen unsere Erfahrung, unser tiefes Marktwissen und den persönlichen Kontakt, den wir trotz Internationalität pflegen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Messen für Ihr Unternehmen?

Luigi Brandazza: Wir sind regelmäßig auf den führenden Fachmessen präsent: Anuga, SIAL, TuttoFood, Cibus oder Fancy Food New York – um nur einige zu nennen. Diese Plattformen sind entscheidend, um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Partnerschaften zu stärken. Gerade in unserer Branche ist das persönliche Gespräch durch nichts zu ersetzen.

Wirtschaftsforum: Gab es in den letzten Jahren besondere Herausforderungen oder Chancen?

Luigi Brandazza: Die letzten Jahre – insbesondere die Coronapandemie – haben uns Rückenwind gegeben. Während viele Unternehmen mit Einschränkungen kämpften, konnten wir wachsen. Unsere Mischung aus Retail und Food Service hat sich als krisenresistent erwiesen. Heute investieren wir gezielt in neue Märkte, insbesondere in Südamerika, die USA und Fernost.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihre Vision für die kommenden Jahre aus?

Luigi Brandazza: Wir verfolgen ein klares Ziel: Bis 2030 möchten wir einen Umsatz von 50 Millionen EUR erreichen. Das ist ambitioniert, aber realistisch. Wichtig ist uns dabei nicht nur das Wachstum an sich, sondern auch die Rentabilität. Nur wenn beides stimmt, können wir in Technologie, Menschen und neue Projekte investieren. Unser Anspruch ist es, Allegra organisch weiterzuentwickeln – mit Herzblut, Weitsicht und Leidenschaft für italienische Lebensmittel.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer täglichen Arbeit?

Luigi Brandazza: Ich bin stolz zu sehen, wie aus einer Idee ein international erfolgreiches Unternehmen geworden ist. Diese Entwicklung weiter zu gestalten, neue Märkte zu erschließen, Menschen zu begeistern – das ist meine tägliche Motivation. Und die Welt liebt italienisches Essen. Wir haben das Privileg, dieses Erbe zu exportieren. Das ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Spannendes aus der Region Piacenza

Automatisch und flexibel: Passend verpackt

Interview mit Amedeo Scapin, CEO der GAMPACK S.R.L.

Automatisch und flexibel: Passend verpackt

Die Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit bedeuten für die Verpackungsindustrie Quantensprünge. Die Produzenten müssen sich ebenso wie die Maschinenhersteller auf diese neuen Herausforderungen einstellen. Die GAMPACK S.R.L. aus Italien, die seit…

Mitarbeiter machen Qualität aus

Interview mit Carlo Serri, Geschäftsführer und Gesellschafter, und Marco Castelnuovo, Leiter Kommunikation und Marketing der Eurostamp Srl

Mitarbeiter machen Qualität aus

Das italienische Unternehmen Eurostamp Tooling Srl produziert Werkzeuge für Blechbearbeitung für die Automobil- und Fertigungsindustrie. Die Firma startete 1970 als Werkstatt eines einzelnen Handwerkers und hat sich dann im Laufe…

Von Bohnen und Burgern

Interview mit Alberto Bertuzzi, Export and Marketing Sales Manager

Von Bohnen und Burgern

Tomaten, Auberginen, Zucchini: Frisches Gemüse ist aus der bunten italienischen Küche nicht wegzudenken. Dank ihres milden Klimas ist vor allem die Emilia-Romagna prädestiniert für den Gemüseanbau. Einer der Vorzeigebetriebe der…

Das könnte Sie auch interessieren

Spirituosen im Wandel

Interview mit Carola Scivetti, Trade Marketing Manager der Fratelli Francoli S.p.A.

Spirituosen im Wandel

Traditionelle Brennkunst, internationale Märkte und ein wachsender Fokus auf Nachhaltigkeit: Die italienische Destillerie Fratelli Francoli gehört zu den etablierten Familienunternehmen der Branche. Seit über einem Jahrhundert prägt sie die Produktion…

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Interview mit Toma Marcinkeviciute, Geschäftsführerin

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Seit 2010 vertreibt die VG Handel GmbH die Produkte der litauischen VIČI-Gruppe in Deutschland. Insbesondere Surimi möchte das Unternehmen in nächster Zeit noch deutlich bekannter machen und als nahr- wie…

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Interview mit Susanne Hipper, Geschäftsführerin der jufico GmbH

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Zwei junge Väter, ein Problem: Wie bekommt man Obst und Gemüse eigentlich in kleine Kinder? Aus dieser Alltagsfrage entstanden 2005 die ersten Quetschbeutel in Deutschland. Die Marke dahinter heißt FruchtBar,…

TOP