Grenzüberschreitung mit Mehrwert

Interview mit Jan Dykhuizen, Geschäftsführer der ALS Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dykhuizen, die ALS ist seit 35 Jahren am Markt und damit ein sehr erfahrener Dienstleister rund um das Thema Zollabwicklung. Wie kam es zu dieser Spezialisierung auf einen Nischenmarkt? 

Jan Dykhuizen: Die Marke ALS existiert in dieser Firmierung seit 1989. Ursprünglich lag der Fokus auf Verzollungsdienstleistungen an der Schweizer Grenze, sowohl auf deutscher als auch auf französischer und Schweizer Seite, und hat sich dann immer stärker auf den gesamten deutschen Markt ausgebreitet. Seit 2016 ist das Unternehmen signifikant gewachsen, in 17 Ländern präsent und bewusst dezentral aufgestellt. Die einzelnen Niederlassungen agieren relativ autark als eigenständige rechtliche Einheiten, dafür aber in einem starken, internationalen Verbund, um den Kunden sowohl national als auch international optimal gerecht zu werden. Mit insgesamt 700 Mitarbeitern konzentrieren wir uns auf unsere Kerndienstleistung, Services rund um den Zoll.

Wirtschaftsforum: Wie lässt sich das Portfolio umreißen?

Jan Dykhuizen: Unsere drei Kernbereiche sind Zollabfertigung, Zollberatung und Zolltechnologie; den Großteil des Umsatzes machen Zollabfertigungen aus. 

Wirtschaftsforum: 700 Mitarbeiter und 17 Länder – gehen Sie davon aus, in Zukunft weiter zu wachsen? 

Jan Dykhuizen: Wir blicken sehr optimistisch nach vorn und sehen gute Voraussetzungen, um organisch und anorganisch zu wachsen, also sowohl über Zukäufe in neuen Ländern als auch über reguläre Vertriebsaktivitäten. Anders als beispielsweise Logistikunternehmen können wir wirtschaftlich herausfordernde Zeiten gut puffern. Hinzu kommt, dass Firmen, die unsere Dienstleistungen bislang eher als Value Added Services betrachtet haben, diese nun angesichts der aktuellen Entwicklungen in der internationalen Zollpolitik als Stand-alone-Services stärker forcieren.

Wirtschaftsforum: Wie lange sind Sie für die ALS tätig und hatten Sie immer eine Affinität zum Thema Zoll? 

Jan Dykhuizen: Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und bin nach dem Studium direkt in die Zollbranche eingestiegen; das Thema Zoll ist spannend und birgt viel Potenzial. Mit einer kurzen Unterbrechung bin ich seit acht Jahren für die ALS tätig. Nach meinem Einstieg 2016 war ich für die Durchführung der Expansionsstrategie mitverantwortlich, anfangs als Trainee, später als Projektmanager und schließlich als Geschäftsführer. Gemeinsam mit anderen Kollegen bin ich für das Management der Gruppe verantwortlich. 

Wirtschaftsforum: Gibt es bestimmte Impulse, die Sie dem Unternehmen geben wollen? 

Jan Dykhuizen: Die Digitalisierung ist ein großes Thema, das unsere Dienstleistungen direkt betrifft, da unsere Services sehr datenintensiv sind. Internationale Lieferketten sind komplexe Gebilde mit vielen Stakeholdern und vielen verschiedenen Systemen. Noch sind Schnittstellen für elektronisch basierte Prozesse kein Standard; das wird sich in den nächsten Jahren jedoch ändern. Inzwischen gibt es zum Beispiel KI gestützte Modelle, die das Digitalisieren von Daten ermöglichen. Sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen ist für uns nicht neu. Wir sind den stetigen Wandel gewohnt, auch weil immer wieder neue gesetzliche Regelungen und Reformen in Kraft treten. Auch das permanente Wachstum erfordert erfolgreiches Change Management, welches uns sowohl die letzten Jahre beschäftigt hat sowie auch zukünftig beschäftigen wird. 

Wirtschaftsforum: Können Sie das konkretisieren? 

Jan Dykhuizen: Wir müssen uns stärker zu einem beratenden Unternehmen entwickeln, das effiziente, grenzüberschreitende Verkehre sicherstellt und Kunden Mehrwert und Transparenz bietet. Wir arbeiten schon heute sehr effizient und können viel antizipieren, da wir Aufträge erhalten, bevor die Ware an der Grenze ist. Allerdings sind diesbezüglich Gesetzesänderungen geplant. Die internationalen Zollbehörden sind bestrebt, die Kontrollen physischer Warenflüsse zu entkoppeln; über Datenantizipation sollen gewisse Vorhersagen getroffen werden können, auf deren Basis physische Waren noch zielgerichteter kontrolliert werden können. Prozesse sollen massiv beschleunigt werden. 

Wirtschaftsforum: ALS hat sich konstant weiterentwickelt und plant, diesen Kurs fortzusetzen. Auf welche Stärken kann sich das Unternehmen dafür verlassen? 

Jan Dykhuizen: Es sind viele Dinge, die zusammen zum Erfolg geführt haben. Unsere dezentrale Aufstellung, flache Hierarchien, eine sehr lockere, offene Kultur und motivierte, eigenständige Mitarbeiter, die die Freiheit haben, Dinge selbst zu gestalten und voranzutreiben. Wir nehmen unsere Kunden und deren Bedürfnisse ernst, möchten ihnen Mehrwerte verschaffen und haben dafür exzellente Services. 

Wirtschaftsforum: Gibt es eine konkrete Vision für die Zukunft? 

Jan Dykhuizen: Wir wollen global die Nummer 1 der Zolldienstleister werden und sehen uns dafür sehr gut aufgestellt. Wir bieten Software und Services – das macht kein zweites Unternehmen auf dem Markt. 

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