Kommunikation, wenn jede Sekunde zählt

Interview mit York Löwnau, Geschäftsführer der AMV Funktechnik Handels GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Löwnau, wie hat sich AMV Funktechnik seit der Gründung entwickelt?

York Löwnau: Wir haben das Unternehmen am 1. Oktober 1993 gegründet und sind seither jedes Jahr um etwa 5 bis 10% gewachsen. Besonders dynamisch waren die vergangenen fünf Jahre: In diesem Zeitraum haben wir sowohl die Zahl der Mitarbeitenden als auch unser Geschäftsvolumen verdoppelt. Heute beschäftigen wir 32 Vollzeitkräfte und sechs Auszubildende und erwirtschafteten zuletzt etwas mehr als 8 Millionen EUR Umsatz. Wir wachsen bewusst organisch an unserem Standort in Achim. Dort haben wir unsere Büro- und Lagerflächen erweitert, möchten aber keinen zweiten Standort aufbauen.

Wirtschaftsforum: Worin besteht Ihr besonderer Ansatz im Markt für professionelle Funktechnik?

York Löwnau: Wir sind kein reines Handelsunternehmen. Die Geräte, die wir einkaufen, sind zunächst nur werkskonfiguriert. Wir passen sie technisch an die Kommunikationswege, Abteilungen und Sicherheitsanforderungen des jeweiligen Kunden an. Ich nenne das Veredelung: Aus Standardhardware entsteht ein einsatzbereites System, das genau zur Organisation passt. Unsere schlanken Strukturen helfen uns außerdem, schnell zu reagieren. Selbst umfangreiche Projektanfragen beantworten wir in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Diese Geradlinigkeit schätzen unsere Kunden sehr.

Wirtschaftsforum: Für welche Anwendungen werden solche Systeme benötigt?

York Löwnau: Überall dort, wo interne Kommunikation schnell, sicher und jederzeit verfügbar sein muss. Das betrifft etwa Häfen, Tanklager, Stahlwerke, große Industrieanlagen und den Schiffbau. Wir statten Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Forschungsschiffe, militärische Schiffe und Luxusyachten mit schiffsinterner Kommunikation aus. In den vergangenen zehn Jahren waren es rund 200 Schiffe. Hinzu kommen Objektfunkanlagen in großen Gebäuden, damit Einsatzkräfte im Brandfall zuverlässig miteinander kommunizieren können. Wir sorgen für Funkversorgung genau dort, wo sie tatsächlich benötigt wird.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet professionellen Digitalfunk von einem Smartphone?

 

York Löwnau: Entscheidend sind Geschwindigkeit und Gruppenkommunikation. Bei einem Digitalfunksystem dauert der Gesprächsaufbau rund 0,3 Sekunden. Der Nutzer drückt die Sprechtaste und das gesamte ausgewählte Team hört sofort mit. Es muss keine Nummer gewählt und kein Anruf angenommen werden. Das ist wichtig, wenn ein Kran gestoppt, eine Anlage evakuiert oder eine Werkfeuerwehr alarmiert werden muss. Ein Funkruf kann sich an kleine Gruppen von z.B. 30 Geräten oder an größere Gruppen von 1.000 oder noch mehr Geräten gleichzeitig richten. Smartphones und andere telefonbasierte Systeme sind für solche zeitkritischen Abläufe nicht ausgelegt.

Wirtschaftsforum: Wie gewinnen Sie Kunden für technisch anspruchsvolle Lösungen?

York Löwnau: Wir erklären nicht nur, was ein System theoretisch kann, sondern lassen den Kunden die Technik erleben. Dafür stellen wir umfangreiche und hochpreisige Testsysteme für bis zu vier Wochen kostenfrei zur Verfügung. Der Kunde kann im eigenen Betrieb prüfen, wie zuverlässig die Kommunikation funktioniert. Dieses praktische Erlebnis überzeugt oft stärker als jede Präsentation. Von zehn Anfragen führen bei uns etwa acht zu einem Auftrag. Viele Kunden bleiben anschließend über Service-, Wartungs- und Rufbereitschaftsverträge langfristig bei uns. Von rund 400 Industriekunden haben uns nur sehr wenige verlassen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Beratung und Planung?

York Löwnau: Eine sehr große. Wir übernehmen die Grobplanung selbst und kostenfrei, weil wir unser Portfolio und die technischen Möglichkeiten genau kennen. Externe Planungen sind häufig sehr umfangreich, passen aber nicht immer zur konkreten Anwendung. Uns ist wichtig, früh zu verstehen, was der Kunde wirklich braucht. Daraus entwickeln wir ein System, das technisch sinnvoll, skalierbar und wirtschaftlich bleibt. Bei großen Anlagen können 1.000 Geräte und zahlreiche Kommunikationsgruppen zusammenkommen. Produktion, Logistik, Werkfeuerwehr und weitere Bereiche erhalten jeweils ihre eigenen Strukturen, bleiben aber Teil eines Gesamtsystems.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit besonders?

York Löwnau: Die zunehmende Regulierung kostet viel Zeit und Energie. Anforderungen an IT-Sicherheit sind grundsätzlich richtig, doch Funksysteme sind häufig technisch vom Internet isoliert und müssen anders bewertet werden als klassische Serverlösungen. Auch bei Bauprojekten wächst der Aufwand für Dokumentation, Nachweise und Genehmigungen. Bei Objektfunkanlagen können rund 20% der Arbeit allein in Antragstellung und Dokumentation fließen. Ich wünsche mir, dass Unternehmer wieder mehr Verantwortung selbst übernehmen dürfen und Vorgaben stärker nach dem tatsächlichen Risiko unterscheiden. Heute stehen Aufwand und Nutzen nicht immer in einem vernünftigen Verhältnis.

Wirtschaftsforum: Wie bereiten Sie den Generationswechsel vor?

York Löwnau: Mein früherer Kompagnon Franz Joppich ist bereits ausgeschieden, sein Sohn gehört nun seit einigen Jahren zur Geschäftsführung. Im kommenden Jahr werde auch ich einen Teil meiner Anteile an meinen Sohn übergeben. Beide Nachfolger haben dafür gute Positionen in der Automobilindustrie aufgegeben. Das zeigt, dass sie an die Zukunft unseres Unternehmens glauben. Ich werde nicht sofort vollständig verschwinden, sondern zunächst noch einen Tag pro Woche unterstützen. Gerade das über Jahrzehnte gewachsene Vertriebs- und Produktwissen muss Schritt für Schritt weitergegeben werden. Für uns ist es ein großes Glück, dass beide Gesellschafterfamilien den Betrieb fortführen.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich nach mehr als 30 Jahren noch an?

York Löwnau: Ich habe nach wie vor Freude am Verkaufen und Beraten. Mich motiviert, wenn Kunden Systeme erhalten, die im täglichen Einsatz funktionieren und von den Nutzern akzeptiert werden. Kritische Kommunikation darf nicht ausfallen. Manche unserer Kunden nutzen seit acht Jahren Systeme mit rund 1.000 Geräten, ohne eine einzige große Störung. Das schafft Vertrauen und macht mich stolz. Gleichzeitig blicke ich optimistisch auf die nächsten Jahre: Wir sind gut aufgestellt, haben einen hohen Auftragsbestand und eine junge Generation, die Verantwortung übernimmt. Trotz aller Herausforderungen sollten wir in Deutschland wieder stärker darüber sprechen, was Unternehmen erfolgreich leisten.

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