„Wir arbeiten oft daran, herauszufinden, was unsere Kunden nicht wissen!“

Interview mit Uwe Kreuter, Geschäftsführer der CCT Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kreuter, seit über zwei Jahrzehnten tritt die CCT Deutschland GmbH als Call- und Contact-Center-Spezialist im Markt auf – ein Tätigkeitsspektrum, das eng mit Ihrer persönlichen Historie verbunden ist. 

Uwe Kreuter: Ich habe mich schon in den frühen 1990er-Jahren mit Nachrichtentechnik beschäftigt und lange Zeit für einen großen Kommunikationsdienstleister entsprechende Lösungen für Call-Center vertrieben. 2004 folgte schließlich die Gründung von CCT Deutschland, mit der wir immer ein bisschen der Zeit voraus sein wollten. Anfangs engagierten wir uns noch mit einem starken Beratungs- und Projektmanagementfokus im Markt. Schnell merkten wir dann jedoch, dass die Kunden mehr wollten, insbesondere eine nachhaltige Integration gesamtheitlicher Lösungen. Damit standen wir schnell auch

in einer höheren Werkvertragsverantwortung und haben immer mehr Gaps bei den Angeboten der Hersteller der jeweiligen Einzellösungen identifiziert. 

Wirtschaftsforum: Schon 2006 haben Sie deshalb Ihre eigene Softwareentwicklung aufgebaut. 

Uwe Kreuter: Daraus sind schnell vollwertige Eigenprodukte entstanden, mit denen wir uns bereits weit über die bloße Inte­grationsleistung hinaus entwickelt hatten. Schnell folgte dann auch der Schritt in die Cloud, die für die Kunden vieles einfacher machen sollte – das kann sie aber nur, wenn die Verantwortlichen auch verstehen, wie sie genau funktioniert. Auch hier konnten wir wirksam unterstützen. Nicht alle Marktteilnehmer beschäftigen sich aber zeitgleich mit denselben Themen: So erreichen uns noch heute Anfragen zu Omnichannel-Integrationen und ersten Gehversuchen bei der Automatisierung von E-Mails – Lösungen, die schon seit eineinhalb Jahrzehnten zu unserem Standardrepertoire gehören. 

Wirtschaftsforum: Wo liegen auf dem Weg zu umfassenden Multi-Experience-Lösungen, wie sie CCT Deutschland verspricht, die größten Herausforderungen? 

Uwe Kreuter: Der Traum vieler Kunden besteht in einem möglichst hohen Automatisierungsgrad. Das ist in gewachsenen Strukturen aber oft schwieriger zu realisieren als in Umgebungen, in denen es keine Legacy gibt. Natürlich eröffnet die Automatisierung viele spannende Möglichkeiten und kann auch zu einer spürbaren Kostensenkung beitragen – doch dabei muss man sich intensiv mit den eta­blierten Prozessen und der Customer Journey beschäftigen. Diese tiefgreifende Auseinandersetzung sollte man nicht scheuen. 

Wirtschaftsforum: In welchen Branchen sind diese Themen besonders präsent? 

Uwe Kreuter: Immer dort, wo ein besonders hoher Anspruch an eine nahtlose und angenehme Kundenerfahrung besteht und entsprechend hohe Kontaktvolumen auftreten – zum Beispiel bei Krankenkassen, die viele Millionen Calls verarbeiten und dazu viele motivierte Mitarbeiter beschäftigen müssen. Ähnliche Voraussetzungen gelten auch für Marktteilnehmer aus dem Healthcare-Segment, genauso wie für Mobilfunk- und Internetanbieter sowie Energieversorger. Andere Märkte – etwa die USA mit viermal so vielen potenziellen Endkunden wie Deutschland – sind uns da in der Automatisierung um einiges voraus. Dort wird kaum noch ein Arzttermin telefonisch vereinbart. Bei vielen der derzeit im Markt grassierenden Chatbots handelt es sich aber, offen gestanden, noch um das erste Release – da stellt sich manchmal durchaus die Frage, ob man im Sinne einer angenehmeren Kundenerfahrung nicht besser auf Release zwei gewartet hätte. 

Wirtschaftsforum: Wie achtet CCT Deutschland darauf, nicht am Ziel vorbei zu entwickeln? 

Uwe Kreuter: Wir schicken unsere Entwickler gerne in die Call- und Contact-Center unserer Kunden, um sich dort genau anzusehen, wie die Menschen die Anwendungen nutzen, die wir realisiert haben. Schon lange vorher lassen wir aber die konkreten Wünsche und Anforderungen unserer Kunden in unsere Lösungen einfließen – und rollen entsprechende Features dann auch in neuen Releases für alle aus. So entstand ein sehr enger Feedbackprozess, der uns flexibel macht und uns gleichzeitig einen sehr zielgerichteten Entwicklungsansatz ermöglicht – damit am Schluss wirklich das ideale Produkt steht. 

Wirtschaftsforum: Wo brauchen Ihre Kunden gerade am meisten Unterstützung? 

Uwe Kreuter: Viele unserer Kunden haben sich bereits auf den Weg in die Cloud gemacht. Manchmal sind die dabei verfolgten Lösungen aber eher Stückwerk – hier könnte es also sinnvoll sein, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, um zuallererst in Ruhe eine Discovery von A bis Z durchzuführen und im Anschluss zu sondieren, wie man seine Ausgangssituation sinnvoll verbessern könnte. Im Zweifel kann die Antwort auf diese Frage auch darin bestehen, noch keine Maßnahmen zu ergreifen. Denn gerade wenn die unterschiedlichen Kontaktwege von E-Mail bis Telefon über unterschiedliche Systeme abgewickelt werden, samt eigenständigen CRM- und Website-Lösungen, können die Herausforderungen beachtlich werden. Wichtig ist auch eine solide Datenlage, die nicht alle Kunden haben – denn vielen ist gar nicht bekannt, wie viele Calls und E-Mails sie monatlich bearbeiten. Davon hängt aber die Wahl der richtigen Lösung ganz entscheidend ab. Wir arbeiten dann oft daran, herauszufinden, was unsere Kunden noch gar nicht wissen!

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Hessen

Reisen im Umbruch: Warum persönliche Betreuung wieder zählt

Interview mit Thomas Klein, Vorstand der LCC Reisebüro AG

Reisen im Umbruch: Warum persönliche Betreuung wieder zählt

Reisen sind wieder fester Bestandteil von Geschäftsmodellen und Lebensentwürfen – aber sie werden anders geplant, anders gebucht und anders betreut als noch vor wenigen Jahren. Genau in dieser…

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Interview mit Dr. Joern Woll, Geschäftsführer der Mundipharma GmbH

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Die Pharmaindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus medizinischem Fortschritt, regulatorischem Druck und steigenden Anforderungen an den Patientenzugang. Die Mundipharma GmbH hat darauf mit einer klaren Fokussierung ihres Portfolios reagiert:…

Menschen für den Wandel

Interview mit Martin Krill, CEO der HAGER Executive Consulting GmbH

Menschen für den Wandel

Der Arbeitsmarkt verändert sich, Führungsprofile wandeln sich und technologische Entwicklungen beschleunigen diesen Prozess zusätzlich. Für die HAGER Executive Consulting GmbH bedeutet Personalberatung deshalb weit mehr als die Besetzung einer freien…

Das könnte Sie auch interessieren

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Interview mit Nicolas de Beco, CEO der Banqup Group

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Lang angekündigt, kommt sie doch schneller als gedacht – die E-Rechnungspflicht. Damit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, schnellstmöglich ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Die Banqup Group bietet…

Seit 1949 den Wandel gestalten

Interview mit Florian Salfer, Geschäftsführer der C. Rudolf Salfer GmbH

Seit 1949 den Wandel gestalten

Aus einer Werkstatt für Schreibmaschinen wurde über Jahrzehnte ein modernes IT-Systemhaus: Die Salfer GmbH verbindet technologische Kompetenz mit den Werten eines Familienunternehmens. Geschäftsführer Florian Salfer setzt dabei auf Qualität statt…

Sichere Daten, sichere Zukunft

Interview mit Susanne Moosreiner, Geschäftsführerin der SEP GmbH

Sichere Daten, sichere Zukunft

Cyberangriffe sind derzeit auf Rekordniveau. Laut Bitkom-Studie ist die Gefahr von Industriespionage, Ransomware und Datendiebstahl für 81% der deutschen Unternehmen eine reale. Weil der wirtschaftliche Schaden immens ist, werden mehrschichtige…

TOP