„Innovation entsteht nicht im stillen Kämmerlein“

Interview mit Dierk Mutschler und Steffen Szeidl, Vorstände der Drees & Sommer SE

Wirtschaftsforum: Herr Mutschler, Herr Szeidl, wie definieren Sie das Tätigkeitsfeld von Drees & Sommer?

Steffen Szeidl: Wir sind in wirklich allen Bereichen rund ums Bauen tätig: Unsere Leistungen reichen von der Analyse und Beratung über die Planung und das Management aller Bauprozesse bis zum Projektmanagement und dem Betrieb. Vereinfachend gesagt sind wir die Übersetzer zwischen den Planern und Ingenieuren und dem, was der Kunde braucht. Wir sind maximal auf den Kunden und seine Bedürfnisse ausgerichtet.

Wirtschaftsforum: In der Vollständigkeit, wie Sie es anbieten, umfasst Ihr Leistungsspektrum eine Vielzahl der unterschiedlichsten Prozesse und Aufgaben, die gemanagt werden müssen. Setzen Sie dabei auch Schwerpunkte?

Dierk Mutschler: Einer unserer Schwerpunkte ist beispielsweise ICT – Information and Communication Technology – im Hinblick auf das Thema Smart Commercial Building. Die Vernetzung, also ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aller Planungs-, Gebäude- und Nutzer-Daten, ist eines der großen Themen der Stunde. Hier begnügen wir uns nicht nur mit der Rolle des Beraters, sondern sind Innovationsführer. Wir arbeiten immer mit den neuesten Entwicklungen, wir finden heraus und machen vor, was machbar ist.

Wirtschaftsforum: Etliche Referenzprojekte in verschiedenen Ländern und für unterschiedlichste Branchen sprechen für Drees & Sommer. Nennen Sie uns einige Beispiele?

Dierk Mutschler: Was die Branchen betrifft, sind wir vorrangig im Automotive-, Pharma- und Healthcare-Bereich unterwegs. So haben wir im Automotive-Sektor Projekte für Daimler und VW abgewickelt und konnten über die VW-Gruppe auch Lamborghini als Kunden gewinnen.

Steffen Szeidl: Derzeit unterstützen wir das Forschungs- und Entwicklungszentrum Roche in Basel. Hier verbindet der Bauherr mit der digitalen Methode Building Information Modeling zwei strategische Zielsetzungen: eine spürbare Verbesserung der Planungs- und Realisierungsqualität sowie eine höhere Effizienz bei reduzierten Planungs- und Baukosten. Stolz sind wir auch auf das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, bei dem wir unter anderem das technisch-wirtschaftliche Projektcontrolling übernommen haben, und auf ‘The Ship’ in Köln, das wir als Bürogebäude der Zukunft unter Digitalisierungs- und Smart Building-Gesichtspunkten begleiten und das wir mit einem ganzheitlichen Engineering hinsichtlich Gebäudetechnik, Energiekonzept, Fassadentechnik, Bauphysik sowie Green-Building-Beratung unterstützen. Bei uns gibt es generell nur einen Vertrag und keine 25 Planungsbüros. So baut sich eine enge Beziehung zum Kunden auf.

Wirtschaftsforum: Diese enge Kundenbeziehung ist für Ihr Unternehmen essenziell. Hier investieren Sie viel und gehen damit einen anspruchsvolleren Weg als andere. Warum?

Dierk Mutschler: Wiederkehrende Kunden sind der beste Beweis für die Qualität unserer Arbeit. Und diesen Anspruch haben wir eben: Qualität, Qualität, Qualität. Der Kunde muss zufrieden sein. Deshalb muss man sich auch einmal kritischen Fragen stellen und nicht immer nur Everybody‘s Darling sein wollen. So fundamentales Immobilien-Know-how, das die Kunden begeistert, zu bieten und ständig zu vertiefen – daran arbeiten wir täglich.

Wirtschaftsforum: Was spornt Sie in Ihrem Beruf sonst noch an und was schätzen Sie an Ihrem Unternehmen?

Steffen Szeidl: Persönlich treibt es mich an, das Thema Innovation voranzubringen und in einer Branche, die als sehr oldschool wahrgenommen wird, Trends zu entdecken und sie auszubauen. Eine enge Beziehung zum Kunden ist für uns auch deshalb so wichtig, weil Innovation nicht im stillen Kämmerlein entsteht, sondern immer auch in Zusammenarbeit mit dem Kunden. Dazu kommt: Im Unternehmen haben wir einfach einen tollen Spirit. Bei uns kann jeder mitreden, seine Themen einbringen, Ideen umsetzen – vom Praktikanten bis zum Vorstand. Wir haben eine extrem motivierende Arbeitsatmosphäre.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Drees & Sommer in den nächsten fünf bis sieben Jahren?

Dierk Mutschler: Bis 2025 möchten wir innerhalb der EU noch stärker als Marktführer ankommen. In Deutschland sind wir das schon. Wir wollen zudem mit kundenorientierten Lösungen führender Dienstleister für digitale Geschäftsmodelle im Immobilienbereich werden. Sonst machen wir weiter wie bisher: mit maximal begeisternden, besonderen Projekten internationaler Coleur. Wir freuen uns auf Herausforderungen, die manchmal auch an der Grenze des Machbaren sind und uns alles abverlangen. Wir haben Kollegen von allen Kontinenten, sind ein hochmotiviertes, internationales Team – beste Voraussetzungen für das globale Geschäft.

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