Großer Genuss für die Kleinen

Interview mit Klaus Kühn, Geschäftsführer der Drei Köche GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kühn, die Drei Köche GmbH ist in Berlin und Brandenburg ein gefragter Partner, wenn es um kind- und schülergerechtes Schulcatering geht. Wie kam es dazu?

Klaus Kühn: Der Startschuss für das Unternehmen fiel 2004. Ein Koch, ein Küchenmeister und ich selbst haben uns in dem Jahr zusammengeschlossen, um ein Start-up zu gründen. Die Idee war, die Schulverpflegung, ein Bereich, in dem wir drei Erfahrung hatten, mit neuem Leben zu füllen. Seit 2019 ist das Schul- und Kitaessen in Berlin kostenfrei, seitdem hat sich das Geschäft entsprechend dynamisch entwickelt. Das Auftragsvolumen nahm zu, gleichzeitig war der Aufgabenbereich nicht mehr so individuell, da es klare Vorgaben vonseiten der Stadt gab. Beispielhaft ist die Orientierung an den Empfehlungen der DEG. So wird gewährleistet, dass alle Berliner Schulen qualitativ hochwertiges Essen anbieten. Ein Schritt mit Signalwirkung für ganz Deutschland.

Wirtschaftsforum: Wie ist die Drei Köche GmbH organisatorisch aufgestellt?

Klaus Kühn: Wir beschäftigen heute mehr als 300 Mitarbeiter und werden in diesem Jahr einen Umsatz von 27 Millionen EUR erzielen. Der Fokus liegt seit jeher auf Berlin, zudem sind wir in Brandenburg tätig, wo wir momentan eine neue Großküche errichten. Geplant ist eine Kapazitätenerweiterung; außerdem weichen wir nach Brandenburg aus, um verstärkt regionale Bio-Produkte verarbeiten zu können. Mit diesem Schritt setzen wir uns aktiv für eine gesunde Schulspeisung ein.

Wirtschaftsforum: Über wie viele Schulessen reden wir heute?

Klaus Kühn: Wir liefern 22.000 Schulessen. Seit 2015 beköstigen wir aus humanitären Gründen zudem Asylbewerber sowie seit dem Krieg 3.000 Flüchtlinge aus der Ukraine. Damit liegt unser Marktanteil bei 10%.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Schulessen der Drei Köche von dem anderer Anbieter?

Klaus Kühn: Wir möchten, dass Kinder Spaß an unserem Essen haben, dass dieses gesund ist und Kinder mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt. Der Bio-Anteil liegt bei über 60%. Um Frischequalität zu garantieren, arbeiten wir mit dem Cook and Chill-Verfahren, das einen idealen Nährstofferhalt garantiert. Bei dieser Methode wird das Essen frisch gekocht und anschließend auf 2 °C heruntergekühlt; das sogenannte Schockkühlen. Die Mahlzeiten werden in einem weiteren Schritt vor Ort in den Schulen gargekocht. Mithilfe dieses Verfahrens können wir frisches, gesundes, vitaminreiches Essen sicherstellen. Essen soll jedoch nicht nur gesund sein, sondern auch Spaß machen. Mit Aktionen wie ‘Koch on Tour’ wollen wir Kindern das Thema ausgewogene Ernährung spielerisch und mit viel Spaß näherbringen. Ein Koch geht in Schulen, schneidet gemeinsam mit den Kindern Gemüse und kocht. Für viele ist das eine neue Erfahrung.

Wirtschaftsforum: Die Drei Köche GmbH ist eine feste Größe am Markt. Welche Marketingkanäle werden genutzt, um Kunden zu akquirieren?

Klaus Kühn: Aufträge erhalten wir heute über öffentliche Ausschreibungen und Empfehlungen. Wir arbeiten mit Agenturen zusammen und partizipieren an Aktionen wie dem Umwelttag, wo wir mit einem Food Truck am Brandenburger Tor Flagge für gesundes Schulessen gezeigt haben. Egal, wie wir uns engagieren, bei uns steht immer das Kindeswohl im Fokus.

Wirtschaftsforum: Sie sind ein erfahrener und erfolgreicher Kaufmann. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den Erfolg der Drei Köche?

Klaus Kühn: Es sind vor allem Fleiß, Glück und das Team. Wir kennen unsere Kunden, haben einen starken Außendienst und auch wir Geschäftsführer besuchen regelmäßig unsere Kunden; das ist in der Branche eher unüblich. Auch die ungewöhnliche Konstellation des Gründertrios hat sich als Glücksfall erwiesen. Der Erfolg hat sich erst durch die weibliche Note in unseren Leitungsaufgaben eingestellt. Viele kommen aus dem Osten, wo sie eine gründliche Ausbildung genossen haben. Dieser gute Mix aus Ost und West und Kompetenzen wie Handwerkskunst und Marketingexpertise hat uns stark gemacht.

Wirtschaftsforum: 10% Marktanteil heute. Sollen es in Zukunft mehr werden?

Klaus Kühn: Ziel sind 15 bis 20%. 2024 wird das Schulessen in Berlin neu ausgeschrieben; da wollen wir mit unserer neuen Großküche angreifen. Danach wird es keine sprunghaften Entwicklungen mehr geben, stattdessen arbeiten wir an Herausforderungen wie einer Null-Energie-Küche. Um diese Küche zu realisieren, setzen wir Photovoltaik und Windkraft ein und werden eine kleine, dezentrale Biogasanlage für die Verwertung von Speiseresten aufbauen. So hoffen wir, langfristig unsere Vision einer nachhaltigen Großküche zu realisieren. Mit unserer Größe werden wir uns noch professioneller aufstellen müssen und spezifisches Know-how ins Unternehmen holen. Auch neue Märkte im Bereich Außer-Haus-Verköstigung wie Betriebsverpflegung oder die Verpflegung von Senioren sind angedacht. Nicht zuletzt steht ein Generationenwechsel an. Ich bin seit 1978 selbstständig und stolz auf das, was wir gemeinsam bei den Drei Köchen geschafft haben.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Spannendes aus der Region Berlin

Aus Müll wird Mehrwert

Interview mit Dr. Christoph Franzke, Geschäftsführer der ALBA Berlin GmbH

Aus Müll wird Mehrwert

Wer heute nicht trennt, wird morgen abgehängt. Recycling ist entscheidend für eine gelingende Kreislaufwirtschaft – denn hier entsteht der Rohstoff der Zukunft. ALBA, 1968 in Berlin gegründet, zählt heute zu…

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Interview mit Waldemar Walczok, Geschäftsführer der SICC Coatings GmbH

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Wer über Energieeffizienz im Gebäudesektor spricht, denkt meist zuerst an Dämmstoffe. Waldemar Walczok verfolgt einen anderen Ansatz. Mit Beschichtungen, die wie Farbe verarbeitet werden, will sein Unternehmen Gebäude kühlen, Wärme…

Sicherheit – next level

Interview mit Andreas Ciborius und Thilo Leuthner, Geschäftsführer CIBORIUS Security & Service Solutions GmbH

Sicherheit – next level

Die Welt ändert sich und mit ihr die Herausforderungen. Das gilt auch für die Sicherheitsbranche. Roboter, die zur Objektüberwachung eingesetzt werden, sind längst Standard. Zumindest für die CIBORIUS Security &…

Das könnte Sie auch interessieren

Weinkultur mit Weitblick

Interview mit Jürgen Lergenmüller, Geschäftsführer der Weinhaus Lergenmüller GmbH

Weinkultur mit Weitblick

Weniger Weinkonsum im Inland, veränderte Vorlieben jüngerer Zielgruppen und neue Chancen im Export setzen die Branche in Bewegung. Lergenmüller reagiert darauf mit leichteren Produkten, mehr Bioanbau und einer stärkeren internationalen…

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

„Mich reizt die Komplexität!“

Interview mit Nikola Tubic, Vorsitzender und CEO der Wyss&Lila AG

„Mich reizt die Komplexität!“

Wer sich mit Engineeringdienstleistungen im Bahnsegment selbstständig machen will, muss die Materie bis ins Detail verstehen. Nikola Tubic ist diesen Schritt nach mehr als zwei Jahrzehnten Branchenerfahrung gegangen und gründete…

TOP