Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Interview mit Pater Johannes Bauer, Cellerar der Ettaler Klosterbetriebe GmbH

Wirtschaftsforum: Pater Johannes Bauer, Sie leben seit vielen Jahren im Kloster Ettal. Welche Aufgabe haben Sie dort heute?

Pater Johannes Bauer: Ich bin seit 1980 Mönch der Benediktinerabtei Ettal. Nach meiner theologischen und betriebswirtschaftlichen Ausbildung war ich zunächst stellvertretender Cellerar. Seit 2004 bin ich hauptverantwortlicher Cellerar, also Ökonom des Klosters, und zugleich Geschäftsführer der Ettaler Klosterbetriebe GmbH. In dieser Funktion trage ich Verantwortung für die wirtschaftlichen Betriebe des Klosters.

Wirtschaftsforum: Was macht Ettal aus Ihrer Sicht besonders?

Pater Johannes Bauer: Jedes Kloster ist einzigartig, aber Ettal ist schon etwas Besonderes. Wir haben eine prachtvolle Klosteranlage in einer außergewöhnlichen Landschaft. Das ist einerseits ein großer Vorteil, weil es viele Gäste zu uns bringt. Andererseits ist eine solche Anlage auch ein erheblicher Kostenfaktor. Den Unterhalt der Gebäude müssen wir selbst erwirtschaften. Das macht nicht der Staat und auch nicht die Diözese. Deshalb brauchen wir unsere Betriebe.

Wirtschaftsforum: Welche Betriebe gehören dazu?

Pater Johannes Bauer: Ein zen­traler Bereich ist das Klosterhotel Ludwig der Bayer, das seit 1619 ununterbrochen in Betrieb ist. Dazu kommen die Brauerei, der Ettaler Klosterlikör, der seinen Ursprung in der alten Klosterapotheke hat, Einzelhandelsgeschäfte, Landwirtschaft und Forstbetrieb. Unsere Landwirtschaft bewirtschaftet rund 150 ha Grünland, dazu kommen etwa 200 ha Forst. Insgesamt beschäftigen wir rund 180 Mitarbeitende, davon in der Hauptsaison etwa 70 im Hotel. Das Hotel verfügt über rund 100 Wohneinheiten, unser Restaurant über 400 Sitzplätze.

Wirtschaftsforum: Das Kloster wird 2030 700 Jahre alt. Wie wichtig ist diese Geschichte für die heutige Ausrichtung?

Pater Johannes Bauer: Die Geschichte ist für uns sehr prägend. Unser Gründer war Kaiser Ludwig der Bayer. Ursprünglich war Ettal ein Weinkloster, später kam die Brauerei hinzu. Auch der Klosterlikör ist historisch gewachsen. Für uns geht es nicht darum, Vergangenheit museal zu bewahren, sondern sie sinnvoll weiterzuführen. Es gibt das schöne Wort: Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.

Wirtschaftsforum: Wie verbinden Sie Klosterleben und Hotelbetrieb?

Pater Johannes Bauer: Das gehört für uns zusammen. Der heilige Benedikt schreibt in seiner Regel, dass Gäste so wie Christus aufgenommen werden sollen. Wenn man das ernst nimmt, dann bietet man Gästen auch eine gute Unterkunft. Gastfreundschaft ist also kein Zusatz, sondern Teil unseres Selbstverständnisses. Gleichzeitig muss ein Hotel immer wieder modernisiert werden. Wenn man von einem Betrieb leben will, muss man auch investieren.

Wirtschaftsforum: Welche Werte prägen die Betriebe?

Pater Johannes Bauer: Wichtig sind Gastfreundschaft, Nachhaltigkeit und Respekt. Der Gast soll im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig wollen wir verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen. Unsere gesamte Klosteranlage samt Betrieben ist an eine Heizung angeschlossen, die zu etwa 90% regenerative Energie nutzt, vor allem aus Waldhackschnitzeln. Außerdem betreiben wir Photovoltaikanlagen und erzeugen mehr als 50% unseres Strombedarfs selbst. Auch ein Wasserkraftwerk gehört dazu. Nachhaltigkeit entspricht unserer Ordensregel.

Wirtschaftsforum: Wie zeigt sich Respekt im Arbeitsalltag?
 

Pater Johannes Bauer: Gerade im Hotel arbeiten Menschen aus vielen Ländern und mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen. Wir haben christliche, muslimische und konfessionslose Mitarbeitende. Für uns ist wichtig, dass jeder respektiert wird und seinen Glauben leben kann. Das betrifft zum Beispiel auch Speisen, die religiösen Vorschriften entsprechen. Dieses Miteinander funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der Tagungsbereich?

Pater Johannes Bauer: Mit der Alpenklausur verfügen wir über einen Tagungsbereich für Gruppen von acht bis 400 Personen. Die Räume sind technisch modern ausgestattet und landschaftlich sehr schön eingebunden. Das ist für Unternehmen interessant, die einen besonderen Ort für Seminare, Tagungen oder Veranstaltungen suchen.

Wirtschaftsforum: Welche Investitionen stehen im Fokus?

Pater Johannes Bauer: Unsere letzte große Investition war ein Mitarbeiterhaus direkt am Hotel mit eigener Kantine, Aufenthaltsbereichen und einem Logistikzentrum. Das war ein Projekt von über 2 Millionen EUR. Der weitere Ausbau der Wellnesslandschaft mit zusätzlichen, großzügiger gestalteten Zimmern ist geplant, hängt aber von Finanzierung und Genehmigungen ab.

Wirtschaftsforum: Welche Zukunftsideen verfolgen Sie darüber hinaus?

Pater Johannes Bauer: Wir arbeiten an einem neuen Bildungskonzept, einer Alpenakademie. Dort sollen benediktinische Werte, Nachhaltigkeit, ein gutes Miteinander und Fragen des friedlichen Zusammenlebens in einer Zeit der Migration vermittelt werden. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie erstellt. Wir hoffen, dass davon Impulse für die Betriebe und auch für das Kloster ausgehen.

Wirtschaftsforum: Was möchten Sie Gästen und Geschäftspartnern mitgeben?

Pater Johannes Bauer: Ettal ist immer einen Besuch wert. Und ein Aufenthalt im Klosterhotel Ludwig der Bayer ist etwas Besonderes wegen der Geschichte, der Landschaft und der Atmosphäre, die man hier erlebt.

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Bayern

Der etwas andere Problemlöser

Interview mit Christian Heidler, Vorstand der hmd-software AG

Der etwas andere Problemlöser

Schreibmaschine, Taschenrechner, Locher und Papierstapel statt Dashboard. Vor 40 Jahren war das Rechnungswesen papierlastig, analog und zeitaufwändig. Heute sorgen Digitalisierung und künstliche Intelligenz dafür, dass viele Prozesse effizienter, schneller und…

Werte bauen: Zukunft im Wohnraum

Interview mit Werner Mürz, Inhaber der Residia Gruppe

Werte bauen: Zukunft im Wohnraum

Hohe Zinsen, restriktive Finanzierungsbedingungen und schleppende Genehmigungsverfahren bringen viele Immobilienunternehmen ins Straucheln. Die Residia Gruppe geht bewusst den Gegenweg: konservative Finanzierung, eigener Bestand, schlanke Strukturen. Inhaber Werner Mürz erklärt, warum…

Gemeinsam Zukunft gestalten

Interview mit Gunther Gamst, CEO der Vaventus AG Kälte Klima Lüftung

Gemeinsam Zukunft gestalten

Laut Studie der staatlichen Förderbank KfW finden immer mehr Unternehmer in Deutschland keinen Nachfolger und denken über eine Schließung ihres Betriebs nach. Allein im Handwerk droht demnach 54.000 mittelständischen Betrieben…

Das könnte Sie auch interessieren

100% Bio ohne Wenn und Aber

Interview mit René Belker, Geschäftsführer der GGBE GmbH

100% Bio ohne Wenn und Aber

Fünf Gartenbau-Studenten, ein Wochenmarktstand aus selbst gezimmerten Paletten und die Überzeugung, dass Lebensmittel auch ohne Pestizide wachsen: Was 1986 in Kalkriese bei Osnabrück als ökologisches Experiment begann, ist heute einer…

Gesundheit mit Leichtigkeit

Interview mit Monika Wallner, Direktorin des Aktiv- & Gesundheitsresorts das GXUND

Gesundheit mit Leichtigkeit

Gesundheit ist im Aktiv- & Gesundheitsresort das GXUND kein strenges Programm, sondern eine Haltung. Das Haus in Bad Hofgastein verbindet Kurtradition, Hotellerie und moderne Prävention. Seit 1925 prägt Gesundheit den…

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Interview mit Bernd Eulitz, Geschäftsführer der Hotel Semlin GmbH

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Golf, Hotel, Gastronomie und Naturerlebnis greifen in Semlin seit Jahrzehnten ineinander. Aus dem ersten Golfplatz Brandenburgs entwickelte sich eine weitläufige Anlage mit Hotel, mehreren Golfplätzen und rund 1.400 Mitgliedern. Geschäftsführer…

TOP