Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Schlotz, Sie führen HAKAWERK gemeinsam mit Ihrer Schwester in 3. Generation. War Ihr Weg ins Familienunternehmen vorgezeichnet?

Daniela Schlotz: Nein. Unser Vater wollte nie, dass wir uns zur Nachfolge verpflichtet fühlen. Meine Schwester hat Betriebswirtschaft studiert und sich früher für den Einstieg entschieden. Ich war zwölf Jahre als selbstständige Rechtsanwältin tätig und habe das Unternehmen zunächst juristisch beraten. Als mein Vater das Rentenalter erreichte und meine Schwester schwanger wurde, bin ich eingesprungen – anfangs parallel zu meiner Kanzlei. Dabei stellte ich fest, dass mir Vertrieb und Unternehmensführung mehr Freude machen. So fiel die Entscheidung ganz bewusst für HAKAWERK.

Wirtschaftsforum: Die Unternehmensgeschichte begann 1946 mit der Neutralseife. Was prägt HAKAWERK bis heute?

Daniela Schlotz: Vor allem Kontinuität. Unser Großvater Wilhelm Schlotz entwickelte aus den damals knappen Rohstoffen ein leistungsfähiges, vielseitig einsetzbares Reinigungsmittel. Die Neutralseife gibt es bis heute nahezu unverändert. Über die Jahrzehnte kamen weitere Produkte für Haushalt, Wäsche und Körperpflege hinzu. Unser Ziel war es immer, den gesamten Haushalt mit wirksamen, sparsamen und hautverträglichen Produkten abzudecken.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit gehört heute zu den wichtigsten Marktthemen. Was bedeutet das Thema für Sie?

Daniela Schlotz: Wir arbeiten seit jeher mit Nachfüllgebinden, achten auf Umweltverträglichkeit und nehmen Gebinde zurück. Früher hat darüber kaum jemand gesprochen. Für uns war es selbstverständlich – vielleicht haben wir deshalb lange zu wenig darüber kommuniziert. Nachhaltigkeit beginnt für uns bei der Rohstoffauswahl, umfasst die Rezeptur und reicht bis zur sparsamen Dosierung. Je weniger Produkt für ein überzeugendes Ergebnis benötigt wird, desto besser ist das für Umwelt und Geldbeutel.

Wirtschaftsforum: Welche Eigenschaften verbinden alle Produkte?

Daniela Schlotz: In Frankreich, unserem zweitgrößten Markt, sprechen wir gern von den drei „E“: efficacité, écologie und économie – also Wirksamkeit, Ökologie und Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt die Hautverträglichkeit. Gerade unsere Waschmittel sind auch für Allergiker und Menschen mit Neurodermitis geeignet und entsprechend getestet. Zu unseren Bestsellern zählen neben der Neutralseife insbesondere die Waschmittel.

Wirtschaftsforum: Sie haben also fast die vollständige Wertschöpfung am Standort Waldenbuch?

Daniela Schlotz: Wir entwickeln im eigenen Labor, produzieren vor Ort und steuern auch Vertrieb und Logistik weitgehend selbst. Das ist wirtschaftlich nicht immer der einfachste Weg, gibt uns aber Kontrolle über Qualität, Nachhaltigkeit und Lieferfähigkeit. In der Pandemie hat sich gezeigt, welchen Wert kurze Wege und eine geringe Abhängigkeit von fragilen Lieferketten haben. Zugleich können wir Private Label-Lösungen anbieten und kundenspezifisch entwickeln.

Wirtschaftsforum: Wie verändert die Digitalisierung Ihren Vertrieb?

Daniela Schlotz: Unser Direktvertrieb bleibt wichtig, weil unsere Produkte erklärungsbedürftig sind. Wer ihre Ergiebigkeit erlebt, erkennt den Mehrwert. Gleichzeitig sind Menschen heute anders erreichbar als früher. Deshalb müssen Außendienst, Onlineshop und Social Media enger zusammenspielen. Daran arbeiten wir derzeit.

Künstliche Intelligenz nutzen wir etwa im Marketing oder in der IT. Sie beschleunigt Prozesse, darf aber nie unreflektiert eingesetzt werden. Authentizität ist für ein Familienunternehmen unverzichtbar.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur?

Daniela Schlotz: Sie spielt eine große Rolle. Wir haben rund 120 Mitarbeitende am Standort. Uns ist es wichtig, flexible Arbeitsmodelle zu ermöglichen. Führung in Teilzeit oder verantwortungsvolle Positionen für Mütter sind für uns selbstverständlich, weil wir selbst erlebt haben, wie entscheidend Vereinbarkeit ist. Mit offenen Mitarbeitertreffen schaffen wir zudem neue Kommunikationswege. Ein Unternehmen muss heute mehr bieten als nur einen Arbeitsplatz – die Menschen sollen sich zugehörig fühlen.

Wirtschaftsforum: Was beschäftigt Sie derzeit besonders – und was motiviert Sie, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen?

Daniela Schlotz: Die zunehmende Bürokratie belastet mittelständische Unternehmen erheblich. Wir brauchen weniger Formalismus und verlässliche Rahmenbedingungen, damit wieder mehr Raum für Innovation und Wachstum entsteht. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für unser Familienunternehmen und unsere Mitarbeitenden. Uns motiviert die Überzeugung, dass unsere sparsamen, wirksamen, umweltfreundlichen und hautverträglichen Produkte genau in die heutige Zeit passen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Gemeinsam für Menschen da zu sein: ein Anspruch, der unter den engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags häufig auf der Strecke bleibt. Der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft, der sich auf die Betreuung…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Baden-Württemberg

Effizienz mit klaren Strukturen

Interview mit Tilla Schröder, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der profiforms gmbh

Effizienz mit klaren Strukturen

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck und müssen ihre Prozesse schneller, effizienter und zugleich rechtssicher gestalten. Die profiforms gmbh aus Leonberg entwickelt Lösungen für das Customer Communication Management. Sie verbindet Input-…

Logistik, die begeistert

Interview mit Alexander Hewel, Geschäftsführer der KELLERGROUP

Logistik, die begeistert

Hidden Champion, Logistik-Versteher, Familienunternehmen: Für die ­KELLERGROUP aus Ditzingen gibt es viele Umschreibungen. Das Unternehmen selbst sieht sich vor allem als inhabergeführtes, mittelständisches Familienunternehmen aus Baden-Württemberg, das nah am Kunden…

Vom Versorger zum Umsorger

Interview mit Christian Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH

Vom Versorger zum Umsorger

Die Zeiten, in denen Stadtwerke vor allem Strom, Gas und Wasser lieferten, sind längst vorbei. Digitalisierung, Klimaneutralität und neue Kundenbedürfnisse verlangen nach neuen Geschäftsmodellen und erheblichen Investitionen. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim…

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Leben für die Spagyrik

Interview mit Dr. Balmahnaden Gopalsamy Naidu, Geschäftsführer und Barbara Gopalsamy Naidu, Geschäftsführerin der PHYLAK Sachsen GmbH

Ein Leben für die Spagyrik

Von homöopathischen Essenzen bis hin zu Kosmetikartikeln widmet sich die PHYLAK Sachsen GmbH seit vielen Jahrzehnten der Herstellung alternativmedizinischer Produkte mit ausschließlichem Fokus auf die Spagyrik. Das Ehepaar Gopalsamy Naidu…

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Interview mit Elke Kopp, Geschäftsführerin der Mary Kay Cosmetics GmbH

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Direktvertrieb, Frauenförderung und starke Marken: Mary Kay Cosmetics steht weltweit für hochwertige Kosmetik und unternehmerische Chancen für Frauen. Im Gespräch erklärt Geschäftsführerin Elke Kopp, verantwortlich für die Märkte Deutschland, Schweiz…

TOP