Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Interview mit Prof. Ulf Hestermann, Gründungspartner, Architekt, & Stadtplaner BDA und Michael Rommel, Partner, Architekt & Bauingenieur BDA der hks | architekten GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Hestermann, Herr Rommel­, 
hks architekten blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wenn Sie in den Rückspiegel schauen: Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Schritte in der Entwicklung des Büros?

Prof. Ulf Hestermann: Wir sind 1980 aus dem Hochschulkontext in Aachen gegründet worden – damals mit drei Partnern. 1991 kam unser Büro in Erfurt hinzu. Beide Unternehmen haben heute zusammen um die 90 Mitarbei-ter. Holzbau war für uns von Anfang an ein zentrales Thema. ­In den 1980er-Jahren war das noch sehr ungewöhnlich; damals galt Holz eher als Material für Ferienhäuser oder generell den Freizeitbereich. Wir aber haben schon früh Wohnungsbauprojekte in Holz realisiert und dabei die amerikanisch-kanadische Holzbauweise auf deutsche Normen übertragen. Rückblickend waren wir unserer Zeit damit deutlich voraus.

Michael Rommel: Dieser Pio­niergeist prägt uns bis heute. Der bewusste Umgang mit Kosten, Flächen und Ressourcen ist unser genetischer Code. Egal ob Wohnungsbau, Schulen, Forschungsgebäude oder Infrastrukturprojekte – wir schauen immer genau hin: Was braucht es wirklich? Wieviel ist genug und wie entsteht daraus gute Architektur mit hoher Raumqualität, hervorragenden Arbeitsbedingungen und Aufenthaltsqualitäten?

Wirtschaftsforum: Ihr Tätigkeitsfeld hat sich im Laufe der Zeit stark erweitert.

Prof. Ulf Hestermann: Ja, sehr. Besonders zu Beginn der 2000er-Jahre erlebte die Baubranche eine ausgeprägte Konjunkturdelle – für uns ein Anlass, unsere Aus-richtung kritisch zu hinterfragen und uns bewusst neu aufzustel-len. In dieser Zeit kamen neue Aufgabenfelder hinzu, zunächst das Bauen für die medizinische Versorgung, später auch Projekte im Bereich der Industrie- und Gewerbebauaufgaben. Einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt markierte ab etwa 2010 der Einstieg in den Forschungsbau. Jüngst sind Bauaufgaben in großen Maßstäben wie Hochhäusern hinzugekommen. Entscheidend war dabei weniger eine strategische Planung auf dem Reißbrett als vielmehr die Fähigkeit, mit zunehmender Komplexität umzugehen. Wir setzen bewusst auf frühe Kommunikation, persönlichen Austausch und das systemati-sche Sammeln von Informati-onen. Denn ein fertiges Bild zu entwerfen bevor die Aufgabe wirklich verstanden ist, führt oft zu Korrekturen, die niemandem Freude bereiten – auch nicht den Architekten selbst. 

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Marktposition beschreiben?

Michael Rommel: Wir haben ei-nen sehr guten Auftragsbestand, der über mehrere Jahre trägt. Insofern sind wir im Markt solide aufgestellt. Jedoch definieren wir Erfolg nicht über Größe allein. Unser Anspruch ist, mit anspruchsvollen Auftraggebern zusammenzuarbeiten und qualitativ hochwertige Architektur zu liefern. Dazu gehören zunehmend auch Beratungen, Machbarkeits- studien, strategische Entwick-lungsplanungen und die Begleitung von Bauherren oder frühe Projektanalysen – also Leistungen vor Beginn der eigentlichen Gebäudeplanung.

Wirtschaftsforum: Welchen Anspruch haben Sie vor diesem Hintergrund an Ihre Unternehmenskultur?

Prof. Ulf Hestermann: Uns be-schäftigt derzeit vor allem der weitere Abbau von Hierarchien. Wir etablieren soziokratische Strukturen und haben dafür unter anderem ein aus sieben Mitgliedern bestehendes Gremium eingerichtet, das die Geschäftsführung ergänzt. Entscheidungen werden dort bewusst auf Augenhöhe getroffen. Im Mittelpunkt stehen weniger klassische Zuständigkeiten als vielmehr funktionierende Prozesse und eine gemeinsame Verantwortung.

Wirtschaftsforum: Wie definieren Sie heute Ihre eigenen Rollen im Unternehmen?

Prof. Ulf Hestermann: Ich ziehe mich nun schrittweise aus der Geschäftsführung zurück. In-zwischen verstehe ich mich eher als Mentor. Ich begleite frühe Projektphasen, auch auf Stadtplanungsebene, und kümmere mich zunehmend um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hier im Büro sowie um Fragen der Gestaltungsqualität unserer Projekte. 

Michael Rommel: Ich bin stärker in der Organisations- und Prozess­entwicklung aktiv. Es
geht mir darum, Menschen zusammenzubringen, andere Formen der Zusammenarbeit zu ermöglichen und Erfahrungen weiterzugeben. Führung heißt heute für mich, Impulse zu setzen – nicht alles selbst zu machen.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die Zukunft?

Michael Rommel: Themen wie nachhaltiger Holzbau, Bauen im Bestand oder zirkuläre Prozesse sind auch zukünftig sowohl für uns als auch global relevant.

Prof. Ulf Hestermann: Unsere Vision ist es, unter sich ändernden Bedingungen qualitätvolle Architektur zu machen, verantwortungsvoll und mit Haltung. Wenn das gelingt, bleibt hks architekten auch in Zukunft erfolgreich.

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