„Wir brauchen einen europäischen Arbeitsmarkt!“

Interview mit Stephan Holzleitner, Geschäftsführer der HOGO Time Solution GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Holzleitner, seit beinahe zwei Jahrzehnten wollen Sie mit HOGO Menschen zu ihrem Traumjob verhelfen – wie genau stellen Sie das an?

Stephan Holzleitner: Prinzipiell treten wir als Personaldienstleister auf, bisher vor allem im gewerblichen Blue-Collar-Bereich, und decken dabei bis auf das Pflegesegment nahezu den gesamten Markt ab. Unsere Schnelligkeit ist dabei einer unserer zentralen Erfolgsfaktoren – denn in den seltensten Fällen erlauben die Personalanforderungen unserer Kunden lange Anlaufzeiten. Häufig weiß man erst ein bis zwei Tage vorher, welcher projektbezogene Personalbedarf besteht.

Wirtschaftsforum: Wie schaffen Sie es, dann so schnell zu reagieren?

Stephan Holzleitner: Wir sind im EU-Ausland sehr gut vernetzt. Unsere Recruiting-Teams sind von unserem Sitz in Österreich aus in Rumänien,

Polen, der Slowakei und Tschechien aktiv; in Kroatien und Ungarn betreiben wir sogar eigene Büros, von denen aus wir für den deutschen und österreichischen Markt qualifizierte Fachkräfte rekrutieren. Pro Woche generieren wir dabei circa 300 Bewerbungen.

Wirtschaftsforum: Ist dieses Geschäftsfeld in den letzten Jahren eher einfacher oder schwieriger geworden?

Stephan Holzleitner: Definitiv schwieriger – denn die Zeiten, in denen sich polnische oder slowakische Arbeitskräfte über nahezu jede Stelle in Deutschland gefreut haben, sind lange vorbei. Eine kürzlich durchgeführte Erhebung hat ergeben, dass inzwischen mehr Polen zurück in ihr Heimatland ziehen als von dort nach Deutschland auswandern. Umso wichtiger ist es für Unternehmen wie HOGO, in diesem Kontext auch als schlagkräftiger, vertrauenswürdiger Dienstleister wahrgenommen zu werden: So kümmern wir uns selbstverständlich um eine Unterkunft für die ausländischen Mitarbeiter im jeweiligen Zielland und treten als kompetenter Ansprechpartner bei allen Fragestellungen rund um ihre Tätigkeit auf. Die so entstehende Mundpropaganda erleichtert uns dann auch das Recruiting von weiterem Personal – und nicht wenige Fachkräfte arbeiten schon seit über 15 Jahren mit uns zusammen.

Wirtschaftsforum: Seitdem hat auch der Arbeitsmarkt in Europa mehrere Integrationsschritte durchlaufen – hat das Ihre Tätigkeit vereinfacht?

Stephan Holzleitner: Im Europäischen Wirtschaftsraum herrscht Freizügigkeit, ja – aber das heißt leider nicht, dass es auch einen europäischen Arbeitsmarkt gibt. Dem ist leider nicht so, auch wenn das allgemein wenig bekannt zu sein scheint. Aber ein bosnischer Staatsbürger, der seit 20 Jahren in Deutschland arbeitet, darf nicht einfach so eine Tätigkeit in Österreich aufnehmen, eben weil seine Arbeitsgenehmigung nur in Deutschland gültig ist. Jeder EU-Mitgliedsstaat hat eigene Anforderungen an die Erteilung eines Staplerscheins und völlig unterschiedliche Richtlinien zur Anerkennung von beruflichen Qualifikationen aus Drittstaaten. Das ist ein riesiger Hemmschuh – und ein bedeutender Wettbewerbsnachteil gegenüber China oder den USA: Schließlich herrschen in Kalifornien keine anderen Beschäftigungsvorschriften als in Florida. Wenn wir wollen, dass unser Arbeitsmarkt flexibler wird und wir in Zukunft schneller auf Leistungsspitzen reagieren können, um neue Industrien zu unterstützen, die sich hoffentlich in Europa ansiedeln, müssen wir diese Kleinstaaterei hinter uns lassen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie perspektivisch die zentralen Wachstumsfelder für HOGO?

Stephan Holzleitner: Wir wollen uns in Zukunft noch deutlich stärker im White-Collar-Segment engagieren, was mit einem deutlich intensiveren Recruiting-Prozess einhergeht. Denn in diesen Berufsfeldern besteht ein wesentlich größerer Informationsbedarf zu den jeweiligen Stellen, einschließlich möglicher Probearbeitstage. Im Blue-Collar-Bereich ist das anders: Auch ein Stahlbauschlosser möchte natürlich unter möglichst attraktiven Bedingungen arbeiten, aber die Tätigkeit, die er verrichtet, gleicht sich doch von einem Unternehmen zum anderen relativ stark. Bei einer Bilanzbuchhalterin ist das anders, da die konkreten Prozesse bei den einzelnen Arbeitgebern ganz unterschiedlich ausgestaltet sein können. Die jeweilige Betriebskultur spielt dann ebenfalls noch einmal eine deutlich wichtigere Rolle.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil in die Zukunft des Arbeitsmarktes – gerade in Zeiten der KI?

Stephan Holzleitner: Nach meiner Erfahrung werden die Auswirkungen der technologischen Neuerungen oftmals stark überbewertet, während der demografische Wandel bisweilen eher unterbewertet wird. Aus meiner Sicht wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt also eher angespannter werden – gerade in Mangelberufen wie der Pflege. HOGO wird derweil weiterhin auf wichtige Innovationen setzen: Vor allem beim Matching konnten wir die Auswahlprozesse so bereits erheblich beschleunigen. Unsere Stellenbeschreibungen sind inzwischen häufig mit Videos versehen, sodass sich die Bewerber einen noch besseren Überblick über ihre Tätigkeit machen können. So wollen wir uns den Anforderungen der Bewerber wie ihrer Arbeitgeber noch stärker anpassen: Und wenn einmal ein Problem auftritt, hören wir nicht auf, bis wir es gelöst haben.

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