Zwischen Tradition und Transformation

Interview mit Dieter Kleen, Geschäftsführer der IAS GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kleen, Sie sind seit zwei Jahren Geschäftsführer der IAS GmbH. Wie würden Sie das Unternehmen, seine Struktur und seine Kernkompetenzen bschreiben?

Dieter Kleen: Die IAS ist eine eigenständige Gesellschaft innerhalb der SMS Group und im Bereich der metallverarbeitenden Industrie tätig. Wir stellen Induktionsöfen sowohl für das induktive Erwärmen als auch für das induktive Schmelzen von Metall her. 1985 gegründet, befinden wir uns aktuell auf dem Weg von einem Meisterbetrieb hin zum Industrieunternehmen; diesen Prozess begleite ich seit knapp zwei Jahren als Geschäftsführer. Als Maschinenbauingenieur war ich vorher viele Jahre in unterschiedlichsten Funktionen und in verschiedenen Branchen tätig.

Wirtschaftsforum: Wie sah die Unternehmensentwicklung in groben Zügen aus?

Dieter Kleen: Gestartet ist die IAS als reines Serviceunternehmen, das zum Beispiel Reparaturen und Wartungen von Induktionsanlagen übernahm. Erst nach einer Umstrukturierung in den 1990er-Jahren wurden Schritt für Schritt eigene Produkte und Anlagen gefertigt. Heute beschäftigt die IAS 60 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei rund 15 Millionen EUR mit einem Exportanteil von 70%. Services machen heute ein Drittel des Umsatzes aus. Seit 2013 sind wir Teil der SMS Group und haben damit eine finanzstarke Muttergesellschaft im Rücken. Viele Aufträge führen wir gemeinsam aus, zudem nutzen wir das weltweite Netzwerk der Gruppe. Auf diese Weise vereinen wir das Beste aus zwei Welten und profitieren von wichtigen Synergieeffekten.

Wirtschaftsforum: Induktionsöfen bestimmen seit jeher das Portfolio. Gibt es Highlights?

Dieter Kleen: Die Blockerwärmer-Technologie markiert einen wichtigen Meilenstein. Beim induktiven Erwärmen werden Blöcke erwärmt und danach zu Profilen gepresst, die häufig für E-Fahrzeuge benötigt werden. Damit gestalten wir die grüne Transformation aktiv mit. Es ist eine zukunftsweisende Technologie, durch die wir viele Kunden gewinnen konnten. Ein weiteres Highlight sind unsere Schmelzöfen. Hier arbeiten wir nur mit NE-Metallen wie Kupfer und Zink und sind stark im Bereich Recycling tätig. Ein Beispiel ist hier das Recycling von Platinen.

Wirtschaftsforum: Das Portfolio ruht damit auf den zwei Säulen induktives Erwärmen und induktives Schmelzen. Es ist eine traditionsreiche Technologie mit großem Potenzial. Wie wichtig sind Innovationen auf diesem Markt?

Dieter Kleen: Die Branche ist eher konservativ und etwas zu verändern ist schwierig und langwierig. Unser primäres Ziel ist deshalb weniger, neue Produkte auf den Markt zu bringen, als vielmehr bestehende Anlagen effizienter zu machen, sie zu optimieren, um Energie einzusparen. Wir arbeiten mit Strom und je weniger Strom benötigt wird, desto größer der Wettbewerbsvorteil. Das Retrofit alter Anlagen ist natürlich nur begrenzt möglich, dennoch ist es ein interessantes Geschäft, bei dem wir gemeinsam mit den Kunden Neues entwickeln.

Wirtschaftsforum: Die IAS ist seit 40 Jahren auf dem Markt und befindet sich, wie Sie sagten, im Wandel zum Industrieunternehmen. Warum konnte sich das Unternehmen so lange erfolgreich am Markt durchsetzen?

Dieter Kleen: Eine Stärke ist unsere technische Kompetenz. Wir sind im Anlagenbau tätig; jede Anlage ist anders, es gibt keine Produkte von der Stange. Wir hören Kunden genau zu, wissen, was sie brauchen, wie ihr Prozess funktioniert, und realisieren individuelle Lösungen. Hinzu kommt die Qualität. Wir haben eine hohe Fertigungstiefe und die gesamte Elektronik liegt bei uns im Haus. Mit unserer eigenen Umrichtertechnologie setzen wir uns vom Markt ab. Nicht zuletzt steht der Name IAS für einen ausgeprägten Servicegedanken; wir kommen aus dem Service, hier liegt unsere DNA und wir haben das Personal, um diesen Servicegedanken zu leben.

Wirtschaftsforum: Das heißt, der Fachkräftemangel ist bei der IAS noch nicht angekommen?

Dieter Kleen: Im Gegenteil: Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen. Wir suchen händeringend nach Mitarbeitern, insbesondere für die Montage. Die Bereitschaft längere Zeit zu reisen, ist trotz finanzieller Anreize heute wenig ausgeprägt. Wir haben beim Recruiting vieles ausprobiert; dennoch bleibt es schwierig, passendes Personal zu finden.

Wirtschaftsforum: Welche Werte kennzeichnen die Firmenkultur?

Dieter Kleen: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Innovationsfähigkeit. Nicht zuletzt sind wir schnell und agil und wollen das auch bleiben.

Wirtschaftsforum: Trotz Wachstum die Agilität zu wahren, ist ein Ziel. Gibt es weitere?

Dieter Kleen: Wir streben einen klaren Wachstumskurs an und gehen von einem dauerhaften Umsatz von über 20 Millionen EUR aus. Deshalb sind nicht nur qualifizierte Mitarbeiter essenziell, sondern auch verbesserte, professionelle Prozesse. 

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