„Fördermittel sind kein Zufall – sie sind Strategie“

Interview mit Dr. Rüdiger Bormann-Heiser, Geschäftsleitung der In Time Solutions AG

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Bormann-Heiser, Ihr Unternehmen blickt auf mehr als fünf Jahrzehnte zurück. Was hat die Entwicklung geprägt?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Im Kern eine ziemlich einfache Überzeugung: Fördermittel dürfen kein Zufallsprodukt sein. Seit 1974 arbeiten wir daran, dass Unternehmen diese Mittel strategisch nutzen können. Der entscheidende Schritt war früh zu erkennen, dass es nicht um Anträge geht, sondern um die Struktur von Projekten. Wenn ein Vorhaben nicht sauber gedacht ist, hilft auch das beste Programm nicht. Dass wir heute rund 6.000 Kunden begleitet und mehr als 1,3 Milliarden EUR Fördermittel umgesetzt haben, ist letztlich das Ergebnis dieses Ansatzes.

Wirtschaftsforum: Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Die Dynamik hat deutlich zugenommen. Förderprogramme entwickeln sich schneller, Anforderungen werden präziser – und gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, sich strategisch zu positionieren. Gerade in Phasen mit viel Unsicherheit zeigt sich, wer vorbereitet ist. Fördermittel können Stabilität geben, aber auch Wachstum ermöglichen, wenn sie richtig eingesetzt werden. Gleichzeitig sehen wir, dass Themen wie Energie, Dekarbonisierung oder Digitalisierung enorme Förderpotenziale eröffnen – wenn man sie richtig einordnet.

Wirtschaftsforum: Wie unterstützen Sie Unternehmen konkret?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Wir übersetzen Förderlogik in unternehmerische Praxis. Das heißt: Wir prüfen nicht nur Programme, sondern stellen die entscheidende Frage – passt das Projekt wirklich dazu? Und wenn nicht, wie muss es angepasst werden? Programme wie Horizon Europe, der EIC Accelerator, der Innovation Fund, LIFE oder Digital Europe bieten enorme Chancen – von Forschungsförderung bis hin zur Skalierung und Markteinführung. Unsere Aufgabe ist es, diese Programme nicht abstrakt zu benennen, sondern für Unternehmen konkret nutzbar zu machen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihre besondere Stärke im Markt?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: In der Verbindung von strategischer Tiefe und operativer Nähe. Viele können Programme benennen – wir sorgen dafür, dass sie im konkreten Fall auch greifen. Unsere Erfahrung hilft, typische Fehler zu vermeiden und Projekte von Anfang an tragfähig aufzusetzen. Das spart Zeit, Geld und oft auch einige Umwege. Gleichzeitig positionieren wir uns bewusst nicht als Vermittler, sondern als Partner, der Projekte inhaltlich mitdenkt.
 

Wirtschaftsforum: Ihre Kunden sind vor allem mittelständische Unternehmen. Warum gerade diese Zielgruppe?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Weil dort häufig die spannendsten Innovationen entstehen. Mittelständler sind flexibel, mutig, oft sehr technologiegetrieben. Gleichzeitig fehlt ihnen manchmal die Zeit oder die Struktur, um sich intensiv mit Förderlogiken zu beschäftigen. Genau an diesem Punkt kommen wir ins Spiel – und schaffen Orientierung in einer Förderlandschaft, die zunehmend komplexer wird.

Wirtschaftsforum: Welche Themen werden künftig besonders wichtig?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Alles rund um Transformation. Energie, Wasserstoff, Dekarbonisierung, Digitalisierung – das sind keine abstrakten Trends mehr, sondern konkrete Investitionsfelder. Gleichzeitig wird die Förderlandschaft weiter wachsen. Wer hier den Überblick behält und die richtigen Schlüsse zieht, verschafft sich einen echten Vorsprung. Wir sehen schon heute, dass Fördermärkte und Wachstumsmärkte oft eng miteinander verbunden sind.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Eine wichtige, aber keine alleinige. Wir nutzen digitale und KI-gestützte Analysen, um schneller passende Programme zu identifizieren und Förderlandschaften besser zu durchdringen. Entscheidend bleibt aber die Einordnung: Was passt wirklich zum Vorhaben, und was nicht? Fördermittelberatung lebt von Erfahrung und Kontextverständnis – Technologie kann das unterstützen, aber nicht ersetzen.
 

Wirtschaftsforum: Welche Werte prägen Ihr Unternehmen?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Verlässlichkeit und Substanz. Wir sind kein Unternehmen, das kurzfristige Trends bedient. Unser Anspruch ist es, Projekte so zu begleiten, dass sie langfristig tragen. Das bedeutet auch, ehrlich zu sein – nicht jedes Vorhaben ist automatisch förderfähig.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei zulage.ch?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: zulage.ch ist für uns die Plattform, auf der wir unsere Expertise sichtbar machen und strukturieren. Unternehmen suchen heute nicht nur Informationen, sondern Orientierung. Genau das wollen wir bieten – eine klare Einordnung von EU-Fördermitteln, Programmen, Zuschüssen und Projektfinanzierung.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Mich interessiert die Frage, wie aus einer Idee ein belastbares Projekt wird. Viele Unternehmen haben gute Ansätze, aber der Weg zur Umsetzung ist oft unklar. Genau dort setzen wir an. Fördermittel sind für mich kein Verwaltungsakt, sondern ein Instrument, um Innovation konkret möglich zu machen.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie Ihre Arbeit in einem Satz zusammenfassen müssten?

Dr. Rüdiger Bormann-Heiser: Wir sorgen dafür, dass aus Ideen strukturierte, förderfähige Projekte werden – und genau darin liegt der Unterschied.
 

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