Resortkonzept mit System

Interview mit Susanne Adrian, General Manager der Marissa GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Adrian, das Marissa Resort am Dümmer See hat sich in wenigen Jahren stark entwickelt. Wie begann die Geschichte?

Susanne Adrian: Unsere beiden dänischen Gesellschafter, Herr Lundsfryd und Herr Winther, haben das Gelände 2012 erworben. Zuvor befand sich dort ein in die Jahre gekommener Campingplatz. Von Anfang an war die Vision klar: ein moderner Ferienpark mit Resortcharakter. 2018 erfolgte der erste Spatenstich, im August 2019 starteten wir mit 35 Einheiten in die Vermietung. Heute verfügen wir über 472 Wohneinheiten – von Apartments für zwei Personen bis hin zu Häusern für bis zu zehn Gäste. Ergänzt wird das Angebot durch Schwimmbad, Saunalandschaft, mehrere Restaurants, Veranstaltungsräume, einen großen Indoor-Spielplatz, einen Escape Room sowie Outdoor-Angebote wie Skatepark, Outdoor-Gym und Spielplätze. Wichtig ist uns, dass unsere Infrastruktur nicht nur Feriengästen vorbehalten ist: Schwimmbad, Gastronomie und Freizeitangebote stehen grundsätzlich jedermann zur Verfügung und werden auch stark von regionalen Besuchern genutzt. Wir verstehen uns als offenes Resort und als Teil der Region – nicht als abgeschottete Ferienanlage.

Wirtschaftsforum: Ihr Geschäftsmodell verbindet Eigentum und professionellen Resortbetrieb. Wie ist es aufgebaut?

Susanne Adrian: Die Gesellschaft gehört unseren beiden Gesellschaftern, die einzelnen Häuser und Apartments wurden jedoch an rund 250 Eigentümer verkauft. Einige Einheiten haben wir selbst behalten. Die Eigentümer können ihre Objekte bis zu zehn Wochen im Jahr selbst nutzen; ein Dauerwohnsitz ist nicht vorgesehen. Wir übernehmen den kompletten Betrieb – von Rezeption und Reinigung bis Vermarktung und Facility Management. Wirtschaftlich bewegen wir uns in einer Dreiecksbeziehung zwischen Eigentümer, Gast und Betreiber. Ein Teil der Infrastruktur wird über eine Resortpauschale von den Gästen mitgetragen. Entscheidend ist, dass sich das Modell für alle Seiten rechnet – insbesondere über eine stabile und steigende Auslastung.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist das Unternehmen heute, und welche Ziele verfolgen Sie?

Susanne Adrian: Wir beschäftigen 170 Mitarbeitende inklusive Minijobbern und erwirtschaften rund 18 Millionen EUR Umsatz. Der durchschnittliche Aufenthalt liegt bei vier Nächten. In der Nebensaison performen vor allem Wochenenden und Feiertagszeiträume, während in Ferienzeiten längere Aufenthalte dominieren. Unser Ziel ist es, langfristig eine Jahresauslastung von 60 bis 70% zu erreichen. Dafür haben wir unsere Vermarktung neu ausgerichtet: Nach einem früheren Exklusivvertrag mit Novasol setzen wir seit 2026 verstärkt auf Eigenvermarktung, Direktbuchungen und Performance-Marketing, bleiben aber parallel auf Plattformen wie Novasol, Booking oder Airbnb präsent.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Hauptzielgruppen, und was ist Ihr klarer USP?

Susanne Adrian: Rund 80% unserer Buchungen entfallen auf Familien. Besonders stark sind wir im Mehrgenerationenurlaub – also wenn Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam reisen, ohne sich auf Hotelzimmer verteilen zu müssen. Unser Haupteinzugsgebiet liegt im Radius von etwa 150 km, vor allem Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und auch die Niederlande. Ein wichtiger Unterschied zum klassischen Ferienhausmarkt ist unsere hochwertige Bauweise und Ausstattung – inklusive Designer-Markenmöbeln, in einigen großen Häusern sogar mit Pool oder Hot Tub. Gleichzeitig setzen wir bewusst nicht auf starre All-Inclusive-Modelle. Unser Credo lautet: Der Gast soll frei entscheiden können – Selbstverpflegung in der voll ausgestatteten Küche oder Restaurantbesuch. Diese Flexibilität trifft den Zeitgeist.

Wirtschaftsforum: Neben dem Freizeitbereich bedienen Sie auch das Konferenzsegment. Welche Rolle spielt es?

Susanne Adrian: Wir betreiben ein eigenes Konferenzcenter und bedienen damit auch das MICE-Segment, das zur ganzjährigen Auslastung beiträgt. In diesem Bereich sind wir messeseitig sogar aktiver als im klassischen Freizeitsegment, da wir hier unser Netzwerk und unsere Partnerstrukturen pflegen. Entsprechend sind wir auf Fachmessen präsent, unter anderem auf der ITB in Berlin, wo wir in diesem Jahr mit eigenem Stand vertreten sind. Dort tauschen wir uns auch mit unseren OTA-Partnern wie Booking, Airbnb oder Novasol aus. Gerade im Konferenzgeschäft ist der persönliche Austausch besonders wichtig.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur – wie positionieren Sie sich hier?

Susanne Adrian: Digitalisierung ist bei uns im gesamten Aufenthaltsprozess integriert: Online-Check-in, digitale Zusatzbuchungen und Zahlungen, gesteuerte Zutrittsberechtigungen für Schwimmbad und Saunalandschaft sowie eine Gäste-App mit aufenthaltsbezogenen Informationen gehören dazu. Im Marketing setzen wir auf SEO, Performance Marketing und KI-gestützte Analysen. Nachhaltigkeit hat im sensiblen Natur- und Wasserschutzgebiet hohe Priorität: eingeschränkter Autoverkehr, E-Fahrzeuge, Fahrräder, Photovoltaik und ein Blockheizkraftwerk sind feste Bestandteile unseres Konzepts. Intern prägen flache Hierarchien und eine skandinavische Hands-on-Mentalität unsere Kultur; neben fachlicher Qualifikation zählt vor allem der menschliche Fit. Perspektivisch planen wir weiteres Wachstum mit einem Projekt am Niederrhein nahe Rees und dem Ziel, langfristig mehrere hochwertige Resorts zu betreiben.

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