Okuma: Von Nudeln zu Hightech

Interview mit Ralf Christian Tränkle, Geschäftsführer (CSO) der OKUMA DEUTSCHLAND GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Tränkle, Okuma blickt auf eine lange Geschichte zurück. Können Sie uns etwas zur Historie des Unternehmens erzählen?

Ralf Christian Tränkle: Ein schöner Fun Fact über unser Unternehmen ist, dass wir als Hersteller von Nudelmaschinen etabliert wurden. Okuma wurde bereits 1898 in Nagoya, Japan, gegründet, und unser erstes Produkt war eine Nudelmaschine, die heute noch in unserem Museum steht und funktioniert. Historisch war Okuma sehr Japan-fokussiert. Vor dem 2. Weltkrieg waren wir bereits der größte Werkzeugmaschinenhersteller auf dem japanischen Markt. Eine Besonderheit von Okuma ist unsere hohe Wertschöpfungstiefe – wir fertigen sehr vieles selbst, von Maschinenbetten über Motoren bis hin zu Encodern. Auch unsere eigene Steuerung, die wir bereits 1963 auf den Markt brachten, ist ein zentraler Teil unserer DNA.

Wirtschaftsforum: Wie ist Okuma in Deutschland aufgestellt?

Ralf Christian Tränkle: Erst 1988 wurde die Europazentrale in Krefeld gegründet, und seit 2019 ist OKUMA DEUTSCHLAND durch die Übernahme des Händlers Hommel CNC Technik Teil der Okuma-Gruppe. In Deutschland haben wir etwa 150 Mitarbeiter, darunter 50 Servicetechniker, und betreiben vier Technologiezentren bundesweit.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Werkzeugmaschinen aus?

Ralf Christian Tränkle: Okuma hat ein sehr breites Produktportfolio an Bearbeitungsmaschinen. Wir bieten Drehmaschinen, Bearbeitungszentren, Drehfräszentren, Schleifmaschinen, Automatisierungslösungen und vielfältige Softwarelösungen für Maschine und PC – alles mit einer hohen Wertschöpfungstiefe. Besonders gefragt sind aktuell unsere Drehfräszentren, die den Bedarf der Kunden nach höherer Flexibilität bei kleineren Losgrößen optimal bedienen. Diese Kombianlagen ermöglichen es, komplette Teile auf einer Maschine zu fertigen, was angesichts des Fachkräftemangels besonders wichtig ist. Dazu kommt natürlich das Thema Automatisierung, das wir teils selbst anbieten, teils mit starken Partnern realisieren.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre typischen Kunden?

Ralf Christian Tränkle: Unsere Hauptkundschaft sind mittelständische Unternehmen und Lohnfertiger, die eine hohe Flexibilität brauchen, da sie oft kurzfristig auf neue Aufträge reagieren müssen. Die Massen- und Großserienfertigung, etwa in der Automobilbranche, steht weniger im Fokus. Besonders für kleinere Unternehmen bietet unsere eigene Okuma-Steuerung Vorteile: Sie verbindet Hard- und Software zu einem optimal abgestimmten System – ideal für flexible Fertigungsanforderungen.

Wirtschaftsforum: Was spricht für Okuma-Maschinen im Vergleich zu Wettbewerbern?

Ralf Christian Tränkle: Durch unsere hohe Wertschöpfungstiefe bieten wir perfekt abgestimmte Systeme aus Hard- und Software, die einfach funktionieren. Wenn Sie ein System aus verschiedenen Komponenten unterschiedlicher Lieferanten zusammensetzen, ist das Risiko für Probleme größer. Unsere Maschinen kommen aus einer Hand; das bietet den Vorteil, dass es nur einen Ansprechpartner für Maschine und Steuerung gibt. Zweitens zeichnen sich unsere Maschinen durch Genauigkeit und Langlebigkeit aus. Drittens bieten wir ein exzellentes Servicenetzwerk, da wir unser System sehr gut kennen und schnell Lösungen finden können. Zudem schätzen unsere Kunden die geringen Gesamtbetriebskosten und die hohe Maschinenverfügbarkeit – Okuma-Maschinen laufen wahnsinnig stabil.

Wirtschaftsforum: Wie haben sich die jüngsten Krisen auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Ralf Christian Tränkle: Die Situation in Deutschland ist nicht einfach. Kostendruck, Fachkräftemangel und hohe Bürokratie stellen große Herausforderungen dar. Durch unsere loyale Kundenbasis und unser breites Angebot konnten wir uns jedoch relativ gut durch diese Krisen manövrieren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz für Sie und Ihre Kunden?

Ralf Christian Tränkle: Das Thema Automatisierung treibt uns aktuell sehr stark um. Bei der Digitalisierung zur Optimierung von Produktionsprozessen werden stetig höhere Anforderungen gestellt. Unsere Kunden, hauptsächlich kleinere Unternehmen, sind auf diesem Weg noch nicht so weit wie die großen Konzerne, wir merken aber, dass auch für unsere Kunden Maschinendatenerfassung mit OPC UA oder MT-connect immer wichtiger wird. Durch unsere eigene Steuerung haben wir die Möglichkeit, sehr tief aus der Maschine Daten abzugreifen und sind daher gut positioniert. Japan ist im Bereich Internet of Things deutlich weiter entwickelt als Europa. Die Windows-basierte Oberfläche unserer Steuerung ermöglicht zudem eine einfache Datenanbindung und kundenindividuelle Auswertungen über API-Schnittstellen.

Wirtschaftsforum: Wohin geht die Reise bei Okuma in Zukunft?

Ralf Christian Tränkle: Unser Fokus liegt aktuell auf Automatisierung, wo wir bereits viele Produkte anbieten. Der nächste Schritt wird der Ausbau der Digitalisierung zur weiteren Prozessoptimierung sein – sei es durch Reduzierung von Ausschuss und Stillstandszeiten oder durch vorausschauende Wartung. Wir arbeiten bereits mit ausgewählten Leuchtturm-Kunden zusammen, um diese Zukunft zu gestalten.

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