Volt und Vision

Interview mit Paul Hartmann, Geschäftsführer der PRO-ELEKTROPLAN GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hartmann, die PRO-ELEKTROPLAN GmbH ist seit über 50 Jahren am Markt. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?

Paul Hartmann: Das Unternehmen wurde als Familienunternehmen im Bereich Elektroplanung gegründet und ist bis heute dem Kerngeschäft treu geblieben. Wir planen alles rund um Strom: von Mittel- und Niederspannungen bis zur Steckdose, PV-Anlagen, E-Mobility. 2022 wurde das Unternehmen an die österreichische Loxone Lighthouse GmbH verkauft, eine Unternehmensgruppe, die akquirierte Betriebe bewusst unter deren eigenem Namen, eigener Marke und eigenem Personal weiterführt. Es geht nicht um klassisches Private Equity, sondern ums gemeinschaftliche Wachsen im Verbund. Das ist eigentlich eher selten.

Wirtschaftsforum: Sie sind selbst erst seit Oktober 2025 an Bord. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Paul Hartmann: Ich bringe acht Jahre Geschäftsführungserfahrung mit. Was mich gereizt hat, war dieses Modell der Unternehmensnachfolge. Im Mittelstand gibt es gerade viele Unternehmen ohne Nachfolger. Manche schließen, andere haben Angst, zerschlagen zu werden. Hier war es anders. Es sind noch Mitarbeiter da, die seit über 30 Jahren dabei sind. Es fühlt sich an wie ein Familienunternehmen, und das ist schön.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von systemischer Führung. Was bedeutet das konkret?

Paul Hartmann: Die Mitarbeiter mitnehmen, indem sie mitgestalten dürfen. Wir sind per Du, führen Mitarbeiterbefragungen durch, treffen Zielvereinbarungen und führen Entwicklungsgespräche. Die Entscheidung bleibt natürlich bei der Geschäftsleitung, aber der Weg wird gemeinsam erarbeitet. Ich glaube, dass Führung heute immer mehr in Richtung Coaching geht. Man muss Verantwortung abgeben, Fehler zulassen und trotzdem gemeinsam gestalten.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die größten Wachstumspotenziale für das Unternehmen?

Paul Hartmann: Ein großes Thema sind Rechenzentren: KI, wachsende Datenvolumen, Ausfallschutz, neue DIN-Normen. Ein Bereich, in dem wir uns gezielt weiterentwickeln wollen. Auf der anderen Seite sehen wir enormes Potenzial bei öffentlichen Einrichtungen, vor allem Krankenhäusern. Viele Elektroanlagen dort sind seit Jahren veraltet und müssen energetisch erneuert werden. Die Mischung macht‘s: öffentliche Auftraggeber, Industrie, Innovation. Von einem einzigen Auftraggeber abhängig zu sein hat noch nie funktioniert – gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wer breit aufgestellt ist.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Thema Fachkräfte um?

Paul Hartmann: Der Fachkräftemangel ist das eine, aber aus meiner Sicht ist die schwierigere Frage, wie sich das Prozesswissen der erfahrenen Mitarbeiter auf jüngere übertragen lässt. Jemand, der gerade von der Uni kommt, hat theoretisches Know-how, aber kein praktisches Erfahrungswissen. Deswegen setzen wir auf Mentoring und begleitende Projekttätigkeit. Wir bilden selbst aus, haben zwei Azubis und denken langfristig: Unsere Planungshorizonte reichen von einem Jahr bis zu 20 Jahren. Das heißt, wir investieren heute in Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Wo soll das Unternehmen in drei bis fünf Jahren stehen?

Paul Hartmann: Unser Ziel ist es, eines der führenden Elektroplanungsbüros in Deutschland zu werden, und zwar nicht nur in München. Digitalisierung, Innovation und Kundenzufriedenheit sind dabei das A und O. Daneben überarbeiten wir unseren Internetauftritt und bauen aktiv eine Präsenz auf LinkedIn auf, um auch überregional sichtbarer zu werden. Nur wenn Kunden sagen ‚Gerne jederzeit wieder!‘ stimmt die Richtung. Viele sagen das schon. Das ist das Verdienst meiner Vorgänger und gleichzeitig die Messlatte, an der ich mich messen lassen muss.

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