Alles andere als schwarz sehen

Interview mit Pascal Diemand, Geschäftsführer der Rotoflex AG

Wirtschaftsforum: Herr Diemand, Rotoflex wurde 1975 gegründet und ist heute ein international gefragter Partner, wenn es um individuelle Farben und Lacke für Verpackungen geht. Das Traditionsunternehmen hat Höhen, aber auch Tiefen erlebt und wurde in der Vergangenheit mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Welche Ereignisse haben das Unternehmen geprägt?

Pascal Diemand: Wir mussten einige Krisen meistern, aus denen wir am Ende gestärkt hervorgingen.2005 wurde der größte Teil der Firma durch einen Brand zerstört; nur drei Monate später konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Vor drei Jahren haben wir einen sehr guten Kunden in der Ukraine verloren und dadurch erkannt, wie wichtig eine Diversifizierung der Märkte ist. Auch die Coronakrise war und ist eine Herausforderung. Wir haben glücklicherweise viele Bestandskunden, konnten allerdings keine neuen Kunden dazugewinnen.

Die Zeit haben wir effizient genutzt, um Strategien zu überdenken, die Ausbildung stärker in den Fokus zu rücken, um so positiv in die Zukunft blicken zu können.

Wirtschaftsforum: Hat sich auch das Produktportfolio im Laufe der Zeit verändert?

Pascal Diemand: Als Bernhard Bögli das Unternehmen 1975 gründete, stand die Herstellung von lösungsmittelhaltigen Farben und Lacken für die Verpackungsindustrie und Druckereien, die Verpackungen für Markeninhaber fertigten, im Vordergrund. Vor fünf Jahren wurden die Weichen neu gestellt; wir haben mit dem Security-Bereich ein neues Standbein aufgebaut, bei dem es um spezielle Farben und Lacke für Sicherheitsdrucke geht. Zum Beispiel, um Banknoten oder offizielle Dokumente wie Pässe zu drucken. Heute fertigen wir Produkte für Security, Food und Non-Food-Bereiche; entsprechend unterschiedlich sind die jeweiligen Anforderungen. Mal geht es um Funktionen wie Hygiene, Frische oder Sicherheit, mal um optische Aspekte. Im Food-Bereich können die Heißsiegellacke zum Beispiel direkt mit den Lebensmitteln in Kontakt kommen; bei Kaffeeverpackungen steht der Erhalt von Geschmack und Aroma im Vordergrund, bei Milchprodukten die Frische. Im Segment Security bieten wir Lösungen zur Erhöhung der Dokumentensicherheit an. Pässe dürfen nicht vergilben und müssen fälschungssicher sein. Entscheidend ist immer, dass wir individuelle Lösungen erarbeiten, die auf einzelne Kunden abgestimmt sind.

Wirtschaftsforum: Rotoflex genießt den Ruf, gerade bei technisch besonders anspruchsvollen Projekten der perfekte Partner zu sein. Worauf begründet sich dieser Ruf?

Pascal Diemand: Unser großer Vorteil ist unsere Größe; wir können sehr schnell und flexibel reagieren. Das geht wiederum nur dank unserer hervorragenden Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Unternehmen?

Pascal Diemand: Eine zunehmend große Rolle. Verpackungen gehen inzwischen weg von gemischten Folien hin zu recyclingfähigen Verbunden, das ist ein wichtiger Schritt. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter dabei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns zu kommen, haben die Initiative ʻBike to workʼ ins Leben gerufen, des Weiteren helfen wir unseren Kunden, nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Wirtschaftsforum: Wie sah die Entwicklung des Unternehmens selbst und seiner Märkte aus?

Pascal Diemand: Wir sind seit 2017 Teil der auf Rakeln spezialisierten Daetwyler Swiss Tec, haben 55 Mitarbeiter in der Schweiz, 25 in weiteren europäischen Ländern, Büros und Lager in Russland und der Türkei. Der Export spielt für uns eine zentrale Rolle. Lange Zeit waren Russland und die Ukraine wichtigste internationale Märkte; noch heute machen sie einen großen Anteil des Umsatzes aus, der Rest entfällt auf die DACH-Region. Künftig soll Zentraleuropa eine größere Rolle spielen. Security ist ein spannender, weltweiter Markt mit einer limitierten Anzahl Kunden. Dort werden wir uns noch stärker aufstellen.

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