Strategie statt Chaos in der Kommunikation

Interview mit Björn Bröhl, Geschäftsführer der Scompler Technologies GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bröhl, was hat Sie zur Gründung von Scompler bewogen?

Björn Bröhl: Die Idee entstand 2018 aus der Beobachtung, dass Unternehmen und Organisationen immer mehr Content produzierten, das aber oft sehr wahllos. Besonders mit dem Aufkommen von Social Media haben viele Organisationen einfach drauflos kommuniziert, ohne sich zu fragen: Passt das zu unserer Strategie? Erreichen wir damit die richtigen Zielgruppen? Diese ganze Aufregungsökonomie macht es für Unternehmen extrem schwierig, mit den richtigen Botschaften durchzudringen. Genau hier setzt Scompler an.

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert Ihre Lösung konkret?

Björn Bröhl: Wir haben die Scom-Methode entwickelt. Das steht für Strategic Communication Management. Diese Methode hilft dabei, die Content- und Kommunikationsstrategie wirklich in den Fokus zu stellen. In den meisten Kommunikationsabteilungen ist diese Strategie zwar irgendwo präsent, aber nicht im Daily Business. 

Wenn jemand reinkommt und sagt „Wir müssen mal was zum Thema XY kommunizieren“, dann passiert das meistens einfach. Und derjenige, der die Kommunikation dann macht, weiß vielleicht gar nicht mehr genau: Was ist eigentlich unsere Zielgruppe? Was sind unsere Messages? Wie ist unsere Tonalität? Mit Scompler können Sie das direkt in der Plattform hinterlegen.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von themenbasiertem Arbeiten. Was bedeutet das?

Björn Bröhl: Die zweite Säule von Scompler sind die sogenannten Themen. Ich definiere also, zu welchen Inhalten ich überhaupt kommunizieren will. Implizit sage ich dadurch auch, wozu ich nicht kommunizieren will. Wenn ich dann Kommunikation plane, werde ich wie mit Leitplanken daran entlanggeführt. Vielleicht stelle ich fest: Moment, meine Idee passt ja gar nicht zu den Themen, über die wir kommunizieren wollen. Dann gehe ich entweder einen Schritt zurück und überlege mir, ob mir ein Thema fehlt. Oder ich erkenne: Meine Idee passt zu einem Thema, und dann weiß ich genau, für welche Zielgruppen, welche Kanäle und mit welchen Botschaften ich kommunizieren muss.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Björn Bröhl: Am Anfang gab es ein paar Interessenten und einige sehr große Kunden. Die Deutsche Bahn ist zum Beispiel Kunde von Anfang an. Für die ist Scompler auch so ein bisschen entwickelt worden. Aber wir sind sehr langsam gewachsen. Heute sind wir etwa 60 Mitarbeitende und haben unser Headquarters in München. Dazu kommen Standorte in Frankfurt und Warschau. Allerdings arbeiten wir sehr remote.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen vom Newsroom-Modell. Was verbirgt sich dahinter?

Björn Bröhl: Das ist ein relevantes Thema, besonders im DACH-Raum. Kommunikationsabteilungen arbeiten dabei wie ein Newsroom. Ich habe verschiedene Rollen: einen Chef vom Dienst, der die ganze Themenorchestrierung macht, und weitere Rollen für die Zusammenarbeit. Scompler ist die optimale Plattform, um dieses Modell umzusetzen. Wir haben auch Kunden aus der Medienlandschaft – vom großen Medienkonzern bis zum mittelständischen Verlag oder zur Tageszeitung –, die genau so arbeiten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrer Plattform?

Björn Bröhl: KI ist für uns ein riesiges Thema und ich finde es auch extrem spannend, wie sich das gerade entwickelt. Wir haben KI im vergangenen Jahr immer mehr in Scompler eingebaut. Scompler AI deckt verschiedene Use Cases ab: Ideen finden, Storys entwickeln, Content erstellen und optimieren, Texte für verschiedene Zwecke und Kanäle umschreiben. Vor allem aber wird erstens die hinterlegte Strategie verwendet, ohne händisch Prompts oder Kontexte zu pflegen, zweitens wird diese auch kritisch analysiert. Uns ist wichtig: KI macht nicht alles perfekt, aber sie ist ein extrem mächtiger Assistent.

Wirtschaftsforum: Sie expandieren international – wie unterscheiden sich die Märkte?

Björn Bröhl: Wir sind noch sehr DACH-lastig, aber die Internationalisierung ist ein wichtiges Thema für uns. Wir haben bereits erste Kunden in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Polen und sogar in Lateinamerika. Es ist aber nicht damit getan, einfach die Software zu übersetzen. Wir mussten in bestimmten Punkten nacharbeiten, etwa bei der Unterstützung verschiedener Sprachräume oder kultureller Besonderheiten in der Kommunikation. Aus Scompler ein wirklich internationales Unternehmen zu machen, wird in den nächsten Jahren spannend.

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