IT-Komplettanbieter mit familiären Werten

Interview mit Dr. Benjamin Strehl, Geschäftsführer der USU GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Strehl, Sie sind Geschäftsführer der USU GmbH, eines Familienunternehmens, das vor knapp 50 Jahren gegründet wurde. Gab es in dieser Zeit besondere Entwicklungen, die das Unternehmen bis heute nachhaltig geprägt haben? 

Dr. Benjamin Strehl: Mein Vater gründete das Unternehmen vor 48 Jahren, 2010 bin ich eingestiegen und heute Geschäftsführer. Wir sind mit inzwischen rund 800 Mitarbeitern ein sehr großes Familienunternehmen. Der familiäre Geist ist auch heute ein Markenzeichen und liegt in unserer DNA. Das Menschliche, die einzelne Person, steht bei USU immer im Vordergrund. Ein wichtiger Meilenstein war der Gang an die Börse 2001; rückblickend würde ich diese Zeit als Hochphase bezeichnen. Weil damit jedoch extrem zeit- und kostenaufwändige Reportings und Pflichten verbunden waren, war der Börsengang am Ende nur eine Phase. Als Familie haben wir ein Übernahmeangebot gemacht und es geschafft, USU wieder von der Börse zu nehmen. Dieser Schritt hat das Unternehmen geprägt. Heute sind wir in unseren Entscheidungen wieder deutlich agiler, was angesichts des schnelllebigen Geschäfts wichtig ist. Was das Portfolio betrifft, haben wir als Dienstleister rund um Großrechner begonnen und Stück für Stück eigene Standardlösungen programmiert und vertrieben. So sind wir konstant gewachsen, ohne den persönlichen Touch zu verlieren. Wir sind früh in das Thema  KI eingestiegen und haben sie in unsere Lösungen integriert.

Wirtschaftsforum: USU ist ein Komplettanbieter, der sämtliche Leistungen erbringt, die für die Steuerung der IT erforderlich sind. Wo sehen Sie sich damit am Markt? 

Dr. Benjamin Strehl: Wenn man in Deutschland seine IT steuern will, kommt man nur schwer an USU vorbei. Wir haben viele Kunden in der DACH-Region, auch in Italien. Wir wollen die Internationalisierung weiter forcieren, sehen dabei vor allem Potenzial im europäischen Ausland, aber auch in den USA. Das Geschäft zu internationalisieren, erfordert vor allem Know-how und Investitionen. 2024 haben wir mit Thoma Bravo einen Investor mit Expertise gefunden, sodass wir den Weg auf den internationalen Markt weiter verfolgen können. Dabei profitieren wir von einem Netzwerk von Experten in aller Welt, auf das wir Zugriff haben. 

Wirtschaftsforum: Warum sind die USA so ein wichtiger Markt?

Dr. Benjamin Strehl: Die USA sind der größte Softwaremarkt der Welt; hier entstehen die Trends. Um am Puls der Zeit agieren zu können, ist der Markt entscheidend. Hinzu kommt, dass viele unserer europäischen Wettbewerber aus den USA kommen. 

Wirtschaftsforum: USU hat 800 Mitarbeiter; wie hoch ist der Umsatz?  

Dr. Benjamin Strehl: Wir beschäftigen 800 Mitarbeiter, hinzu kommen zwischen 200 und 300 externe Kräfte in Projekten. Der Umsatz liegt bei mehr als 100 Millionen EUR und wir wachsen zweistellig. 

Wirtschaftsforum: Werden Sie diesen Kurs fortsetzen können? 

Dr. Benjamin Strehl: Der Softwaremarkt weltweit wächst weiter um fünf bis sechs Prozent; in diesem dynamischen Umfeld wollen wir weiter Marktanteile gewinnen. Aktuell spüren wir allerdings eine Zurückhaltung, was Neuinvestitionen betrifft. Weltpolitik und Weltwirtschaft schwächen den Rückenwind, den wir in der Vergangenheit erlebten. Wir versuchen deshalb, breit aufgestellt zu sein, sowohl was die Märkte als auch die Branchen angeht, und planen dabei vorsichtig, um ein stabiles und nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

Wirtschaftsforum: Sie haben betont, wie wichtig der Charakter des Familienunternehmens ist. War es immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten würden und wie sehen Sie ihre Rolle als Geschäftsführer?

Dr. Benjamin Strehl: Natürlich bin ich mit dem Unternehmen aufgewachsen, allerdings gab es bei uns keine langfristige, strategische Nachfolgeplanung wie bei anderen Familienunternehmen. Ich habe für IBM und Roland Berger gearbeitet, als mein Vater mich irgendwann um Hilfe bei einem schwierigen Projekt bat. Ich bin dann Stück für Stück in das Thema eingetaucht und habe gemerkt, dass es funktioniert. Heute bin ich Geschäftsführer, sehe mich in der Rolle als Coach, der versucht, das Team zu enablen. Das Team ist mir sehr wichtig. Ich kenne den Großteil der Mitarbeiter, versuche Gespür für die Mannschaft zu haben und bin jedes Jahr an jedem Standort. Entscheidend ist, mit den Mitarbeitern auf Augenhöhe zu reden; hier stehen immer alle Türen offen, um in den Dialog zu treten. Zu einem guten Miteinander gehört auch, dass jeder Einzelne seinen Beitrag in der Community leistet. 

Wirtschaftsforum: Gibt es ein Rezept für den Erfolg?

Dr. Benjamin Strehl: Wir bieten individuelle Lösungen, stehen für Qualität und bringen deutsche Ingenieurskunst in die Software ein. Dieses kreative Mindset zeichnet USU aus. Kunden schätzen uns als Komplettanbieter und verlässlichen Partner, der auf Augenhöhe mit ihnen zusammenarbeitet. Wir hören zu und machen Kunden glücklich – empowered by understanding.

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