Von wegen nur Arbeit im 'Blumenladen um die Ecke’

Interview mit Stephan Triebe, ehemaliger Deutscher Meister der Floristen

Wirtschaftsforum: Herr Triebe, Sportler gehen vor großen Wettbewerben in ein Trainingslager. Auch bei Ihnen stehen bald Welt- und Deutsche Meisterschaft an. Wie sieht Ihre Vorbereitung als Florist darauf aus?

Stephan Triebe: Im Moment bin ich noch dabei, Sponsoren zu suchen. Dafür habe ich sogar eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Alles in allem kostet die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Philadelphia rund 30.000 EUR. Da sind Flüge in die USA inbegriffen und auch Transportkosten – so eine Weltmeisterschaft ist eine echte logistische Herausforderung. Die heiße Phase der Vorbereitung beginnt, wenn die Wettbewerbsaufgaben bekannt gegeben werden und wir Floristen anfangen, uns zu überlegen wie unsere Werkstücke aussehen sollen. Dem kreativen Prozess folgt die praktische Umsetzung. Niemand tritt bei einer Meisterschaft an, ohne vorher geübt zu haben.

Wirtschaftsforum: Leidenschaft, Kreativität sowie Feingefühl werden von Floristen heutzutage gefordert. Wieviel an Ihrer täglichen Arbeit ist tatsächlich erlernbares Handwerk, wieviel in die Wiege gelegtes Talent?

Stephan Triebe: Grundsätzlich denke ich, dass jeder den Beruf des Floristen erlernen kann. Wie gut und erfolgreich man dann wird, hängt in meinen Augen zu großen Teilen vom kreativen Potenzial des Einzelnen ab. Die Technik, einen Strauß zu binden, hat jeder irgendwann drauf. Aber das Gespür für Farben und Zusammenstellungen hat man oder man hat es nicht. Ich würde sagen 40 % Handwerk, 60 % Leidenschaft, Kreativität und Feingefühl.

Stephan Triebe, ehemaliger Deutscher Meister der Floristen
„Die Technik, einen Strauß zu binden, hat jeder irgendwann drauf. Aber das Gespür für Farben und Zusammenstellungen hat man oder man hat es nicht.“ Stephan Triebe

Wirtschaftsforum: Floristik ist für viele Menschen nach wie vor, der ‘Blumenladen um die Ecke’. Inwiefern hat die Branche Ihrer Meinung nach ein Facelift in Sachen Image verpasst beziehungsweise ist der überhaupt notwendig?

Stephan Triebe: Leider ist es so, dass mehr und mehr Fachgeschäfte schließen und sich immer weniger junge Menschen zu Floristen ausbilden lassen. Ob das daran liegt, dass sich zu viele Leute vorstellen, Floristen würden den ganzen Tag lag im ‘Blumenladen um die Ecke‘ Sträuße binden, bis ihnen die Finger bluten, weiß ich nicht. Es ist toll und vielleicht auch so etwas wie eine Art ‘Facelift’, unseren Beruf der Öffentlichkeit im Rahmen von Veranstaltungen wie der Deutschen Meisterschaft der Floristen in Berlin näher bringen zu können. Der Wettbewerb findet im öffentlichen Raum mitten in den Potsdamer Platz Arkaden statt und jeder kann zugucken.

Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie die Perspektiven für das Berufsbild und unternehmerische Aktivitäten in der Branche wahr: Lässt sich mit einer Ausbildung, geschweige denn Anstellung, ein finanziell sorgenfreies Leben führen?

Stephan Triebe: Es lässt sich nicht leugnen: Die Ausbildung wird – wie jede Menge anderer Ausbildungen auch – nicht gut bezahlt. Und ganz sicher gibt es viele Berufe, in denen die Gehälter von Festangestellten höher sind. Krösus wird man im kleinen Blumenfachgeschäft also nicht – aber man kommt als festangestellter Florist solide über die Runden. Nach oben ist der Weg auch in unserer Branche offen – es kommt halt darauf an, was man draus macht. Seitdem ich 2016 ‘Deutscher Meister der Floristen’ wurde, habe ich andere Aufträge. Neulich wurde ich für einen Vortrag nach Japan geschickt, gerade gestalte ich Trends auf einer Messe. Mit anderen Worten: Floristen müssen nicht den ganzen Tag Blumensträuße für Omis 80. binden.

„Nach oben ist der Weg auch in unserer Branche offen – es kommt halt darauf an, was man draus macht.“ Stephan Triebe
Stephan Triebe, ehemaliger Deutscher Meister der Floristen

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss: Unser Verlagsmotto lautet ‘Wir nehmen Wirtschaft persönlich’ in den Farben Weiß und Rot. Hätten Sie dazu eine florale Gestaltungsidee?

Stephan Triebe: Ich sag es ja nur ungern, aber rot-weiß ist eine Kombi, die mir gar nicht gut gefällt. Ich würde das Thema daher aufbrechen und Übergänge durch unterschiedliche Farbtöne schaffen. Es darf auch ein dunkles Rot oder Rosé mit rein. Ich stelle mir einen sommerlichen, sehr besonderen Strauß aus Dahlien, Freilandrosen, Zinien und einer brombeerfarbenen Hortensie vor. Dazu passt feines Schleierkraut und Kerbel, wie man ihn auch am Straßenrand findet.

Interview: Markus Büssecker

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Gemeinsam für Menschen da zu sein: ein Anspruch, der unter den engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags häufig auf der Strecke bleibt. Der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft, der sich auf die Betreuung…

Spannendes aus der Region

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“

Seit fast einem halben Jahrhundert steht bimobil für langlebige und hochwertige Reisemobile – in einem Markt, der in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt hat. Warum die ursprüngliche Idee…

Das könnte Sie auch interessieren

„Mich reizt die Kombination aus Tradition und Zukunft!“

Interview mit Uwe Wiest, Geschäftsführer der IDENTA Ausweissysteme GmbH

„Mich reizt die Kombination aus Tradition und Zukunft!“

Uwe Wiest, Geschäftsführer der Identa Ausweissysteme GmbH in Villingen-Schwenningen, erklärt, warum physische Ausweise und digitale Identitäten kein Widerspruch sind, wie Sicherheit zum Gesamtsystem wird und weshalb der Schwarzwald für Innovation,…

Sicher ans Ziel: Die Zukunft der Mobilität gestalten

Interview mit Thomas Mohnke, Senior Executive Partner der SafeDriver Group GmbH

Sicher ans Ziel: Die Zukunft der Mobilität gestalten

Was ist angenehmer oder luxuriöser, als sich von jemandem fahren zu lassen? Die ­SafeDriver Group GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau dieses Gefühl von Komfort und Luxus in…

Architektur als Beitrag zur Stadt

Interview mit Fabian Ochs, Geschäftsführer der OS A Ochs Schmidhuber Architekten GmbH

Architektur als Beitrag zur Stadt

Kaum ein Architekturbüro prägt München so umfassend wie die OS A Ochs Schmidhuber Architekten GmbH. Mit Projekten in nahezu allen Teilen der Stadt, einem ausgeprägten Fokus auf individuelle Lösungen statt…

TOP