Begegnung schlägt Algorithmus

Interview mit Stefan Süß, Geschäftsführer der BARLAG werbe- & messeagentur

Wirtschaftsforum: Herr Süß, wenn Sie auf fast vier Jahrzehnte Unternehmensgeschichte zurückblicken – was waren die entscheidenden Meilensteine?

Stefan Süß: Unsere Wurzeln liegen 1988 in Osnabrück. Damals waren wir eine kleine Werbeagentur mit eigenem Monatsmagazin. Der entscheidende Schritt kam 2004 mit der ersten Jobmesse Deutschland. Damals war es alles andere als selbstverständlich, dass Unternehmen ihre Komfortzone verlassen und sich einer so breiten Zielgruppe als Arbeitgeber präsentieren. Viele waren überzeugt, dass das nicht funktionieren würde. Genau dieser Gegenwind hat bei uns unsere berühmte „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ entfacht. Heute blicken wir auf mehr als 350 Messen, rund 25.000 Aussteller, Standorte in Deutschland und Österreich mit aktuell 25 Messen pro Jahr und die erfolgreiche Etablierung weiterer Geschäftsfelder wie Messebau und Werbetechnik zurück. Zu den entscheidenden Meilensteinen unseres mittlerweile rund 100 Mitarbeitende starken Unternehmensverbunds zählen außerdem die Standorte der jobmesse austria in Wien und Salzburg sowie unser neues Highlight aus dem Jahr 2024, das „Farmhouse No 50“ in Osnabrück mit Hotel, Café und Eventlocation.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Jobmessen von anderen Recruiting-Formaten?

Stefan Süß: Wir schließen niemanden aus. Schüler, Berufseinsteiger, Fachkräfte, Quereinsteiger oder Wiedereinsteiger – bei uns treffen alle Zielgruppen auf Arbeitgeber. Das Entscheidende ist aber etwas anderes: Wir bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Das persönliche Gespräch auf Augenhöhe ist für mich bis heute durch nichts zu ersetzen. Digitale Kanäle sind wichtig, aber Vertrauen entsteht zwischen Menschen und nicht zwischen Bildschirmen.

Wirtschaftsforum: Warum erleben Präsenzveranstaltungen gerade heute wieder so viel Zuspruch?

Stefan Süß: Weil Menschen nach Corona wieder echte Begegnungen suchen. Während fast alle Marktbegleiter in der Pandemie hektisch auf rein digitale oder hybride Messen umstellten, haben wir uns konsequent dagegen entschieden und sind zu 100 % analog geblieben. Unsere Aussteller geben uns heute recht. Wer mit offenen Augen über eine Jobmesse geht, entdeckt häufig Unternehmen, die er vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Genau darin liegt der Mehrwert. Karriere entsteht oft dort, wo man sie nicht erwartet. Der berühmte Faktor Zufall spielt eine viel größere Rolle, als viele glauben.

Wirtschaftsforum: Gleichzeitig bieten Sie weit mehr als nur eine Messefläche.

Stefan Süß: Richtig. Wir verstehen uns als Full-Service-Partner. Wenn ein Unternehmen möchte, übernehmen wir den kompletten Messeauftritt – vom individuell geplanten Messestand über Werbetechnik bis zum fertigen Aufbau. Unsere Kunden müssen im Grunde nur noch anreisen und ihre Gespräche führen. Wir nehmen ihnen einen großen Teil der organisatorischen Arbeit ab.

Wirtschaftsforum: Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Welche Konsequenzen ziehen Unternehmen daraus?

Stefan Süß: Früher haben sich Bewerber bei Unternehmen beworben. Heute müssen Unternehmen um Talente werben. Deshalb wird Employer Branding immer wichtiger. Wer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seine Sichtbarkeit reduziert, verliert langfristig an Attraktivität als Arbeitgeber. Employer Branding wird aus meiner Sicht zur Überlebensfrage.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz dabei?

Stefan Süß: Eine wichtige – aber nicht die entscheidende. Wir investieren intensiv in moderne IT-Strukturen und werden KI dort einsetzen, wo sie Prozesse vereinfacht und unseren Mitarbeitenden oder Kunden Mehrwert bietet. Aber sie ersetzt niemals den persönlichen Kontakt. Recruiting ist Vertrauenssache.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft über Menschen. Gilt das auch für Ihr eigenes Unternehmen?

Stefan Süß: Absolut. Wir verbringen auf unseren Veranstaltungen sehr viel Zeit miteinander. Deshalb achten wir bei Neueinstellungen stark auf Persönlichkeit und Teamfähigkeit. Das Zeugnis ist für mich tatsächlich zweitrangig. Die Persönlichkeit steht an erster Stelle. Viele unserer Führungskräfte haben sich im Unternehmen entwickelt. Das sorgt für einen außergewöhnlichen Teamgeist und eine sehr geringe Fluktuation.

Wirtschaftsforum: Die wirtschaftliche Stimmung ist derzeit vielerorts verhalten. Wie blicken Sie auf die Zukunft?

Stefan Süß: Ich halte wenig davon, sich von Krisen lähmen zu lassen. Natürlich müssen Unternehmen wirtschaftlich vernünftig handeln. Aber wenn wir immer nur auf Probleme schauen, kommen wir nicht voran. Unternehmer müssen gestalten, Chancen erkennen und Verantwortung übernehmen. Genau das hat unser Unternehmen groß gemacht.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Stefan Süß: Wenn die Politik es aktuell nicht schafft, die nötigen Impulse zu setzen, müssen wir Unternehmer das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen, um unser Land wieder nach vorne zu bringen. Am Ende werden mutiges Handeln und die echte menschliche Begegnung immer gewinnen.

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