"Wir denken Immobilien über Jahrzehnte hinweg"

Interview mit Peter Biskupek, geschäftsführender Gesellschafter der BSM GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Biskupek, viele Marktteilnehmer sprechen derzeit von einer schwierigen Lage in der Immobilienbranche. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Peter Biskupek: Nach meiner Einschätzung ist der Markt heute eher wieder in einer Phase der Normalität angekommen. Die vergangenen Jahre waren von sehr niedrigen Zinsen und stark steigenden Preisen geprägt. Für Unternehmen, die langfristig investieren und Bestände halten, ist die Situation heute aber anders als für kurzfristig orientierte Projektentwickler. Wir denken in nachhaltigen Strukturen und nicht in schnellen Verkaufszyklen. Deshalb stehen für uns solide Finanzierung, stabile Mieten und wirtschaftlich sinnvolle Investitionen im Vordergrund.

Wirtschaftsforum: Wie ist die BSM-Gruppe heute aufgestellt?

Peter Biskupek: Wir sind seit rund fünf Jahrzehnten als private Investorengruppe im Rhein-Main-Gebiet tätig. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Erwerb, der Entwicklung, dem Bau und der langfristigen Bestandshaltung von Immobilien. Dabei decken wir verschiedene Bereiche ab – von Wohnen über Büro und Logistik bis hin zu Handelsimmobilien. Insgesamt haben wir mehr als 100 Projekte realisiert und mehrere 100.000 m2 Mietfläche entwickelt. Wichtig ist uns die breite Aufstellung, weil unterschiedliche Marktsegmente auch unterschiedliche Chancen bieten.

Wirtschaftsforum: Gibt es ein Projekt, das diese Strategie besonders gut widerspiegelt?

Peter Biskupek: Ein Beispiel ist das Gateway Gardens Plaza in Frankfurt mit modernen Büro-, Hotel- und Handelsflächen. Projekte wie dieses zeigen, wie sich Immobilienstandorte an veränderte Anforderungen anpassen müssen. Viele Investoren reagieren derzeit zurückhaltend, wenn sich Märkte verändern oder neue Nutzungsmodelle entstehen. Gerade daraus ergeben sich aber auch Chancen. Entscheidend ist, ein Objekt langfristig weiterzuentwickeln und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren. Genau darin liegt aus meiner Sicht die Aufgabe eines Investors, der nicht nur kurzfristig denkt. 

Wirtschaftsforum: Gleichzeitig investieren Sie stark in den Wohnungsbau. Warum ist dieser Bereich aktuell interessant?

Peter Biskupek: Der Bedarf an Wohnraum ist weiterhin hoch. Gleichzeitig gibt es Fördermodelle und Finanzierungsmöglichkeiten, die bestimmte Projekte wirtschaftlich erleichtern können. Deshalb entwickeln wir derzeit sowohl frei finanzierte als auch geförderte Wohnungen. Bis Ende kommenden Jahres sollen weitere 350 bis 400 Wohneinheiten entstehen. Die Grundstücke und Finanzierungen dafür sind gesichert. Danach muss die Marktsituation allerdings wieder neu bewertet werden, weil die Planbarkeit insgesamt kürzer geworden ist als noch vor einigen Jahren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Ihren Projekten?

Peter Biskupek: Nachhaltigkeit ist für uns eigentlich kein neues Thema. Viele Maßnahmen, die heute intensiv diskutiert werden, haben wir schon vor Jahrzehnten umgesetzt – etwa gute Dämmung oder langlebige Bauweisen. Heute gehören Wärmepumpen, Solaranlagen und zertifizierte Materialien selbstverständlich dazu. Entscheidend ist aber, dass Gebäude langfristig wirtschaftlich betrieben werden können und die Nebenkosten für die Mieter im Rahmen bleiben. Nachhaltigkeit bedeutet für mich deshalb vor allem dauerhaft funktionierende und wirtschaftliche Immobilien.

Wirtschaftsforum: Auch Digitalisierung verändert die Immobilienbranche. Welche Ansätze verfolgen Sie hier?

Peter Biskupek: Wir setzen Digitalisierung dort ein, wo sie einen echten Nutzen bringt – etwa bei der Verbrauchserfassung oder der technischen Überwachung von Gebäuden. Gleichzeitig integrieren wir in bestimmten Wohnprojekten Assistenzsysteme für ältere Menschen, die möglichst lange selbstständig leben möchten. Gerade im innenstädtischen Bereich wird das zunehmend nachgefragt. Technik um der Technik willen halte ich allerdings nicht für sinnvoll. Gebäude sollen den Menschen dienen und nicht unnötig kompliziert werden.

Wirtschaftsforum: Was ist für Sie persönlich die wichtigste Grundlage für langfristigen Erfolg in der Immobilienbranche?

Peter Biskupek: Man darf sich nicht von jeder Marktbewegung verrückt machen lassen. Nach fast 50 Jahren in der Branche weiß ich, dass es immer wieder neue Zyklen gibt. Entscheidend ist, solide zu investieren und Immobilien langfristig zu denken. Wir leben von unseren Mietern – deshalb halte ich nichts davon, kurzfristig maximale Mieten durchzusetzen. Langfristige Mietverhältnisse und zufriedene Mieter sind wichtiger als schnelle Renditen. Am Ende muss ein Gebäude wirtschaftlich funktionieren, gut gepflegt sein und den Menschen dienen. Das war früher so und das wird auch künftig so bleiben.

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