Revitalisierung mit Weitblick

Interview mit Michael Klemmer, Geschäftsführer der VICUS GROUP

Die Wurzeln der VICUS GROUP reichen rund ein Vierteljahrhundert zurück. Von Beginn an war das Unternehmen breit in der Immobilienentwicklung aufgestellt. „Wir beschäftigen uns im Unternehmen seit dieser Zeit sowohl mit der Entwicklung von Altbauimmobilien als auch mit Neubauobjekten“, erklärt Michael Klemmer. Ein frühes Schlüsselprojekt war die Übernahme eines ehemaligen Logistikzentrums in Leipzig aus der Insolvenz. „Wir haben es ja nicht unter dem Logistik-Gesichtspunkt gekauft, sondern vor dem Immobilienhintergrund betrachtet.“ Diese Fähigkeit, Potenziale jenseits klassischer Nutzungsmuster zu erkennen, prägt das Unternehmen bis heute. Statt kurzfristiger Gewinne steht die gezielte Transformation im Mittelpunkt.


 

Wert durch Entwicklung

Das Geschäftsmodell basiert auf klarer Wertschöpfung: erwerben, restrukturieren, repositionieren und veräußern. „Das Kernziel ist eine Haltezeit von etwa fünf Jahren“, beschreibt Michael Klemmer die Strategie. Dabei geht es weniger um Bau als vielmehr um intelligente Wertsteigerung. Leerstände werden beseitigt, Nutzungskonzepte angepasst und neue Mietstrukturen etabliert. Besonders nach der Finanzkrise nutzte das Unternehmen gezielt Marktverwerfungen: „Wir haben Gewerbeimmobilien unter Bewertung gekauft, revitalisiert und wieder verkauft.“ 

Wandel aktiv gestalten

Die letzten Jahre haben die Branche jedoch grundlegend verändert. Pandemie, steigende Zinsen und geopolitische Unsicherheiten haben die Rahmenbedingungen verschoben. „Die gesamte Gewerbeimmobilienbranche ist komplett auf den Kopf gestellt worden“, so Michael Klemmer. Stillstand kommt nicht infrage: „In keiner Branche können Sie sich hinsetzen und warten – das ist eigentlich der Tod.“ Die Stärke des Unternehmens liegt in der Anpassungsfähigkeit: „Unser USP ist, dass wir bereit sind, uns den Märkten anzupassen.“

Fokus auf Nahversorgung

Ein wesentlicher strategischer Schritt ist die stärkere Konzen­tration auf sogenannte Stadtteilzentren. Diese verbinden Wohnen, Versorgung und Dienstleistung auf engem Raum. „Nahversorger gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil sich das Bewegungsprofil der Menschen verändert hat“, erklärt Michael Klemmer. Im Mittelpunkt stehen Objekte, die kurze Wege ermöglichen: Supermärkte, Ärzte, Fitnessangebote und Dienstleistungen werden integriert. Dieses Konzept folgt dem Trend zu urbaner Verdichtung und einer stärkeren Orientierung an lokalen Bedürfnissen. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen flexibel: „Derzeit werden viele Objekte im Bestand gehalten, da der Markt für Verkäufe schwächer ist“, bemerkt Michael Klemmer. 

Nachhaltig investieren


Ein weiterer zentraler Ansatz der VICUS GROUP ist die konsequente Revitalisierung bestehender Gebäude. „Es geht darum, die sogenannte graue Energie zu erhalten und nicht einfach abzureißen“, betont Michael Klemmer. Durch Umbauten, Erweiterungen und neue Nutzungskonzepte werden vorhandene Strukturen wirtschaftlich und ökologisch weiterentwickelt. Dieser Fokus verbindet Nachhaltigkeit mit betriebswirtschaftlicher Logik – ein Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Schlanke Strukturen


Die operative Umsetzung erfolgt bewusst schlank. Planung und Bau werden an externe Partner vergeben, während die Steuerung intern bleibt. „Wir arbeiten ausschließlich mit ortsansässigen Architekten, die die Stadt und die Prozesse genau kennen“, erklärt Michael Klemmer. Diese Struktur ermöglicht es, flexibel auf regionale Besonderheiten zu reagieren und gleichzeitig ein hohes Maß an Effizienz zu gewährleisten. Ergänzt wird dies durch eine starke Asset-Management-Einheit.

Digitalisierung als Impuls

Digitale Prozesse und KI unterstützen zunehmend Planung und Analyse. „Die ersten Entwürfe entstehen heute oft mit KI – als Ideengeber“, erklärt Michael Klemmer. Dabei bleibt der Mensch entscheidend: „Das setzt keine Mitarbeiter frei – es ist eher eine Ideenmaschine.“ Diese Verbindung aus Technologie und Erfahrung ermöglicht schnellere Entscheidungen und bessere Ergebnisse.

Markt im Umbruch

Trotz dieser Stärken bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll. Steigende Baukosten, lange Genehmigungsverfahren und zurückhaltende Investoren erschweren die Projektentwicklung. „Die Baukosten sind exorbitant gestiegen – bei gleicher Qualität kostet es heute 30 bis 40% mehr“, beschreibt Michael Klemmer die Situation. Hinzu kommen strukturelle Probleme: „Wir müssen uns ständig anpassen – das ist das größte Thema.“

Mit Optimismus voran

Trotz des anspruchsvollen Umfelds bleibt die Haltung klar positiv. „Wir sind viel positiver eingestellt, als das Umfeld es vielleicht zulässt“, sagt Michael Klemmer.Für ihn gilt: Ziele müssen neu gedacht werden, Prozesse angepasst, Chancen erkannt. „Wenn etwas früher zwei Jahre gedauert hat, dauert es heute vielleicht vier.“
Mit dieser Haltung verfolgt die VICUS GROUP ihren Weg konsequent weiter – und zeigt, dass unternehmerischer Erfolg vor allem dort entsteht, wo Veränderung aktiv gestaltet wird.

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