Galvanotechnik: neue Wege, neue Lösungen

Interview mit Dr. Michael Zöllinger, CEO der Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Zöllinger, der Name Schlötter steht mit über 100 Jahren Erfahrung für Kompetenz in der Galvanotechnik. Was ist die Kernkompetenz Ihres Unternehmens?

Dr. Michael Zöllinger: Wir entwickeln Elektrolyte für die Beschichtung mit der dazu passenden Anlagentechnik und einem umfassenden Service-Portfolio. Damit bekommen die Kunden bei uns alles aus der berühmten ʻeinen Hand’. In der Entwicklungsabteilung bei Schlötter sind circa 25% unserer Belegschaft beschäftigt und entwickeln unser Portfolio im eigenen Haus. Somit verfügen wir über das entsprechende Know-how und können mit unseren Kunden auf Augenhöhe sprechen. So können wir echte partnerschaftliche Beziehungen pflegen. Seit den 1960er-Jahren sind wir in der Elektronik und im kathodischen Korrosionsschutz tätig. Dadurch haben wir viele Kunden aus der Automotive-Branche und deren Zulieferer, aber auch aus anderen Bereichen, wie der Telekommunikation.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Max Schlötter am Markt aus?

Dr. Michael Zöllinger: Wir sind ein mittelständisches Familienunternehmen und pflegen dadurch einen sehr persönlichen Kontakt zu unseren Kunden. Wir sind zuverlässig, auch in Krisenzeiten, und bieten echte Lösungen, die wir durch hervorragenden Service unterstützen. Zudem versuchen wir neue Trends immer frühzeitig aufzugreifen.

Wirtschaftsforum: Apropos Trends: Welche Themen und Trends stellen Sie zurzeit am Markt fest?

Dr. Michael Zöllinger: Traditionell sind der kathodische Korrosionsschutz und dekorative Oberflächen, zum Beispiel für den Sanitärbereich, wichtig. Jetzt stellen wir unter anderem im Elektronikbereich einen Boom in Steckkontakten fest. Für autonomes Fahren braucht man tausende neue Steckkontakte mit neuen Oberflächen. Dies befeuert die Nachfrage nach neuen Lösungen. Wir entwickeln aktuell mit einem Start-Up ein Prüfverfahren für die Kontaktphysik. Damit werden wir Oberflächen auf Reibung, Übergangswiderstand und entsprechenden Kräften parallel unter bestimmten Umweltbedingungen prüfen können.

Wirtschaftsforum: Ist das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Markt schon angekommen?

Dr. Michael Zöllinger: Ressourcen- und energiesparende Verfahren sind ein Thema, erfordern aber einen erheblichen Entwicklungsaufwand. Wir sehen vor allem Potenzial im Schließen der Stoffkreisläufe. Hier ist die Rückgewinnung von Energie aus galvanischen Prozessen ein Stichwort. Grundsätzlich sind alle Themen rund um grünen Wasserstoff ein Zukunftsthema. Hier können wir, zum Beispiel mit der Beschichtung von Elektrodenmaterialien zur Herstellung von Wasserstoff oder den Einsatz in Brennstoffzellen, einen wichtigen Beitrag leisten. Wir haben dazu eine eigene Forschungsgruppe gebildet, die sich ausschließlich mit solchen Beschichtungen beschäftigt. Unser Standort in Schweden ist stark im Bau von Anlagen, genau für diesen Markt.

Wirtschaftsforum: Inwieweit ist die Digitalisierung Treiber für neue Entwicklungen?

Dr. Michael Zöllinger: Wir haben in den letzten Jahren stark in unsere IT-Infrastruktur investiert. Dazu zählt, dass wir endlich auch an Glasfaser angeschlossen sind. Auch unsere Mitarbeiter haben wir intensiv geschult, nachdem wir die neue Kollaborationssoftware eingeführt haben. Ein wichtiges Stichwort ist Wissensmanagement, welches wir zukünftig über KI abrufbar machen, um Wissen generationenübergreifend weitergeben zu können. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir technologisch auf dem neuesten Stand sein.

Wirtschaftsforum: Was werden Ihre Themen für das Jahr 2024 sein?

Dr. Michael Zöllinger: Wir werden konsequent weiter in die Digitalisierung investieren, unter anderem in ein neues ERP-System. Weitere wichtige Themen werden die Dekarbonisierung, aber auch neue Lösungen für die Leiterplattenindustrie sein. Wir werden außerdem an der Energiereduktion in den bewährten Verfahren arbeiten. Mit Blick auf unsere Export-Aktivitäten werden wir unseren neuen Standort in Taiwan festigen und ausbauen und an unserem schwedischen Standort unsere Aktivitäten in der Anlagentechnik zusammenführen. Auch den amerikanischen Markt haben wir auf der Agenda, auf dem wir deutlich stärker werden wollen.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie vom Markt im kommenden Jahr, was von der Politik?

Dr. Michael Zöllinger: Wie schon im letzten halben Jahr müssen wir mit Zurückhaltung am Markt rechnen. Es wird für uns auch positive Sondereffekte geben, zum Beispiel in Asien. Was unsere Politik und unsere Gesellschaft angeht, so sollten wir weniger reden und mehr Mut haben, Dinge zu tun. Wir müssen raus aus der Opferrolle und zurück auf den Weg, der Deutschland stark macht. Die bürokratischen Auflagen sind ein großer Hemmschuh, so haben wir momentan über 800 Vorschriften zu allen möglichen Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien zu befolgen. Doch wir Unternehmen machen uns oft selbst sehr viel interne Bürokratie und bauen zwischen den Unternehmen teilweise große bürokratische Hürden auf, die wir, wenn wir das wollten, jederzeit abbauen könnten. Früher ging man auch mal ein Risiko ein, heute sichern wir alles mit Hosenträgern und Gürteln ab. Es ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, die ausufernde Bürokratie in allen Lebensbereichen auf ein übersichtliches und sinnvolles Maß zu reduzieren, dafür müssen wir dann eben etwas mehr Lebensrisiko in Kauf nehmen.

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