Magnete bewegen die Welt

Interview mit Stefan Möwius, Geschäftsführer der BEC Gesellschaft für ­Produktmanagement mbH

Wirtschaftsforum: Herr Möwius, die BEC ist seit mehr als 30 Jahren am Markt. Was macht Ihr Unternehmen genau, und wie hat es sich entwickelt?

Stefan Möwius: Wir sind ein inhabergeführtes Handels- und Entwicklungsunternehmen für alle Arten von Dauermagnetwerkstoffen. Das Spektrum reicht von Neodym-Eisen-Bor über Samarium-Kobalt bis zu Ferritmagneten, und unsere Kunden kommen aus Industrien wie Automotive, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Akustik, eigentlich aus nahezu allen Bereichen der modernen Industrie. Was uns grundlegend auszeichnet: Wir fertigen ausschließlich kundenspezifisch. Es gibt bei uns keinen Katalog, aus dem man auswählt, sondern jedes Teil ist ein Unikat, das gemeinsam mit dem Kunden für genau seine Anforderungen und seinen Bauraum entwickelt wird, sei es ein winziger Zylindermagnet für einen Sensor oder ein mehrstufiges Magnetsystem für einen Antriebsmotor.

Wirtschaftsforum: Sie produzieren nicht selbst. Wie funktioniert das Modell?

Stefan Möwius: Wir haben Partner in Fernost, die in unserem Auftrag und nach unserem Know-How produzieren, und über unsere Tochtergesellschaften in Asien betreiben wir lokales Sourcing und Kontrollen direkt vor Ort. Ich bin selbst regelmäßig dort, ebenso die Kollegen aus dem Qualitätswesen und der Entwicklung. Gemeinsam mit den Kunden führen wir Audits durch, begleiten Neuentwicklungen und begleiten Projekte von der Idee bis zur Serienreife. Mengenmäßig bewegen wir uns dabei von einer Handvoll Teilen in der Luftfahrt bis hin zu 30 bis 40 Millionen Stück pro Jahr. Was das Gewicht betrifft: von unter 1g bei Uhrenmagneten oder Medizinanwendungen bis zu 5 kg oder mehr bei Windkraftmagneten.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre USPs? Warum kommen Kunden zu Ihnen?

Stefan Möwius: Ein entscheidender Vorteil ist, dass wir beide Seiten verstehen: die Anwendung des Kunden und die Produktion. Das erlaubt uns, nicht nur einzelne Magnete, sondern komplette Ma­gnetsysteme mit Klebern, Wicklungen und weiteren Komponenten zu liefern und dabei Potenziale für Leistungssteigerungen oder Kosteneinsparungen zu erschließen. Darüber hinaus entwickeln wir NdFeB-Dauermagnetwerkstoffe gezielt weiter und passen die Materialkomposition kundenspezifisch an die geforderten Eigenschaften an – etwa in Bezug auf Remanenz, Koerzitivfeldstärke, Temperaturstabilität und das Langzeitverhalten. Viele Anbieter nennen vor allem Kennwerte bei Raumtemperatur; in realen Anwendungen – beispielsweise in Elektromotoren – liegen die Betriebstemperaturen jedoch typischerweise deutlich höher. Entscheidend ist daher, welche magnetischen Eigenschaften der Magnet unter diesen Bedingungen zuverlässig beibehält. Genau das steuern wir über abgestimmte Legierungen aus Seltenerdmetallen, Eisen und weiteren Elementen. Schwere seltene Erden (zum Beispiel Dysprosium/Terbium) sind dafür in den meisten Anwendungen nicht notwendig – sie werden typischerweise erst bei sehr hohen Anwendungstemperaturen beziehungsweise bei extremen Anforderungen an die Koerzitivfeldstärke relevant. Durch unsere Materialentwicklung können wir ihren Einsatz gezielt minimieren oder ganz vermeiden und die vereinbarten Zielwerte unseren Kunden verbindlich zusichern.

Wirtschaftsforum: Die letzten Jahre waren von Krisen geprägt. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Stefan Möwius: Die Kosten sind insgesamt gestiegen – Transport, Rohstoffe und Energie – und geopolitische Entwicklungen führen immer wieder zu zusätzlichen Aufwänden in den Lieferketten, etwa durch längere Routen und höhere Logistikkosten. Hinzu kommen die von China im April 2025 eingeführten Dual-Use-Exportkontrollen für schwere Seltene Erden, die zeitweise für spürbare Unruhe gesorgt und Prozesse verlangsamt haben. Durch den engen Austausch mit unseren Partnern vor Ort, den zuständigen lokalen Behörden sowie der Europäischen Kommission konnten die Abläufe jedoch angepasst werden; die Prozesse haben sich inzwischen wieder stabilisiert. Der bürokratische Aufwand bleibt dennoch erhöht, weil für kontrollierte Elemente wie Dysprosium (Dy) und Terbium (Tb) die gesamte Supply Chain offengelegt und entsprechend gemeldet werden muss. Durch diese breite Aufstellung werden Schwankungen in einzelnen Branchen weniger stark wahrgenommen. Diese Diversifikation stärkt unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Einflüssen und ermöglicht eine schnelle Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen.

Wirtschaftsforum: Wo steht Ihr Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit?

Stefan Möwius: Wir arbeiten intensiv an Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette. Den CO2-Fußabdruck unserer Magnete können wir erfassen und nachverfolgen; außerdem haben wir in einem EU-Forschungsprojekt an einer durchgängigen Rückverfolgbarkeit auf Basis einer Blockchain mitgewirkt – von der Rohstoffgewinnung bis zum Kunden. Technisch ist das machbar, setzt in der Praxis aber voraus, dass alle Beteiligten der Lieferkette die relevanten Daten in ausreichender Qualität bereitstellen. Beim Recycling lassen sich Produktionsabfälle wie Verschnitt gut in den Prozess zurückführen; für bereits verbaute Magnete fehlen in Europa häufig noch Standards und wirtschaftliche Aufbereitungswege. Asien und die USA bewegen sich beim Aufbau entsprechender Recyclingstrukturen derzeit schneller.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Stefan Möwius: Wir wollen gezielt tiefer in die Wertschöpfung einsteigen und unseren Kunden verstärkt komplette Magnetsysteme anbieten – nicht nur Einzelkomponenten. Parallel dazu investieren wir in eine diversifizierte und robustere Lieferkette und bauen zusätzliche Beschaffungs- und Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas auf, gemeinsam mit ausgewählten Partnern, die auch Verarbeitungsschritte wie die Trennung Seltener Erden abbilden können. Solche Alternativen sind aktuell häufig mit höheren Kosten und zusätzlichem Abstimmungsaufwand verbunden, und die Marktdurchdringung hängt davon ab, inwieweit Kunden und Endmärkte Resilienz und Versorgungssicherheit wirtschaftlich abbilden. Gleichzeitig entwickeln sich die regulatorischen und geopolitischen Rahmenbedingungen – etwa durch den Critical Raw Materials Act, Investitionsprogramme in den USA und Handelsrestriktionen – dynamisch. Insgesamt verfolgen wir deshalb mehrere Optionen parallel, um je nach Szenario lieferfähig zu bleiben.

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