Ökologisch und gesund: Die Kunst des Dichthaltens

Interview mit Sven Luckert, Geschäftsführer und Inhaber der FRANKEN SYSTEMS GmbH

Die Gründung von FRANKEN SYSTEMS erfolgte aus der Not heraus, erzählt Sven Luckert: „Mein Arbeitgeber war insolvent, und ich konnte seine Firma 1999 für eine Mark übernehmen. Mit 22 Jahren hatte ich also eine Firma mit zwölf Mitarbeitern und eine Produktion für Farben und Lacke.“

Schon bald nach der Übernahme konzentrierte er sich jedoch auf Abdichtungssysteme. FRANKEN SYSTEMS war eines der ersten Unternehmen in Europa, das eine zugelassene Dachabdichtung entwickelt hat. Der Fokus lag damals schon auf Ökologie.

„Das hat uns von den Marktbegleitern unterschieden“, sagt der Firmenchef. Schon bald hat er das erste Patent angemeldet. Die Marktdurchdringung ließ aber noch auf sich warten. 2004 verkaufte Sven Luckert den Bereich Farben und Lacke und reinvestierte den Erlös in das Abdichtungsgeschäft.

Mit der Entwicklung von FRANKOSIL 1K PLUS kam 2012 der Durchbruch: „Mit diesem Produkt waren wir Pionier: Es verbindet gleichzeitig Ökologie, einfache Handhabung und sichere Verarbeitung. Ab diesem Zeitpunkt haben wir gemerkt, dass wir den Zeitgeist treffen. Jeder, der das Produkt einmal benutzt hatte, war begeistert“, so der Geschäftsführer.

Corona bringt Umsatzzuwächse

FRANKEN SYSTEMS entwickelt stetig neue Ideen für das nachhaltige Bauen. „Im Bereich Bauwerksabdichtung sind wir Innovationsführer mit zahlreichen Patenten und Gebrauchsmustern“, betont Sven Luckert. Im Februar 2020 bezog die Firma ein neues Gebäude mit moderner Produktion auf 4.000 m² Produktionsfläche.

Entsprechend der innovativen Ausrichtung des Unternehmens sind ein gut ausgestattetes Labor und ein anwendungstechnisches Schulungszentrum weitere Kernbereiche am neuen Standort. Unmittelbar nach dem Umzug sorgte Corona kurzfristig für Unruhe.

„Zunächst hatten wir Angst, denn wir hatten ja viel investiert. Aber der Baubereich boomt nach wie vor, und die Handwerker haben wie verrückt bestellt. Wir hatten kräftige Umsatzzuwächse und haben im Lauf des Jahres zehn weitere Leute eingestellt“, erzählt Sven Luckert. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen in Gollhofen 60 Mitarbeiter.

Zertifizierte Materialökologie

„Unsere Produkte sind ökologisch besonders gut verträglich, da sie nach der Aushärtung keine schädlichen Substanzen an die Atemluft abgeben“, hebt Sven Luckert hervor. Daher wurde FRANKEN SYSTEMS auch als erster Flüssigkunststoffhersteller für sein Produkt FRANKOSIL 1K PLUS mit dem Emicode-Siegel der besten Kategorie ausgezeichnet, das den Nutzern höchsten Schutz vor gesundheitlichen Belastungen bietet.

„Dass besonders der jungen Generation das Thema Ökologie wichtig ist, merken wir bei den jungen Dachdeckern. Unsere Produkte sind dabei nicht teurer als nicht-ökologische“, stellt er klar. Neben dem universell einsetzbaren FRANKOSIL 1K PLUS hat das Unternehmen zwei weitere patentgeschützte Produktlinien entwickelt: FRANKOLON ist ein lösemittelfreier zweikomponentiger Polyurethan-Hybrid-Flüssigkunststoff mit besonders guter Haftung auf Metall- und Kunststoffuntergründen.

Die jüngste Produktentwicklung REVOPUR für Balkone und Terrassen weist andere, ganz besondere Eigenschaften auf: Es härtet besonders schnell aus - selbst bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad - und ermöglicht, einen Balkon an einem Tag abzudichten. Selbstverständlich ist auch diese neue Produktlinie geruchs- und emissionsarm.

Mitarbeiter werden immer gesucht

FRANKEN SYSTEMS ist nicht nur in Deutschland bei Handwerkern, Planern und Architekten bekannt, sondern in der gesamten DACH-Region. Derzeit treibt das Unternehmen die Internationalisierung weiter voran. „Aktuell führen wir Schulungen in Polen, Frankreich und Skandinavien durch. Wir müssen abwarten, welche Folgen der Brexit haben wird. Eigentlich ist auch England ein wichtiger Markt für Flüssigkunststoffe“, sagt Sven Luckert.

Wer expandieren will, braucht Mitarbeiter – doch das ist ein Problem, berichtet er: „Der Bau boomt seit fast 15 Jahren, und wir suchen ständig Leute. Als Mittelständler haben wir nicht die Möglichkeiten, die ein Konzern hat. Allerdings sind Ökologie und Nachhaltigkeit für viele junge Menschen ein wichtiger Aspekt. Das spricht natürlich für uns.“

Ökologie vorantreiben in jeder Hinsicht

Bei der Planung für das nächste Jahr ist Sven Luckert vorsichtig. „Wir fahren auf Sicht“, sagt er. Sicher ist, dass das Unternehmen ein neues ERP-System einführen wird – eine große Umstellung für die Mitarbeiter, die von zahlreichen Schulungen begleitet werden wird.

Der Geschäftsführer möchte sich ganz besonders einem Produktfeld zuwenden: „Wir müssen unsere Balkon- und Terrassensysteme noch bekannter machen. Daher werden wir versuchen - trotz Corona – Schulungen für Handwerker zum Beispiel in offenen Gebäuden oder Lagerhallen durchzuführen.“

Seine Vision hat erst einmal nichts mit Wachstum zu tun: „Ich will nicht der Größte werden. Wichtig ist mir, die Materialökologie gesamtheitlich zu denken und zu leben. Ich möchte die Wertschöpfungskette in dieser Hinsicht weiter optimieren und den Kreis schließen.“

Äußeres Kennzeichen der Gesamtausrichtung im Unternehmen ist das Dach des neuen Gebäudes von FRANKE SYSTEMS, welches mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet ist: „Sie produziert mehr Energie als wir verbrauchen. Wir sind also schon eine Plusenergiefabrik“, so Sven Luckert.

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