„Was wir können, kann nicht jeder!“

Interview mit Wim De Windt, CEO Gadot Europe der Gadot Belgium BV

Wirtschaftsforum: Herr De Windt, was können die Kunden von Gadot Belgium erwarten? Wie sieht das Portfolio aus?

Wim De Windt: Im North Sea Port Gent verfügen wir über eine Fläche von 23 ha. Von dort aus haben wir eine Verbindung zur Nordsee, aber auch zu Kanälen und Flüssen im Binnenland. Distribution, Handel und Lagerung von Produkten ist eines unserer Geschäfte. Wir kaufen Produkte von den Schiffen, die wir dann zum Teil verpacken und im Markt anbieten. Das ist eine typische Aktivität: Ankauf, Distribution und Weiterverkauf. Dabei handelt es sich vorwiegend um Produkte für die Öl-, Gas- und Bergbauindus­trie. Diese Branchen beliefern wir zum Beispiel mit Schmiermitteln für Bohraktivitäten. Ein weiteres Standbein in Gent ist die Lagerung. Hier bieten wir unseren Kunden Kapazitäten

zum Lagern von Biotreibstoffen und Chemikalien. Darüber hinaus bieten wir umfassende Serviceleistungen rund um die gelagerten Produkte an. Das können zum Beispiel Samples zur Qualitätskontrolle sein, Zollabwicklung oder auch logistische Dienstleistungen. Wir können die eingelagerten Produkte via Schiff oder Lkw auf den Weg zu ihrem Bestimmungsort senden. Zwischen 70 und 80 Lkw werden täglich bei uns be- und entladen. Das dritte Standbein ist unsere Kompetenz als Contract Manufacturing Partner. Hier mischen wir verschiedene Grundstoffe nach den Vorgaben unserer Kunden oder für eigene Produkte. Wir haben auch geeignete Reaktoren für chemische Prozesse. So entstehen Halbfabrikate oder Endprodukte, in vielen Fällen sind es chemische Additive, die Treibstoffen beigefügt werden. Pro Jahr fertigen wir zwischen 150.000 und 200.000 t solcher Produkte. für große Multinationals – als Auftrag oder ab Lager. Gerade in den vergangenen Jahren haben wir sehr viel in Anlagen und Prozesse investiert.

Wirtschaftsforum: Und wer sind Ihre Kunden?

Wim De Windt: Unsere Kunden sind große Player aus der Energiebranche, Hersteller von Schmiermitteln sowie Handelsunternehmen. Es sind aber auch Unternehmen aus der Lebensmittel-, Papier- und Metallindustrie. Insgesamt haben wir mehrere hundert Kunden. Bislang stammen unsere Kunden überwiegend aus Europa, den USA und Afrika. Südamerika haben wir als neuen Markt im Blick.

Wirtschaftsforum: Was glauben Sie, warum sich Kunden für eine Zusammenarbeit mit Gadot Europe entscheiden?

Wim De Windt: Was wir können, kann nicht jeder. Unser Standort ist multimodal. Wir verfügen über ein Tankvolumen von insgesamt 100.000 m3, verteilt auf viele verschiedene Tanks. Wir sind zudem extrem kunden- und servicegerichtet und haben die erforderlichen ISO-Zertifizierungen. Mit unseren Preisen sind wir absolut wettbewerbsfähig, und wir legen großen Wert auf gute und lang andauernde Beziehungen zu unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Erzählen Sie uns bitte etwas über die Historie von Gadot Belgium und die aktuellen Strukturen.

Wim De Windt: gegründet wurde das Unternehmen 1960 durch den Ölmulti Chevron. In den 1990er-Jahren haben sie Teile des Unternehmens verkauft, unter anderem unser jetziges Betriebsgelände. Das Gelände mit seinen Anlagen wurde dann von verschiedenen Dienstleistern aus der Chemielogistik genutzt. 2010 erfolgte die Übernahme durch Gadot, im gleichen Jahr begannen mit Supply Chain Management und Warehousing auch die ersten logistischen Aktivitäten in Deutschland. 2019 gab es ein Rebranding und seitdem fungiert Gadot Belgium als Teil der Gadot Group, einem führenden globalen Player im chemischen Value Chain Management. In Gent, wo wir im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, beschäftigen wir 140 eigene sowie 30 weitere Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen. 100 Beschäftigte sind an unseren vier deutschen Standorten in Düsseldorf, Frankfurt, Mannheim und Wiesbaden tätig. Unser Umsatz liegt bei 150 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre Sales- und Marketingaktivitäten aus?

Wim De Windt: Wir haben Sales & Business Development Teams, die unsere Kunden besuchen und Events sowie Konferenzen organisieren. Wir sind auch auf Veranstaltungen wie der EPCI in Berlin präsent und nutzen Social Media.

Wirtschaftsforum: Wie digital ist Gadot Belgium aufgestellt?

Wim De Windt: In der Produktion setzen wir auf Daten. IoT und unser Terminal Management-System sind kompatibel mit SAP. Wir dokumentieren unseren CO2-Ausstoß mittels Science-Based Target Index. Künftig wollen wir noch mehr AI einsetzen.

Wirtschaftsforum: Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?

Wim De Windt: Auf unserem Gelände nutzen wir Windkraft und Biomasse. Unseren CO2-Ausstoß konnten wir bereits um 70% reduzieren.

Wirtschaftsforum: Welches sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Wim De Windt: Wir streben Wachstum organisch und durch Zukäufe an. Außerdem sind wir auf der Suche nach Joint Venture-Partnern für Projekte zu Lagerung und Multimodalität. Wir suchen neue Kunden und wollen unsere Infrastruktur auch für erneuerbare Energien ausbauen.

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