Mehr Harmonisierung für mehr Patientensicherheit

Interview mit Dr. Birgit Schumacher, General Manager und Site Manager Martinsried der GBA Pharma GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Schumacher, Ihr Unternehmen gehört seit 2017 zur GBA Group. Welche Veränderungen hat es in den drei Jahren gegeben?

Birgit Schumacher: Wir sind seit drei Jahren Teil der Laborgruppe, die auf Analytik und Servicedienstleistungen in den Bereichen Lebensmittel, Pharma und Umwelt spezialisiert ist. In dieser Zeit haben wir die Harmonisierung unserer drei Standorte in Gräfelfing, Martinsried und Ulm weiter vorangetrieben. Es gibt jetzt ein übergreifendes Qualitätsmanagementsystem, ein elektronisches Dokumentenmanagementsystem und harmonisierte Analysesoftware an allen drei Standorten. In Martinsried arbeiten wir im Bereich Chromatografie nur noch mit elektronischen Rohdaten und Unterschriften. Das wollen wir auch an den beiden anderen Standorten umsetzen. Außerdem planen wir, ein Labor-Informations- und Managementsystem einzuführen, um die operativen Prozesse zu vereinheitlichen.

Wirtschaftsforum: Warum ist die Harmonisierung der drei Standorte so wichtig für GBA Pharma?

Birgit Schumacher: Wir haben aktuell drei gute Standorte und 170 tolle Mitarbeiter. Durch die Harmonisierung arbeiten wir deutlich effizienter und können unseren Kunden Services aus einem Guss anbieten. Wir haben Spezialtechniken jeweils nur an einem Standort, aber die Kunden wissen, dass sie immer dieselbe Qualität bekommen. Wir haben Expertengruppen für bestimmte Themen, die sich aus Mitgliedern aller drei Standorte zusammensetzen. Dadurch werden die Interessen aller Standorte berücksichtigt, wir lernen viel voneinander und es entstehen Best Practice-Lösungen. Es gibt etliche Wettbewerber mit mehreren Standorten, aber unseren Grad an Harmonisierung hat keiner.

Wirtschaftsforum: In Zukunft werden Sie nur noch zwei Standorte haben.

Birgit Schumacher: Ja, wir legen zurzeit die Standorte Gräfelfing und Martinsried am Campus Neuried zusammen. Hier entsteht ein hochmodernes Gebäude mit 2.400 m² Laborfläche, das Anfang 2022 bezogen werden soll. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine Kapazitätserweiterung und weiteres Wachstum.

Wirtschaftsforum: Das heißt, von der Corona-Krise sind Sie nicht betroffen?

Birgit Schumacher: Wir haben aktuell keinerlei Einbußen, da der Markt für Arzneimittel weiter wächst. Die Herausforderung bestand eher darin, dass man Analytics-Geräte nicht mit ins Homeoffice nehmen kann und wir weiter vor Ort arbeiten mussten.

Wirtschaftsforum: Welches sind Ihre Haupttätigkeitsbereiche?

Birgit Schumacher: Wir sind in der Wertschöpfungskette der Pharmaindustrie sehr produktionsnah. Wir prüfen die Rohstoffe für die Produktion sowie das fertige Arzneimittel. Ein anderer wichtiger Bereich sind Medikamente, die noch in der Entwicklung sind. Wir prüfen dann zum Beispiel, wie stabil der Wirkstoff ist, wenn er in einer Tablette zusammengepresst wird, oder ob durch den Produktionsprozess etwas in die Tablette hineinkommen kann. Wir haben eine sehr große Verantwortung. Bei allem, was wir tun, ist unser Leitfaden die Patientensicherheit.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen dabei die Mitarbeiter, bei aller Technik, die Sie einsetzen?

Birgit Schumacher: Die Sicherheit für den Patienten steht bei allen Mitarbeitern an vorderster Stelle. Gleichzeitig betreuen die Mitarbeiter, die im Kontakt mit dem Kunden stehen, jedes Projekt mit großer Leidenschaft.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?

Birgit Schumacher: Vor allem die Durchlaufzeiten weiter zu verbessern, denn die Taktung in der Produktion bei unseren Kunden wird immer enger. Dabei hilft uns der Einsatz digitaler Technik, sowohl im kaufmännischen Bereich als auch im Labor. Wir arbeiten mit so wenig Papier wie möglich und nutzen immer mehr Datenbanken und elektronische Unterschriften. Mitarbeiter mit unterschiedlichen Führungsverantwortungen müssen verschiedene Prozesse unterschreiben. Das führt zu einem großen Umlauf von Dokumenten, bei dem man ansonsten viel Zeit verlieren kann.

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Zukunftsthemen?

Birgit Schumacher: Wachsende Bedeutung haben für uns Arzneimittel zur Bekämpfung von Krebs sowie das Thema Biopharmazie, ein Teilgebiet der Pharmazie, das sich mit der Einschätzung der Wirksamkeit von Arzneimitteln beschäftigt. Insgesamt wächst das Geschäft. Inzwischen kommen auch Kunden von außerhalb der DACH-Region zu uns, vor allem aus Skandinavien, den USA und Israel. Es ist sehr spannend, mit vielen Kunden zu arbeiten, da man ganz unterschiedliche Firmenstrukturen kennenlernt. Das hilft uns auch, unsere eigene Struktur zu überdenken und die drei Standorte zu einem schlagkräftigen Ganzen zu machen.

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