Mit leichtgewichtiger Motion-Control wieder auf Wachstumskurs

Interview mit Christian Mutter, Geschäftsführer der General Aerospace GmbH

Innerhalb von gut 20 Jahren hat sich die General Aerospace GmbH in ihrem Segment zu einem weltweit gefragten Ausrüster entwickelt. „Erik van den Dolder und Samuele Piatti hatten seinerzeit die gute Idee, Motion-Control-Komponenten für die Luftfahrtindustrie zu entwickeln und zu fertigen“, beschreibt Geschäftsführer Christian Mutter die Anfänge des erfolgreichen Unternehmens. 2003 wurde es in der Garage gegründet und zog schon zwei Jahre später in den Business Park Breisgau um. „Seitdem hat sich das Produkt- und Kundenportfolio stetig erweitert“, betont der Geschäftsführer. „Die beiden Gründer haben Wege gefunden, immer mehr Anwendungen zu platzieren und damit gewissermaßen eine Nische mit adressiert.“

Leicht beweglich

Mit den Motion-Control-Elementen von General Aerospace lassen sich bewegliche Teile innerhalb von Flugzeugen sicher und komfortabel in ihrer Position verändern. Mögliche Anwendungen dieser Motion-Control-Komponenten sind Gepäckfächer, Sitze und Gegenstände in Waschräumen ebenso wie Treppen oder technische Elemente an Triebwerken oder im Cockpit. „Mit unseren Produkten steuern wir Bewegungen und unterstützen Kräfte mittels Gasdruck, Federn oder elektrisch“, verdeutlicht Christian Mutter. „Das kann zum Beispiel eine mehrere hundert Kilogramm schwere Wartungsklappe an einem Triebwerk sein. Mithilfe unserer Lösung lässt sie sich von nur einer Person öffnen oder schließen.“ Üblicherweise kommt der Kunde mit einer technischen Herausforderung zu den Motion-Control-Spezialisten, die dann die bestmögliche Lösung entwickeln.

Synergien mit Mutterkonzern

Sowohl die Flugzeughersteller selbst als auch Systemlieferanten – unter anderem von Flugzeugkabinen – und Airlines zählen zu den Auftraggebern des innovativen Unternehmens. „Als Dienstleister übernehmen wir Entwicklungsaufgaben und arbeiten bei der Zulassung neuer Produkte für unsere Kunden zu“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir sind als Hersteller und Wartungsbetrieb zertifiziert und übernehmen nach der Zulassung auch die Serienproduktion“, versichert Christian Mutter. „Als Zulieferer für die Luftfahrt ist unsere Zulassung EN 9100 wichtig, ebenso wie EASA part 21G als Herstellungsbetrieb und EASA part 145 als Instandhaltungsbetrieb.“

2019 hat die Stabilus Gruppe die General Aerospace GmbH übernommen. Der Mutterkonzern ist auf Motion-Control-Komponenten für Industrie und Automotive spezialisiert. Zusammen mit dem Motion-Control-Know-how von General Aerospace bieten sich seitdem ganz neue Synergieeffekte. „Stabilus wollte uns wachsen lassen und das ist kapitalintensiv“, erklärt Christian Mutter. „Diesen Prozess konnten die beiden Gründer alleine nicht stemmen.“

Talsohle durchschritten

Mit dem Einstieg von Stabilus ist Samuele Piatti als einer der beiden Gründer ausgestiegen, Erik van den Dolder war bis März 2024 noch als Geschäftsführer im Unternehmen. Seit Dezember 2023 leitet Christian Mutter General Aerospace gemeinsam mit Stefan Bauerreis und Stefan Burg. Aktuell beschäftigt der Betrieb 65 Mitarbeiter und ist nach den erheblichen Einschnitten während der Coronazeit wieder auf Wachstumskurs. Christian Mutter: „Corona war ein schwerer Schlag für die Luftfahrt. Darunter hatten wir natürlich auch zu leiden und haben deshalb rund vier krisenhafte Jahre hinter uns. Doch nun haben wir die Talsohle durchschritten. Da sich die Luftfahrtbranche deutlich erholt, verzeichnen auch wir wieder kräftiges Wachstum.“ Ein guter Indikator dafür ist auch der steigende Umsatz, der von 2023 auf 2024 deutlich gesteigert werden konnte.

Kapazitäten erhöhen

„Die Luftfahrt wächst wieder und die Branche steht am Beginn eines Aufschwungs“, freut sich der Geschäftsführer. „Wir haben neue Produkte und neue Kunden. Alte Flugzeuge müssen ausrangiert und durch neue ersetzt werden, die weniger Kraftstoff verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen.“ Deshalb müssen die technischen Lösungen von General Aerospace trotz ihrer Komplexität möglichst leicht sein. Im Zuge der auch von den Auftraggebern geforderten Nachhaltigkeit hat das Unternehmen die ESG-Strategie des Mutterkonzerns voll integriert.

„Im Engineering sind wir state-of-the-art und in der Produktion haben wir wegen der kleinen Serien in der Luftfahrt eher den Charakter einer Manufaktur“, sagt der Geschäftsführer. „Unsere vergleichsweise geringe Automatisierung macht auch unsere Arbeitsplätze sehr attraktiv.“ Grundsätzlich liegt Christian Mutter die Zufriedenheit der Mitarbeiter sehr am Herzen: „Die Menschen müssen sich wohlfühlen und sich auch trauen, Probleme anzusprechen. Deshalb pflegen wir eine offene Unternehmenskultur, die von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt ist.“ Nicht zuletzt wegen eines neuen Großkunden und einer damit anlaufenden Serienproduktion erwartet der Geschäftsführer starkes Wachstum, das jedoch auch gemeistert werden muss. Christian Mutter: „Unsere großen Ziele der nächsten Zeit sind unter anderem die Verbesserung der Prozesse, Produktionssteigerung und die Erhöhung unserer Kapazitäten.“

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