„Wir erschaffen neue Markenwelten“

Interview mit Giovanni Giuliani, CEO der Henoto S.p.A.

Wirtschaftsforum: Herr Giuliani, Henoto ist aus der Fusion zweier Gesellschaften entstanden. Wie kam es dazu?

Giovanni Giuliani: Henoto entstand aus der Fusion zweier Unternehmen mit Wurzeln im Messebau – zu einem Zeitpunkt, als aufgrund von Covid die Durchführung von Großveranstaltungen weltweit zum Erliegen kam. Das Unternehmen der BolognaFiere Group nutzte diese Zeit, um neue Geschäftsmöglichkeiten und neue Absatzmärkte zu erschließen. Wir haben ein Unternehmen mit einem breiten und vielfältigen Angebot in den Bereichen Veranstaltungen, Messen, Outdoor, Einzelhandel und temporäre Architektur gegründet, das sich als erfolgreich erwiesen hat. Der Name ‘Henoto’ – ‘Here Now Together’ – bringt unseren Spirit auf den Punkt: Wir wollen unseren Kunden beim Erreichen ihrer Ziele zur Seite stehen und sie begleiten.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Ihr Unternehmen seitdem entwickelt?

Giovanni Giuliani: Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen – sowohl strukturell als auch international. Heute beschäftigen wir mehrere hundert Mitarbeiter und stützen uns auf ein umfangreiches Netzwerk von Partnern und Lieferanten in Italien und im Ausland. Mit neuen Standorten, die zu den bereits bestehenden in strategischen Märkten wie Nordamerika, Asien und seit Kurzem auch Osteuropa hinzukommen, bauen wir unsere globale Präsenz kontinuierlich aus. Das ermöglicht es uns, Kunden weltweit direkt zu betreuen – mit gleichbleibend hoher Qualität und ohne auf Subunternehmen angewiesen zu sein.

Wirtschaftsforum: Welche Projekte stehen exemplarisch für das, was Henoto heute ausmacht?

Giovanni Giuliani: Wir waren beispielsweise bei den Olympischen Spielen in Paris dabei und haben an der Realisierung der ‘Casa Italia’ mitgewirkt – eine besondere Herausforderung aufgrund des sehr engen Zeitplans. Aber wir sind auch stolz auf kleinere, maßgeschneiderte Projekte, bei denen sich unser flexibles System bewährt hat. Ob es sich nun um einen 4x4-Meter-Stand oder ein ganzes Messekonzept handelt, unsere Sorgfalt ist immer dieselbe.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema bei Ihnen. Was bedeutet das konkret?

Giovanni Giuliani: Unsere Lösungen basieren auf einem patentierten System aus Aluminiumplatten, das modular und fast vollständig wiederverwendbar ist. Es lässt sich individuell wie ein Lego-System konfigurieren und ermöglicht gleichzeitig ein ansprechendes und stilvolles Design. Dank unserer internationalen Präsenz können wir Materialien auch lokal liefern und so die Transportwege verkürzen – ein echter Beitrag zur CO2-Reduktion. Unsere Vision ist echte und gelebte Nachhaltigkeit, nicht nur ein Marketingbegriff, sondern eine nachhaltige Vision, die wir auf die gesamte Produktionskette ausweiten.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte stehen im Fokus Ihrer internationalen Strategie?

Giovanni Giuliani: Rund 30% unseres Umsatzes erzielen wir im Ausland – Tendenz steigend. Wir sind besonders daran interessiert, unser Geschäft in den USA, in China und auch auf dem deutschen Markt auszubauen. Hier wollen wir unsere Präsenz und unseren Marktanteil weiter ausbauen. Dabei verfolgen wir eine klare Strategie: Wir agieren ‘glokal’ – das heißt, wir verbinden globale Standards mit lokaler Nähe.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie aktuell für Henoto?

Giovanni Giuliani: Unsere größte Herausforderung ist der Wandel – auf mehreren Ebenen. Wir befinden uns in einem umfassenden Transformationsprozess: von einer handwerklich geprägten Struktur zu einem Unternehmen mit industrieller Denkweise und internationalen Standards. Wir wollen unsere Agilität und Präzision beibehalten und gleichzeitig neue Prozesse einführen, digitale Werkzeuge ausbauen und einheitliche Qualitätsstandards gewährleisten. Dies erfordert nicht nur technologische Weiterentwicklung, sondern auch ein organisatorisches Umdenken. Innovation spielt dabei eine zentrale Rolle. Unser patentiertes ‘CoverUp’-System ist ein Beispiel für diese Kombination aus Leichtigkeit, Design und Nachhaltigkeit. Es ermöglicht modulare, schnell montierbare Strukturen mit großer Gestaltungsfreiheit und einem geringen ökologischen Fußabdruck.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Jahre aus?

Giovanni Giuliani: Wir wollen in neue Märkte wie Vietnam, Indien und afrikanische Länder expandieren. Außerdem entwickeln wir neue Produkte im Bereich temporäre Außenarchitekturen. Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen – aber immer mit Fokus auf Qualität, Nachhaltigkeit und Kundennähe.

Wirtschaftsforum: Abschließend noch ein Blick auf Ihre persönliche Laufbahn – wie kamen Sie zu Henoto?

Giovanni Giuliani: Ich bin Bauingenieur und habe durch verschiedene Erfahrungen bei BolognaFiere verantwortungsvolle Positionen bekleidet, bis hin zum Director Operations. Im Jahr 2008 begann ich mit dem Aufbau einer kleinen Einheit im Messebereich, die im Laufe der Zeit zu Henoto herangewachsen ist. Heute bin ich stolz darauf, Teil dieses Weges zu sein und in einem Bereich zu arbeiten, der in kurzer Zeit sehr wirkungsvolle Kontexte im Dienste der Kunden schafft.

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