Arztpraxis im digitalen Wandel

Interview mit Uwe Streit, Geschäftsführer der INDAMED EDV-Entwicklung und -Vertrieb GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Streit, wie haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren verändert?

Uwe Streit: Die Entwicklung wird immer schneller, insbesondere durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Themen wie elektronische Patientenakte, E Rezept oder digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen prägen den Alltag massiv. Allerdings verlaufen viele dieser Prozesse noch nicht reibungslos. Ärzte fungieren häufig als eine Art ‘Beta-Tester’, da reale Bedingungen erst im Praxisbetrieb sichtbar werden.

Wirtschaftsforum: Die elektronische Patientenakte sollte den Informationsfluß vereinfachen. Wie sieht es in der Praxis aus?

Uwe Streit: Die elektronische Patientenakte ist grundsätzlich ein wichtiger Schritt, doch die Prozesse werden häufig komplizierter statt einfacher. Ein Beispiel sind Laborbefunde: Diese können nicht direkt vom Labor eingestellt werden, sondern müssen über den behandelnden Arzt in die Akte gelangen. Das erzeugt zusätzlichen Aufwand für Praxisteams, die ohnehin stark ausgelastet sind.

Wirtschaftsforum: Wie kann Ihre Software hier unterstützen?

Uwe Streit: Wir setzen stark darauf, Prozesse zu vereinfachen und zu automatisieren. Gleichzeitig müssen wir die Anforderungen von Gesetzgeber und Institutionen wie der Gematik erfüllen. Das bedeutet: Wir bewegen uns immer im Spannungsfeld zwischen regulatorischen Vorgaben und den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwender.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrer Entwicklung?

Uwe Streit: KI ist ein zentraler Innovationstreiber, aber auch mit Unsicherheit verbunden. Es fehlt oft an klaren gesetzlichen Leitlinien, was im Gesundheitswesen erlaubt ist. Deshalb gehen wir bewusst zweigleisig vor: Einerseits integrieren wir bestehende Lösungen wie KI-Telefonassistenten allerdings nur unter strengen Datenschutzbedingungen. Andererseits entwickeln wir eigene Lösungen, bei denen alle Daten sicher in Deutschland verbleiben. 

Wirtschaftsforum: Ein weiterer Fokus liegt auf der Entlastung des Praxispersonals. Wie sieht das konkret aus?

Uwe Streit: Wir haben mehrere Lösungen entwickelt, die den Alltag vereinfachen. Dazu gehören KI-gestützte Telefonassistenten genauso wie Self-Check-in Terminals. Patienten können sich damit eigenständig anmelden, ihre Daten eingeben oder Rezepte anfordern – ohne den klassischen Empfangsprozess.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren die Praxen auf solche Technologien?

Uwe Streit: Die Nachfrage ist enorm. Viele Praxen sehen darin eine echte Entlastung, insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Besonders die Terminals werden stark nachgefragt, weil sie Abläufe effizienter gestalten und Wartezeiten reduzieren.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen aktuell im Fokus?

Uwe Streit: Ein besonders spannendes Projekt ist die kontaktlose Erfassung von Vitalwerten. Die Technologie stammt von einem Partnerunternehmen und wird von uns in unsere Terminals integriert; der Roll-out ist für den Herbst geplant. Über die Kamera können die Werte für Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung erfasst werden, wenn der Patient wenige Sekunden in das Gerät schaut. Diese Daten stehen dem Arzt bereits bei der Anmeldung zur Verfügung und können den Behandlungsprozess beschleunigen.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich?

Uwe Streit: Mich reizt besonders, wie Technologie den Praxisalltag konkret verbessern kann. Wenn Lösungen nicht nur effizienter sind, sondern auch die Qualität der Versorgung erhöhen, dann hat Digitalisierung einen echten Mehrwert – und genau daran arbeiten wir.

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