Ein neues Rohr im alten

Interview mit Ton van Geest, Director Technical Services der Insituform Rioolrenovatietechnieken BV

Wirtschaftsforum: Herr van Geest, mit der Erfindung des Schlauchlining-CIPP-Systems durch Eric Wood hat Insituform schon vor über 50 Jahren Maßstäbe gesetzt. 

Ton van Geest: Die zentrale Überlegung bestand darin, Rohrsanierungen möglichst ohne störende Grabarbeiten ausführen zu können, indem in den bestehenden Rohrsystemen ein entsprechender Kunststoffschlauch verlegt wird, der dort dann aushärtet und als neue Leitung in der alten fungiert. Nach verschiedenen Unternehmensabspaltungen und -konsolidierungen im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte konzen­triert sich Insituform mit Ausnahme des amerikanischen Marktes, wo wir weiterhin auch selbst entsprechende Installationsarbeiten durchführen, heute auf Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Schlauchlining-Systemen. Die entsprechenden Imprägnierungen führen wir entweder selbst durch oder sie erfolgen alternativ erst beim Kunden – denn bei bestimmten Systemen dürfen zwischen der Imprägnierung und der Installation allenfalls wenige Tage liegen, weil das Material sonst zu früh aushärtet. 

Wirtschaftsforum: Die meisten öffentlichen Kanalsysteme in Deutschland und den Niederlanden wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren verlegt und nähern sich somit dem Ende ihrer Lebensdauer – wie viel Arbeit kommt damit in den nächsten Jahren auf Insituform zu? 

Ton van Geest: In vielen Fällen ist die technische Lebensdauer tatsächlich schon überschritten und die Qualität der Leitungsnetze nicht mehr so gut, wie sie sein sollte. In den Niederlanden kann das mitunter besonders gefährlich werden, weil weite Teile des Landes unter dem Meeresspiegel liegen – und damit auch unsere Rohrsysteme unterhalb der Grundwasserebene verlaufen. Wenn dann ein Leck auftritt, tritt Grundwasser in das Leitungsnetz ein, zusammen mit Sand und weiteren Verunreinigungen. Durch die Veränderung der Bodenzusammensetzung können sich dann ganze Straßenabschnitte absenken. Noch dazu sind viele niederländische Gebäude auf Holzpfahlkonstruktionen errichtet – wenn diese im Wechsel Wasser und Luft ausgesetzt sind, können schnell Verrottungsprozesse einsetzen, die die Integrität des Gebäudes gefährden können. Ganz zu schweigen von den Umweltgefahren, die Rohrleitungsleckagen durch eine Verunreinigung des Grundwassers mit sich bringen können. 

Wirtschaftsforum: Ein Problem, das bei den Verantwortlichen ausreichend präsent auf die Agenda gerückt ist? 

Ton van Geest: In Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien ist man sich der Umweltrisiken sehr bewusst und auch in Ländern wie Spanien, Frankreich und Polen erhält diese Thematik inzwischen deutlich mehr Beachtung als noch vor einiger Zeit. Wir gehen deshalb durchaus von einer stark steigenden Nachfrage nach unseren Produkten in den nächsten Jahren aus, schlicht weil sie die Grundlage für vergleichsweise einfache Sanierungskonzepte darstellen. Der Wille, entsprechende Projekte umzusetzen, ist da. 

Wirtschaftsforum: Woran fehlt es dann? 

Ton van Geest: Am deutlichsten wahrscheinlich an den Menschen, die wir benötigen, um sie auch umzusetzen. Straßen- und Kanalbauarbeiten gelten bei den Arbeitnehmern nicht als sonderlich sexy – dabei handelt es sich jedoch um technisch hochkomplexe und anspruchsvolle Tätigkeiten, wo es auf Hightech und handwerkliches Können gleichermaßen ankommt. 

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit Jahrzehnten in der Branche tätig und feiern nächstes Jahr Ihr 40-jähriges Betriebsjubiläum bei Insituform. Was begeistert Sie heute noch an diesem Unternehmen? 

Ton van Geest: Ich habe damals als Projektleiter angefangen und mich in der Folgezeit konsequent weiterentwickelt. In meiner heutigen Funktion leite ich unsere niederländischen Standorte und leiste europa- und teilweise weltweit technische Unterstützung. Langjährige Erfahrung ist dafür eine unabdingbare Grundvoraussetzung – selbiges gilt für all unsere Mitarbeiter. Denn bei derartig komplexen technischen Sachverhalten muss man die Materie wirklich konsequent verstehen, um die Kunden im Tagesgeschäft kompetent unterstützen zu können. 

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen bei Insituform gerade im Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit? 

Ton van Geest: Wir arbeiten bereits seit den 1970er-Jahren mit unseren Produkten und können deshalb durch eine besonders umfassende Expertise im Markt überzeugen. Natürlich entwickeln wir uns dabei konsequent weiter: Neben Lösungen für Kanalsysteme bieten wir heute auch Produkte für die Trinkwasserversorgung an, die wir bereits aufwendig zertifizieren ließen. Ebenso halten wir inzwischen Systeme zur Verlegung von Elektro- und Lüftungsleitungen bereit.

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