Schmierstoffkompetenz, die Prozesse besser macht

Interview mit Dipl.-Ing. Andreas Pawlik, Geschäftsführer der Jokisch GmbH

Die Jokisch GmbH Fabrik für Schmier- und Kühlmittel-Spezialitäten aus Oerlinghausen entwickelt und produziert Kühlschmierstoffe, Metallbearbeitungsöle und Schneidpasten und ergänzt die Chemie konsequent um Services, die Fertigungsprozesse stabiler, produktiver und wirtschaftlicher machen.

Vom Konzernwissen zur mittelständischen Hands-on-Kultur

Geschäftsführer Dipl.-Ing. An­dreas Pawlik bringt eine Laufbahn mit, die in der Industrie selten ist: vom Schiffsingenieur über internationale Managementaufgaben in einem Mineralölkonzern bis hin zur Verantwortung für Spezialschmierstoffe und Metallbearbeitungsmedien. 2007 folgte dann der Schritt in die unternehmerische Verantwortung – mitten in einer Phase großer Umbrüche. „Irgendwann im Leben gibt es Abzweigungen: Man kann so weitermachen wie bisher – oder noch einmal ins kalte Wasser springen“, sagt Andreas Pawlik. Er entschied sich für den Sprung und übernahm Jokisch im Zuge eines Management-Buy-outs, sodass das Unternehmen ab 1. Januar 2008 – nach Jahren im Konzernverbund – wieder in privater Hand war. Jokisch wurde 1961 gegründet, der Standort Oerlinghausen wurde in den 1970er-Jahren aufgebaut; 1989 erfolgte der Verkauf an Shell. Heute ist Jokisch Teil der A.P.A. Holding GmbH, die als Management- und Holdinggesellschaft auch die RHOBA-Chemie GmbH in Bielefeld umfasst. Zwei Unternehmen, ein gemeinsamer Anspruch: technisches Verständnis, klare Prozesse und ein pragmatischer Blick auf den Nutzen beim Kunden. „Wir bringen Struktur, Systeme und Prozesse aus der Konzernwelt mit – aber so adaptiert, dass sie im Mittelstand funktionieren“, betont Andreas Pawlik.

Service als Produktivitätshebel

Kühlschmierstoffe sind Funktionsflüssigkeiten – sie müssen im Zusammenspiel mit Werkstoff, Werkzeug und Maschine exakt passen. Jokisch setzt deshalb auf anwendungsnahe Begleitung: von der händischen Überwachung von Konzentration und pH-Wert über Laboranalysen bis hin zu Troubleshooting und Maschinenreinigung. „Wenn es schäumt oder riecht, braucht der Kunde schnell eine Lösung – sonst steht die Produktion“, sagt Andreas Pawlik. Gerade in warmen Monaten oder nach Stillständen zeige sich, wie sensibel das System sei. Hinzu kommt eine Entwicklung, die viele Fertiger spüren: weniger Personal, mehr Verantwortung pro Schicht. „Wir sehen immer häufiger ‚Dunkelschichten‘, in denen ein oder zwei Personen eine ganze Reihe von Maschinen im Blick behalten“, erklärt Andreas Pawlik. Damit steigt die Nachfrage nach Monitoring-Lösungen. Jokisch stellt solche Systeme nicht selbst her, vertreibt aber cloudgestützte Überwachungssysteme in Partnerschaft – um Füllstand, Konzentration oder pH-Wert digital zu erfassen und Abweichungen früh zu erkennen. Das Ziel: Prozesssicherheit erhöhen, Ausschuss reduzieren, Werkzeugkosten senken.

Klein kann sehr groß sein

Ein markantes Alleinstellungsmerkmal ist die Abfüllkompetenz. Jokisch bedient bewusst auch Kleinstmengen, die für große Produzenten wirtschaftlich un­attraktiv sind. „Unser kleinstes Standardgebinde sind 60 ml – das findet man in der Industrie kaum“, sagt Andreas Pawlik. In der Abfüll-Manufaktur werden Kleinserien teils händisch, teils semi-automatisch präzise konfektioniert – von 200 ml bis 1 l. Besonders dynamisch entwickelt sich das Private Label- und Abfülldienstleistungsgeschäft. Dabei liefert ein Großhersteller die Grundprodukte in großen Gebinden, Jokisch lagert ein und füllt nach Kundenvorgabe in passende Gebinde ab – mit dem Label des Kunden. Das reicht von etablierten Industriepartnern bis zu Spezialanfragen, bei denen Form, Farbe und Volumen exakt definiert sind. Der Mehrwert liegt im Zusammenspiel aus Logistik, Qualitäts- und Prozesssicherheit sowie der Fähigkeit, komplexe Kleinmengen effizient zu managen.

Allianz der Cleveren

Die Entwicklung neuer Formulierungen wird zunehmend von Regulierung geprägt. „Vieles, was technisch hervorragend funktioniert, ist regulatorisch immer schwerer zulässig“, beschreibt Andreas Pawlik die Lage. Gleichzeitig warnt er vor Vereinfachungen in der Kommunikation: „Wenn von ‘grünen Produkten’ die Rede ist, werde ich skeptisch – Funktionsflüssigkeiten müssen vor allem zuverlässig arbeiten“, so Andreas Pawlik. Jokisch verfolgt deshalb einen pragmatischen Kurs: Substanzen so sicher und so nachhaltig wie möglich einsetzen, ohne Risiken zu verharmlosen – und mit klarer Aufklärung für Anwender. Wachstum kommt bei Jokisch zudem aus dem Auslandsgeschäft: Das Unternehmen ist mit Vertriebspartnern in über 60 Ländern präsent und richtet den Blick verstärkt auf neue Zielmärkte. Ein Business Development-Ansatz mit priorisierten Zielländern – etwa in Richtung Zentralasien, Türkei oder Südostasien – soll zusätzliche Potenziale erschließen. „Wir müssen unsere Produkte dichter an die Endkunden bringen“, sagt Andreas Pawlik. Dazu gehören Partnerschaften, Distributionsmodelle und per­spektivisch auch Lizenzfertigungen vor Ort. Und weil Mittelstand heute nicht nur um Märkte, sondern auch um Ressourcen kämpft, setzt Jokisch auf Kooperation. „Das nennen wir die ‘Allianz der Cleveren’: Gleichgroße teilen Kompetenzen, ergänzen Portfolios und stemmen Regulatorik gemeinsam“, erklärt Andreas Pawlik. Dahinter steht ein realistisches Verständnis von Effizienz: Wer Berichtspflichten, Compliance, Cybersecurity und Fachkräftemangel allein tragen will, verschenkt Kraft. Jokisch investiert deshalb sowohl in digitale Systeme als auch in Schutzmaßnahmen – und sieht im intelligenten Miteinander eine ebenso unternehmerische wie nachhaltige Antwort auf die Herausforderungen der nächsten Jahre.

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