Krane fürs digitale Zeitalter

Interview mit Jürgen Dlugi, Geschäftsführer der Konecranes GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dlugi, können Sie uns einen kurzen Überblick über Konecranes geben?

Jürgen Dlugi: Konecranes ist ein weltweit führender Anbieter von Kranen und anderen innovativen hebetechnischen Lösungen. Wir sind an 600 Standorten in nahezu 50 Ländern präsent und erwirtschaften mit insgesamt 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 2,1 Milliarden EUR.

Wirtschaftsforum: Die Geschichte von Konecranes reicht zurück bis in das Jahr 1910, das Gründungsjahr des Elektromotor-Reparaturwerks KONE. Seit wann ist das Unternehmen in Deutschland präsent?

Jürgen Dlugi: Konecranes Deutschland gibt es seit etwas mehr als 20 Jahren. Ich war damals einer der ersten fünf Angestellten, von denen vier immer noch im Betrieb sind. Heute haben wir 1.100 Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Sie sind in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich mit durchschnittlich 8% jährlich gewachsen. Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg?

Jürgen Dlugi: Zum einen bieten wir ein umfangreiches Equipmentsortiment, welches Krane und Materialhandling-Lösungen für Unternehmen der Produktions- und Prozessindustrie, Werften und Häfen sowie Werkzeugmaschinen aller Art umfasst. Mit 40% Umsatzanteil fast genauso wichtig wie die produktivitätssteigernden Hebelösungen ist der Servicebereich. Hierzu gehören maßgeschneiderte Dienstleistungen rund um die Hebetechnik sowie sämtliche Wartungs-, Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten.

Wirtschaftsforum: Herr Dlugi, Konecranes gehört zu den Vorreitern der sogenannten vierten industriellen Revolution, also einer umfassenden Digitalisierung der Produktionstechnik. Können Sie uns hierfür ein Beispiel geben?

Jürgen Dlugi: Unsere jüngste Innovation im Kranservicegeschäft ist TRUCONNECT Remote Services, die Zukunft der Kranwartung. Das TRUCONNECT-Angebot reicht von regelmäßigen Berichten über Echtzeit-Fehlerdiagnosen und technischen Support bis zur Erfassung der Echtzeit-Produktionsauslastung. Damit lassen sich Wartungsaktivitäten optimieren und Möglichkeiten zu einer Effizienz- und Produktivitätssteigerung erfassen. Für den Kunden bedeutet dies auch, dass er von einem periodischen Wartungsservice auf einen nutzungsbasierten Service umsteigen kann.

Wirtschaftsforum: Hat auch der Krankunde Zugriff auf die Daten oder nur Ihre Servicemitarbeiter?

Jürgen Dlugi: Der Kunde kann über ein Portal alle Informationen direkt und in Echtzeit abrufen. So kann er viel besser planen und natürlich auch Kosten sparen.

Wirtschaftsforum: Konecranes ist weltweit tätig. Allein in Deutschland haben Sie 26 Standorte. Wie wichtig ist für Sie Kundennähe?

Jürgen Dlugi: Sehr wichtig. Wir haben das größte Servicenetz in der Branche und sind keine Stunde vom Kunden entfernt. 400 Mitarbeiter sind im Service tätig.

Wirtschaftsforum: Im letzten Jahr haben Sie in Dreieich bei Frankfurt am Main ein Europäisches Training Center eröffnet. Was hat es damit auf sich?

Jürgen Dlugi: Fortbildung ist für uns immens wichtig. Krane werden immer anspruchsvoller und bestehen aus immer mehr Elektronik. Das Europäische Training Center bringt alle Schulungen der Kran- und Hebetechnik zusammen zu einer Hochburg des Fachwissens und steht sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden offen. Ein gutes Beispiel ist auch unser Tech-Master-Programm. Hier bilden wir Mechatroniker immer wieder fort, um mit den neuesten technischen Entwicklungen Schritt zu halten.

Wirtschaftsforum: Herr Dlugi, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Mit Flexibilität durch den Wandel

Interview mit Dario Peran, geschäftsführender Gesellschafter der Brämig & Stehling GmbH

Mit Flexibilität durch den Wandel

Automatisierung gilt als einer der Schlüssel, um industrielle Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. Doch ausgerechnet in einer Phase, in der Investitionen dringend nötig wären, agieren viele Unternehmen zurückhaltend. Für…

„Standard ist nicht unbedingt besser!“

Interview mit Morris Wilisch, geschäftsführender Gesellschafter der masetec GmbH

„Standard ist nicht unbedingt besser!“

Mit masetec versorgt Morris Wilisch seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Industriezweigen mit Sensorsystemen und den dazugehörigen Magneten. Warum eine Standardlösung dabei nicht immer kosteneffizienter ist, wie er auch im…

Fördertechnik ohne Grenzen

Interview mit Stefano Ferrari, Global Sales Manager der Trasmec s.r.l.

Fördertechnik ohne Grenzen

Wer eine Holzwerkstoffplatte kauft, denkt kaum an die Fördertechnik, die den Holzstaub zur Presse transportiert. Die Trasmec s.r.l. aus Casalbuttano in der Provinz Cremona ist auf genau diese unsichtbaren Prozesse…

Spannendes aus der Region Landkreis Offenbach

Smarte Elektrotechnik für komplexe Gebäudeprojekte

Interview mit Jens Neumann, Geschäftsführer der TKS-Connect GmbH

Smarte Elektrotechnik für komplexe Gebäudeprojekte

Intelligente Gebäudetechnik, Automatisierung und komplexe elektrotechnische Großprojekte gehören heute zu den zentralen Anforderungen im gewerblichen Bau. Die TKS-Connect GmbH hat sich in diesem Bereich in kurzer Zeit als gefragter Partner…

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Wenn gutes Essen Schule macht

Interview mit Michael Roder, Geschäftsführer OPAL Catering GmbH

Wenn gutes Essen Schule macht

Jeden Tag landen unzählige frisch zubereitete Mahlzeiten auf den Tellern von Kindern in Schulen und Kitas im Großraum Frankfurt. Hinter diesem täglichen Einsatz steht die OPAL Catering GmbH, ein regional…

Das könnte Sie auch interessieren

Schnell reagieren können

Interview mit Steven Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH Kunststoffverarbeitung

Schnell reagieren können

Wie wird aus einem kleinen Familienbetrieb ein hochmoderner Kunststoffspezialist mit 150 Maschinen? Steven ­Herpichböhm, CTO der Gramß GmbH in Spechtsbrunn bei Sonneberg, kennt die Antwort. Im Interview spricht er über…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Interview mit Tom Segert, Mitgründer und CEO der Berlin Space Technologies GmbH

„Die ESA sagte uns, was wir machen, sei unmöglich!“

Kaum ein Unternehmen dürfte derart komplex zu gründen und zu skalieren sein wie ein Satellitenhersteller: Tom Segert und seine Partner haben es dennoch getan – mit beachtlichen Erfolgen, die sich…

TOP