Aus der Region für den Kreislauf

Interview mit Sebastian Winkelheide, Geschäftsführer der Olde Bolhaar Eco-Service GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Winkelheide, Sie sind seit 2026 Geschäftsführer der Olde Bolhaar Eco-Service GmbH. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Sebastian Winkelheide: Ich bin seit vielen Jahren in der Kompostierungs- und Recyclingbranche tätig und habe unterschiedliche operative und kaufmännische Führungspositionen übernommen. Nach dieser langen Zeit wollte ich noch einmal eine neue Herausforderung annehmen. Olde Bolhaar hat mich vor allem durch seine Innovationskraft, die ausgeprägte Hands-on-Mentalität und die kurzen Entscheidungswege überzeugt. Das Unternehmen setzt Ideen schnell um und verfolgt gleichzeitig eine klare, langfristige Strategie. Hier kann ich gemeinsam mit einem eigenen Team gestalten, Verantwortung übernehmen und unmittelbar etwas bewegen.

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen hat sich seit 2012 dynamisch entwickelt. Welche Meilensteine waren besonders wichtig?

Sebastian Winkelheide: Christiaan Olde Bolhaar hat damals mit viel Mut und persönlichem Engagement den Grundstein für die heutige Unternehmensentwicklung gelegt. Zunächst ging es darum, den Betrieb wirtschaftlich zu stabilisieren und zukunftsfähig aufzustellen. Anschließend wurde das Standortnetz Schritt für Schritt erweitert. 2015 kam mit Zelhem der erste Standort in den Niederlanden hinzu, 2018 folgte Duiven. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war 2021 die Gründung des Joint Ventures mit Klasmann-Deilmann, einem der führenden Hersteller von Kultursubstraten. Die Zusammenarbeit eröffnet beiden Seiten große strategische Vorteile: Wir entwickeln und produzieren hochwertige Substratausgangsstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffdiversifizierung und langfristigen Versorgungssicherheit unseres Partners.

Wirtschaftsforum: Was ist der Kern Ihres Geschäftsmodells?

Sebastian Winkelheide: Wir erzeugen aus organischen Rest- und Abfallstoffen neue, qualitativ hochwertige Produkte. Dazu gehören verschiedene Komposte, Biomasseprodukte, Holzfasern, Biofiltermaterialien und Rindenmulch. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf Torfersatzstoffen für die Substratindustrie. Unser Ziel ist es, den Einsatz von Torf durch erneuerbare und nachhaltige Rohstoffe kontinuierlich zu reduzieren. Damit setzen wir Kreislaufwirtschaft ganz konkret um: Materialien werden gesammelt, aufbereitet und wieder als wertvolle Produkte in den Wirtschaftskreislauf oder in den Naturkreislauf zurückgeführt. Entscheidend ist für uns, dass am Ende nicht nur ein verwertbarer Stoff, sondern ein verlässlich hochwertiges Produkt entsteht.

Wirtschaftsforum: Warum ist der Ersatz von Torf so bedeutend?

Sebastian Winkelheide: Da die Nutzung von Torf mit ökologischen Herausforderungen verbunden ist, entwickelt die Substratindustrie leistungsfähige Alternativen. Entscheidend ist, Nachhaltigkeit, Kultursicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden. Hinzu kommt, dass der Handel und die Substratindustrie zunehmend nachhaltige und CO2-reduzierte Lösungen verlangen. Wir sehen darin eine klare Verantwortung, aber auch eine große wirtschaftliche Chance. Wer frühzeitig erneuerbare Substratausgangsstoffe in gleichbleibend hoher Qualität bereitstellt, schafft einen echten Mehrwert für seine Kunden.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Regionalität und kurze Transportwege?

Sebastian Winkelheide: Sie sind ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Es wäre wenig sinnvoll, nachhaltige Rohstoffe über sehr große Entfernungen zu transportieren und damit einen Teil des ökologischen Vorteils wieder aufzuheben. Wir möchten Materialien möglichst in der jeweiligen Region erfassen, dort aufbereiten und die daraus entstehenden Produkte ebenfalls regional vermarkten. Deshalb setzen wir auf ein dezentrales Standortnetz. Unsere Lage im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ist dabei eine besondere Stärke. Für uns existiert die Grenze im operativen Alltag praktisch nur auf dem Papier. Wir verbinden die Märkte, Erfahrungen und Arbeitsweisen beider Länder.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und künstliche Intelligenz?

Sebastian Winkelheide: Wir haben bereits ein neues System für unsere internen Prozesse eingeführt. Weitere Potenziale sehen wir vor allem in der Logistik, bei der Steuerung der Stoffströme zwischen den Standorten und im Qualitätsmanagement. Künstliche Intelligenz kann uns dabei unterstützen, Daten besser zu verknüpfen, Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Systemen zu schaffen und Abläufe effizienter zu gestalten. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit diesen Möglichkeiten und haben dafür eigens eine Mitarbeiterin eingesetzt. Sie analysiert Prozesse, bewertet konkrete Anwendungsfälle und begleitet deren Umsetzung. Unser Ziel ist nicht Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern eine messbare Verbesserung im täglichen Betrieb.

Wirtschaftsforum: Wie soll sich Olde Bolhaar in den kommenden Jahren entwickeln?

Sebastian Winkelheide: Wir möchten unser Produktportfolio verbreitern und weitere nachhaltige Torfersatzstoffe entwickeln. Dabei untersuchen wir unter anderem Reststoffe aus der Landwirtschaft und anderen Herkunftsbereichen. Gleichzeitig wollen wir regional weiter wachsen. Unser Schwerpunkt liegt zunächst auf Nordwesteuropa, perspektivisch sind jedoch auch weitere Märkte denkbar. Bei allem Wachstum möchten wir unsere Kultur bewahren: Wir sind bodenständig, arbeiten mit kurzen Entscheidungswegen und kommunizieren offen und direkt. Rund 80 Mitarbeitende bilden heute ein grenzüberschreitendes Team. Gemeinsam treiben wir die Entwicklung nachhaltigerer Substrate mit einem steigenden Anteil erneuerbarer und zirkulärer Ausgangsstoffe voran.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Gemeinsam für Menschen da zu sein: ein Anspruch, der unter den engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags häufig auf der Strecke bleibt. Der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft, der sich auf die Betreuung…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Niedersachsen

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Mit den Aufgaben gewachsen

Interview mit Stefan Wolters, Geschäftsführer der Wolters GmbH

Mit den Aufgaben gewachsen

Vom Kohlenhandel über Erdarbeiten bis zu Abbruch, Recycling und Transport: Die Wolters GmbH aus Saerbeck hat ihr Leistungsspektrum über Jahrzehnte stetig erweitert. Heute setzt das Familienunternehmen auf moderne Technik und…

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

Das könnte Sie auch interessieren

Entscheidungen, die Wachstum schaffen

Interview mit Leo Scherr, Geschäftsführer der Scherr BIO GmbH

Entscheidungen, die Wachstum schaffen

Die Betriebsgröße ist in der Landwirtschaft ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung. Familienunternehmen müssen immer wieder Antworten auf veränderte Rahmenbedingungen finden. Die Scherr BIO GmbH aus Österreich ist diesen…

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Interview mit Pater Johannes Bauer, Cellerar der Ettaler Klosterbetriebe GmbH

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Tradition und Wirtschaft müssen kein Widerspruch sein – besonders dort, wo historische Verantwortung, Gastfreundschaft und nachhaltiges Handeln seit Jahrhunderten zusammengehören. Die Ettaler Klosterbetriebe GmbH verbindet klösterliches Leben mit Hotel, Gastronomie,…

Biologischer Pflanzenschutz mit ­globaler Perspektive und Innovation

Interview mit Plinio Barbarino, CEO der SAN Agrow Holding GmbH

Biologischer Pflanzenschutz mit ­globaler Perspektive und Innovation

Nachhaltige Landwirtschaft, steigende regulatorische Anforderungen und der Wunsch nach gesünderen Lebensmitteln verändern die Agrarbranche weltweit. Die SAN Agrow Holding GmbH mit Sitz in Herzogenburg entwickelt biologische Lösungen für Pflanzengesundheit und…

TOP