Auf Kurs Zukunft: Infrastruktur ganzheitlich denken, planen, umsetzen

Interview mit Falko Griesert, Geschäftsführer der PBVI Planung Bauüberwachung Vermessung für Infrastruktur GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Griesert, steigende Anforderungen und komplexe Projekte prägen heute die Verkehrsinfrastruktur. PBVI versteht sich in diesem Umfeld als integrierter Partner für Infrastrukturprojekte – was bedeutet dieser Ansatz konkret und wie ist er entstanden?

Falko Griesert: Unser Ziel ist es, Projekte möglichst durchgängig zu begleiten – von der Beratung über die Planung und Vermessung bis hin zur Bauüberwachung und Projektsteuerung. Entscheidend ist für uns, die einzelnen Phasen eng zu verzahnen und als zusammenhängenden Prozess zu denken. Für unsere Kunden bedeutet das weniger Schnittstellen und effizientere Abläufe. Dieser Ansatz ist eng mit unserer Entwicklung verbunden: 2020 haben sich drei Ingenieurbüros

zur PBVI zusammengeschlossen. Dabei ging es nicht nur um Wachstum, sondern darum, Kompetenzen gezielt zu bündeln und weiterzuentwickeln, etwa im Bereich Vermessung, den wir dadurch deutlich stärken konnten. Gleichzeitig spielte auch das Thema Ausbildung eine wichtige Rolle, da sich die Qualifizierung von Fachkräften erst ab einer gewissen Unternehmensgröße sinnvoll organisieren lässt.

Wirtschaftsforum: Wo liegt Ihr inhaltlicher Schwerpunkt – und wer sind Ihre Auftraggeber?

Falko Griesert: Unser klarer Fokus liegt auf der Schieneninfrastruktur. Rund 80% unserer Leistungen erbringen wir im Bahnumfeld. Das sind zum einen Projekte der öffentlichen Hand, insbesondere im Umfeld der Deutschen Bahn. Zum anderen arbeiten wir aber auch für private Auftraggeber – etwa Industrieunternehmen, Hafenbetreiber oder Unternehmen mit eigener Gleisinfrastruktur. Viele unterschätzen, wie groß dieser Bereich tatsächlich ist. Es gibt zahlreiche Infrastrukturunternehmen außerhalb der klassischen öffentlichen Wahrnehmung, die ebenfalls einen hohen Bedarf an qualifizierten Leistungen haben.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Arbeit in der Bauüberwachung konkret aus?

Falko Griesert: Unsere Bauüberwacher tragen eine sehr große Verantwortung. Sie überwachen die Arbeiten direkt im Gleisbereich, und das oft unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen. Dabei geht es darum, dass alle Maßnahmen sowohl sicher als auch exakt nach den umfangreichen Regelwerken der DB InfraGO ausgeführt werden. Am Ende geben unsere Mitarbeitenden die Gleise wieder für den Betrieb frei. Das ist hoch sicherheitsrelevant und erfordert neben fachlicher Qualifikation vor allem Erfahrung und ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Wirtschaftsforum: Die Auftragslage ist stabil – gibt es andere Herausforderungen?

Falko Griesert: Die Auftragslage ist für uns tatsächlich kein Pro­blem. Wir sind im Bereich der kritischen Infrastruktur unterwegs, insbesondere im Bahnbereich, und der Bedarf ist enorm. Unsere größte Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Wir suchen laufend qualifizierte Mitarbeitende für alle Abteilungen. Teilweise sind hier die Hürden hoch: Selbst Bauingenieure benötigen zusätzliche Qualifikationen und praktische Erfahrung, sodass es mindestens zwei Jahre dauert, bis sie in der Bauüberwachung einsatzfähig sind. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen anspruchsvoll, da die Einsätze oft nachts, am Wochenende und im Freien stattfinden. Wir investieren gezielt in Ausbildung und Weiterbildung, unter anderem mit unserer eigenen Verkehrsbauakademie. Gleichzeitig setzen wir auf eine starke Unternehmenskultur mit Verlässlichkeit, Entwicklungsmöglichkeiten und guter Vereinbarkeit – das ist heute entscheidend, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Falko Griesert: Beim Thema Digitalisierung sehen wir durchaus Potenzial, insbesondere bei unterstützenden Prozessen. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem stark regulierten und sicherheitsrelevanten Umfeld – dort kann man den Menschen nicht ersetzen. Wir arbeiten daran, klare Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI zu definieren. Ökologische Nachhaltigkeit ist für uns in mehrfacher Hinsicht relevant: Zum einen arbeiten wir in einem Umfeld, das per se nachhaltig ist – die Bahn ist ein wichtiger Baustein für klimafreundliche Mobilität. Zum anderen achten wir auch im Unternehmen selbst auf entsprechende Maßnahmen, etwa durch die schrittweise Umstellung unseres Fuhrparks.

Wirtschaftsforum: Und wie sehen Sie die Zukunft von PBVI?

Falko Griesert: Ich blicke sehr positiv in die Zukunft. Die Bahnin­frastruktur ist ein zukunftssicherer Bereich, und die Investitionen werden weiter steigen. Gleichzeitig wollen wir unser Unternehmen breiter aufstellen und unser Leistungsangebot gezielt ausbauen. Unser integrierter Ansatz schafft Mehrwert für unsere Kunden und eröffnet unseren Mitarbeitenden neue Entwicklungsmöglichkeiten. Wir sehen uns als verlässlicher Partner in einem Umfeld, das langfristig an Bedeutung gewinnt. Mit unserem ganzheitlichen Anspruch und unseren gewachsenen Kompetenzen sind wir für die kommenden Aufgaben sehr gut aufgestellt.

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