Reiner Calmund: „Nicht quatschen, machen!“

Interview mit Reiner Calmund, Fußballexperte, Geschäftsmann und Speaker

Wirtschaftsforum: Sie sind Referent bei Speakers Excellence. Wie genau kamen Sie vom Fußballmanagement auf die Bühne?

Reiner Calmund: Ich habe mich auf Bühnen immer schon wohl gefühlt. Als junger Mann habe ich bei Hochzeiten oder anderen Festlichkeiten Akkordeon gespielt und bei Karnevalssitzungen die Organisation und auch die Büttenreden übernommen.

Anfragen als Redner bekam ich schon während meiner aktiven Zeit als Fußballmanager bei Bayer 04. Immer wieder kam mir zu Ohren, dass den Leuten gerade meine authentische und offenbar unterhaltsame Art zu referieren gefällt. Bei der Übertragung meines Fußball-Fachwissens auf die Wirtschaft, zeige ich den Zuhörern die großen Parallelen zwischen Fußball und Wirtschaft auf eine Art und Weise, die jeder verstehen kann.

Nach dem Ende meiner Karriere bei Bayer im Jahr 2004, kam kurz darauf der Sender RTL auf mich zu, um mich für die Rolle des Big Boss zu gewinnen. Dort wurde ich als eine – ich will mal sagen – Wirtschaftsgröße präsentiert, die – überspitzt gesagt – sehr gut beurteilen kann, ob jemand zu etwas zu gebrauchen ist oder nicht. Auf die Fernsehpräsenz in der Rolle des Big Boss folgte schließlich eine enorme Nachfrage als Vortragsredner.

Ich referiere nicht nur mit Kompetenz, sondern auch mit Leidenschaft und freue mich, wenn ich die Leute begeistern, mitreißen und an meinen Erfahrungen teilhaben lassen kann. Reiner Calmund
Reiner Calmund

Wirtschaftsforum: Fällt es Ihnen leicht, Ihre Erfahrungen mit dem Publikum zu teilen? Wie fühlen Sie sich dabei?

Reiner Calmund: Ich habe immer schon viel gequatscht! Dabei hatte ich noch nie Hemmungen – egal ob ich vor 3, 30, 300 oder 3.000 Personen sprach. Ich referiere nicht nur mit Kompetenz, sondern auch mit Leidenschaft und freue mich, wenn ich die Leute begeistern, mitreißen und an meinen Erfahrungen teilhaben lassen kann. Wenn ich diese Resonanz oder dieses Gefühl von meinem Publikum vermittelt bekomme, fühle ich mich darin bestätigt, dass ich das, was ich tue, richtig mache.

Wirtschaftsforum: Als Speaker vergleichen Sie, wie auch einige andere, Profifußballverein und Wirtschaftsunternehmen. Kommt dieser Vergleich gut an?

Reiner Calmund: Ja klar, kommt der Vergleich an! Der Fußball ist der größte Interessenverband der Welt. Die enorm große Fangemeinde reicht von jung bis alt, über Männlein und Weiblein und durch alle sozialen Schichten. Jeder kann also etwas damit anfangen und sich somit schnell und einfach mit den Aussagen eines Speakers identifizieren, der Vergleiche vom Fußball zur Wirtschaft zieht.

Bei meinen zahlreichen Vorträgen sehe ich immer wieder, wie interessant es für die Zuhörer ist, wenn ihnen klar wird, wie einheitlich es im Fußball und im Unternehmen doch läuft. Es geht in beiden Bereichen um Ergebnisse – Tabellenplätze und Bilanzsummen, Einnahmen – TV- & Sponsoren-, Zufriedenheit – der Fans, Sponsoren und Kunden, Image, Marke, Umsatz, Gewinn und so weiter.

Reiner Calmund
Haben Sie schon einmal erfolgreiche, kompetente Schlaftabletten getroffen? Solche, die nicht für das brennen, was sie machen, aber trotzdem erfolgreich sind? Ich mal nicht. Die gibt es nämlich nicht. Reiner Calmund

Wirtschaftsforum: Sie vermitteln die Botschaft „Es kommt nicht darauf an, was du kannst, sondern was du tust“. Warum haben Sie sich für diese bereits bekannten Worte entschieden?

Reiner Calmund: Weil sie einfach wahr sind! Man könnte auch sagen „Nicht quatschen, machen!“ In allen Bereichen des Lebens reicht die Kompetenz allein nicht aus. Um wirklich erfolgreich sein zu können, ist Leidenschaft unerlässlich!

Haben Sie schon einmal erfolgreiche, kompetente Schlaftabletten getroffen? Solche, die nicht für das brennen, was sie machen, aber trotzdem erfolgreich sind? Ich nicht. Die gibt es nämlich nicht.

Kompetenz mit dahinter stehender Bildung, Erfahrung, Kreativität, Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit sind wichtig, aber eben nicht alles. Wenn den Leuten Leidenschaft, Siegeswille, Teamgeist, Identifikation, Motivation und Begeisterung fehlen, wird das alles nichts.

Wirtschaftsforum: Was macht einen guten Redner aus? Wen hören Sie sich gerne an?

Reiner Calmund: Ein guter Redner vermittelt den Inhalt seines Vortrags interessant und unterhaltsam, sodass das Publikum Wissen oder Anregungen aus dem Vortrag mitnimmt. Er kann außerdem begeistern und mitreißen und schafft es, dass sich das Publikum mit den Aussagen identifizieren kann.

Joey Kelly ist für mich nicht nur ein guter Freund, sondern mit seinem Vortrag „No Limits“ auch ein perfekter Vortragsredner. Joey verkörpert einen „positiv Bekloppten“, weil er ein extrem leidenschaftlicher Mensch ist.

Wirtschaftsforum: Gibt es eine Situation, die Sie als Speaker nachhaltig beeinflusst hat?

Reiner Calmund: Als junger Kerl faszinierten mich die Rede-Schlachten im Bundestag zwischen Helmut Schmidt und Franz-Josef Strauß, am liebsten noch gewürzt von den Zwischenrufen Herbert Wehners. Auch unser erster Kanzler Konrad Adenauer hatte es faustdick hinter den Ohren. Als ihm einer vorwarf, seine Meinung plötzlich geändert zu haben, schmetterte er ihm entgegen: „Meine sehr verehrten Damen und Herren von der Opposition, auch von ihnen lasse ich mir nicht verbieten, jeden Tag etwas Neues dazuzulernen.“ Seine Gegner belehrte er gerne auf süffisante Art und Weise: „Wir stehen alle unter demselben Himmel, doch ich merke deutlich, dass viele einen anderen Horizont haben.“ Bundesminister Peter Altmaier hat mich zuletzt mit seinem aktuellen Vortrag über die Digitalisierung begeistert. Stilistisch brillant und inhaltlich wichtig und gut erklärt. Das kam bei mir an.

Interview: Aurelia Leppen | Fotos: Speakers Excellence/ Reiner Calmund

Mehr über Speakers Excellence erfahren Sie in unserem Interview mit CEO und Gründer Gerd Kulhavy.

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