Das Tierwohl steht an erster Stelle!

Interview mit Hans Köppen, Geschäftsführer der Haus des Meeres Betriebs GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Köppen, schon seit vielen Jahrzehnten bietet das Haus des Meeres im Herzen von Wien seinen Besuchern ein beeindruckendes Zooerlebnis. Was gibt es dort Besonderes zu bestaunen?

Hans Köppen: Schon unser Standort ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich – nicht nur durch unsere Lage in einem beeindruckenden Naturpark trotz unmittelbarer Nähe zu mehreren U-Bahn-Stationen, sondern auch durch unsere Unterbringung in einem ehemaligen Flakturm aus dem 2. Weltkrieg, den wir über die Jahrzehnte sukzessive umgebaut haben. Wie unser Name schon sagt, zeigen wir in erster Linie Meerestiere – von Haien über Meeresschildkröten bis hin zu Korallenfischen, aber auch ausgefallenere Arten wie etwa Rochen. Ferner gibt es bei uns verschiedenste Reptilien und Amphibien von Komodowaranen bis zu Krokodilen und natürlich auch einige der giftigsten Schlangen der Welt zu sehen. Als wissenschaftlich geführtem Zoo liegt uns dabei auch ein nachhaltiges Bildungserlebnis am Herzen. So sind unsere Schauaquarien eher naturbelassen, eben weil wir die Natur als solche zeigen wollen. Da dürfen sich also auch ein paar Algen auf den Steinen ansammeln. 

Wirtschaftsforum: Darüber hinaus engagieren Sie sich in zahlreichen Artenschutz- und Zuchtprojekten. 

Hans Köppen: Wir sind eines von weltweit sehr wenigen Häusern aus einem Binnenland, das etwa Blaupunktstechrochen und Seepferdchen züchtet. Grundsätzlich verzichten wir so weit wie möglich auf Wildfänge, sondern stellen primär Zuchttiere aus, die wir uns bisweilen auch im Austausch mit anderen Zoos beschaffen, wenn dort entsprechende Überpopulationen bestehen – selbstverständlich jedoch stets ohne Entgeltzahlungen. Das Tierwohl steht bei uns immer an erster Stelle, denn nur wenn sich die Tiere in ihren Lebensräumen bei uns wohlfühlen, kann auch ein attraktives Erlebnis für unsere Gäste entstehen. 

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert der Betrieb des Hauses des Meeres aus wirtschaftlicher Sicht? 

Hans Köppen: Das war ein langer Prozess: Mit der Gründung im Jahre 1958 firmierte unsere Einrichtung noch als Verein, löste aber schon im ersten Jahr ihres Bestehens als erste Meerwasserausstellung Österreichs wahre Besucheranstürme aus. Als dann immer mehr Wiener unser Haus kannten, nahmen die Besucherzahlen mit der Zeit deutlich ab, bis sich das Haus des Meeres in den 1990er-Jahren in einer immer prekärer werdenden wirtschaftlichen Gesamtsituation befand. Glücklicherweise konnte man damals durch den enormen persönlichen Einsatz eines Vereinsmitgliedes unseren heute noch bestehenden Glaszubau verwirklichen, nach dessen Fertigstellung ein starker Wiederanstieg der Besucherzahlen einsetzte. Das verdeutlichte allen, dass mit dem Haus des Meeres durch nachhaltige Investitionen auch attraktive Renditen erzielt werden konnten. 

Wirtschaftsforum: In den letzten 20 Jahren haben sich die Besucherzahlen auf inzwischen über 1 Million EUR verdreifacht, auch nachdem Sie infolge der Umwandlung des Hauses des Meeres in ein Wirtschaftsunternehmen 2008 die Geschäftsführung übernahmen. 

Hans Köppen: Schon seit längerer Zeit können wir uns ohne staatliche Subventionen oder Sponsoren vollkommen eigenständig finanzieren und haben inzwischen sämtliche Stockwerke des ehemaligen Flakturms ausgebaut. Auch unseren Zubau haben wir bereits merklich erweitert. Diesen Sommer wird ferner ein neues Süßwasseraquarium mit einem Fassungsvermögen von über 40.000 l folgen, wo wir vornehmlich afrikanische Fische ausstellen werden. Zudem arbeiten wir derzeit an der Modernisierung unserer Event-Locations, um ab September wieder für viele schöne Veranstaltungen öffnen zu können. Damit verfolgen wir zahlreiche Impulse, um unsere Besucher auch in Zukunft zu begeistern. Fast drei Viertel von ihnen stammen inzwischen aus dem Ausland: vorwiegend aus unseren Nachbarländern wie insbesondere Deutschland, aber auch aus Amerika, Australien und Asien. 

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Besucher aus? 

Hans Köppen: Unseren Besuchern liegt das Tierwohl sehr am Herzen – genau wie uns. Dieses Thema emotionalisiert sich seit einigen Jahren zudem immer stärker, auch wenn das bisweilen in Kritik an Zoos als Ganzes mündet. Natürlich können wir als Zoo bedrohte Lebensräume in der Natur nicht wiederherstellen, wir können jedoch attraktive natürliche Lebensräume für die Tiere in unserer Obhut und damit auch eine Plattform schaffen, damit die Menschen die Tiere und ihre Bedürfnisse besser verstehen können. Gleichzeitig wirken wir aktiv an der Wiederansiedlung von Zuchttieren in ihren natürlichen Lebensräumen mit, um ihnen dort wieder ein gutes Leben zu ermöglichen. 

Wirtschaftsforum: Die durchschnittliche Verweildauer der Menschen im Haus des Meeres hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, von ehemals einer Stunde auf mittlerweile zweieinhalb Stunden. Worauf führen Sie diesen Effekt zurück? 

Hans Köppen: Ich glaube, dass wir einfach ein schönes Gesamt­erlebnis anbieten können, neben unserem Zoo auch mit einem schönen Restaurant, das wir selbst betreiben und in dem wir großen Wert auf eine ansprechende Kulinarik und ein schönes Ambiente legen!

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