Handwerk mit Weitblick

Interview mit Ralf Rohwer, Geschäftsführer der ROHWER STAHL & METALLBAU GmbH

Ralf Rohwer wusste schon als Jugendlicher, dass er Metallbauer werden wollte. Während andere ihre Nachmittage mit Schulaufgaben verbrachten, stand er in der Werkstatt seines Vaters. „Ich war immer lieber zwischen Schraubstöcken und Funkenflug als am Schreibtisch“, sagt er. Als sein Vater später die Lust am immer bürokratischer werdenden Handwerk verlor, übernahm er den Betrieb – nicht als reine Fortführung, sondern als Neuanfang.

Neustart mit klarer Haltung

Damals war der Betrieb praktisch leer. Keine Belegschaft, keine Strukturen, nur die alte Werkstatt und der eigene Wille. „Ich musste bei null anfangen. Das war befreiend, weil mir niemand sagte, wie es zu laufen hat“, erklärt Rolf Rohwer. Er stellte zunächst einen Helfer und dann einen Auszubildenden ein. Ausbildung wurde rasch zur strategischen Basis: Viele der heutigen Fachkräfte durchliefen seine Lehrwerkstatt. „Wer jung anfängt und bei uns bleibt, identifiziert sich mit dem Betrieb. Das schafft Stabilität.“

Wachstum durch Chancen

Ein entscheidender Entwicklungsschritt erfolgte 2008 mit dem Umzug in die erste eigene Halle. „Das war der Moment, in dem ich dachte: Jetzt wird es ernst“, sagt Ralf Rohwer. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 120 Mitarbeiter – ein Wachstum, das nicht aus groß angelegten Plänen entstand, sondern aus der Fähigkeit, Gelegenheiten zu nutzen. Ein Beispiel ist die Übernahme seines ehemaligen Ausbildungsbetriebs Zander. „Mit dem Zukauf haben wir den Leichtmetallbau ins Haus geholt. Fenster, Türen, Fassaden – das öffnete ganz neue Türen.“

Platz als Erfolgsfaktor

Weil Aufträge und Mitarbeiterzahlen wuchsen, musste auch der Standort wachsen. 2017 und 2025 kaufte Ralf Rohwer zwei Nachbargrundstücke. „Die Erweiterungen haben uns von 5.000 auf 20.000 m2 gebracht. Das war entscheidend, weil Produktion ohne Platz nicht atmen kann“, sagt er. Investiert wurde bevorzugt in Fertigung und Technik. 

Kerngeschäft bleibt Handwerk

Trotz aller Skalierung ist das Unternehmen ein handwerklich geprägter Betrieb geblieben. Treppen, Geländer und Balkone bilden das Kerngeschäft – für private Bauherren ebenso wie für Gewerbe und öffentliche Auftraggeber. Viele Projekte werden individuell für Architekten realisiert. „Wir verkaufen keine Standardteile. Jeder Auftrag ist ein Unikat – genau das macht Metallbau spannend“, sagt Ralf Rohwer. Besonders sichtbar wird dies bei Projekten wie dem Kleinen Kiel-Kanal oder komplexen Balkonanlagen in Hamburg.

Struktur schafft Stabilität

Mit dem Wachstum entwickelte Ralf Rohwer klare interne Prozesse: feste Montagekolonnen, spezialisierte Arbeitsvorbereitung, klar zugeordnete Zuständigkeiten. Der Vergleich zum kleinen Handwerksbetrieb ist für ihn deutlich: „Dort macht einer alles. Bei uns kann man sich spezialisieren.“ Ein eigener Gerätepark, inklusive Kräne, sorgt für Flexibilität und ermöglicht effizientere Abläufe – eine Entscheidung, die nicht nur Kosten, sondern auch Qualität und Terminsicherheit beeinflusst.

Nachwuchs sichern – früh und persönlich

Ausbildung ist für Ralf Rohwer bis heute einer der wichtigsten Bausteine des Erfolgs. Praktikanten aus der 8. Klasse bekommen Einblick in echte Arbeitssituationen. „Wenn man junge Leute ernst nimmt, bleiben sie. Wenn man sie ignoriert, sind sie weg – so einfach ist das“, sagt er. Viele ehemalige Auszubildende arbeiten noch heute im Unternehmen, manche inzwischen als Meister oder Teamleiter. Die ländliche Lage erweist sich dabei als Vorteil: Wer hier aufwächst, bleibt häufig langfristig.

Arbeitswelt im Wandel

Die körperliche Belastung im Metallbau hat sich spürbar verringert. „Früher haben fünf Mann ein Geländer gehoben, heute macht das ein Kran“, sagt Ralf Rohwer. Technische Hilfsmittel schützen die Gesundheit, erhöhen die Präzision und machen den Beruf attraktiver. Für ihn ist diese Entwicklung entscheidend, da Menschen heute länger arbeiten sollen. „Mit reiner Muskelkraft kommt niemand bis 67.“

Digitalisierung als Werkzeug

Digitale Systeme unterstützen heute Werkstatt, Büro und Baustellen. Monteure erhalten Pläne per Tablet, im Büro laufen Prozesse über moderne ERP-Software. „Ich habe keine Angst vor Digitalisierung. Sie erleichtert uns die Arbeit, sie nimmt uns nichts weg“, sagt Ralf Rohwer. Die Herausforderung liege eher in der unterschiedlichen Geschwindigkeit, mit der Teams neue Tools adaptieren. Schulung und Geduld seien deshalb ebenso wichtig wie Technologie.

Der Blick nach vorn

Parallel zum operativen Geschäft rückt ein Zukunftsthema näher: die Nachfolge. Der ältere Sohn von Ralf Rohwer hat Ausbildung und Studium abgeschlossen und will in den Betrieb zurückkehren. „Er möchte das Unternehmen übernehmen – das freut mich enorm“, sagt Ralf Rohwer. Seine Aufgabe sieht er nun darin, Strukturen so zu formen, dass der Übergang gelingt. „Ich habe bei null angefangen. Mein Sohn startet auf einem ganz anderen Niveau.“ Auch für seine Tochter stünden verschiedene Wege offen. Sicher scheint jedoch: Das Unternehmen bleibt ein Familienbetrieb – nur mit einer neuen Generation an der Spitze.

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