Digitale Dynamik für den Praxiserfolg

Interview mit Ralf Buchner, Geschäftsführer der Buchner & Partner GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Buchner, wie ist Ihr Unternehmen entstanden?

Ralf Buchner: Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1991 – aus einer praktischen Notwendigkeit heraus. Meine damalige Frau eröffnete eine Physiotherapiepraxis, ich unterstützte sie bei der Organisation. In einer Zeit ohne Internet war das Formular das zentrale Werkzeug im Praxisalltag. Weil es an praxistauglichem Material fehlte, begannen wir eigene Vorlagen zu entwickeln – und wurden so zum größten Formularverlag für Heilmittelerbringer in Deutschland. Irgendwann war klar: Das muss digital werden. Wir entwickelten eine Softwarelösung immer weiter – und gehören heute mit unserer Praxisverwaltungssoftware zu den Marktführern.

Wirtschaftsforum: Wer zählt zu Ihrer Zielgruppe?

Ralf Buchner: Wir richten uns an nichtärztliche Leistungserbringer – insbesondere Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen. Aber auch größere Strukturen wie MVZs oder Krankenhäuser mit ambulanten Therapieabteilungen arbeiten mit uns. Die Grenzen verschwimmen zunehmend – und mit ihnen steigen die Anforderungen an Softwarelösungen, die sowohl abrechnungsfähig als auch inter­operabel sind.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie aktuell im Gesundheitswesen?

Ralf Buchner: Die größte Hürde ist die extreme Regulierung. Die GKV dominiert den Markt, was ausländischen Wettbewerbern den Einstieg erschwert, aber uns gleichzeitig bei der Weiterentwicklung einschränkt. Die Telematik­infrastruktur bringt zusätzliche Komplexität – sowohl technisch als auch organisatorisch. Die Systeme der Leistungserbringer sind völlig unterschiedlich aufgestellt. Wir gehören zu den wenigen, die da den Überblick behalten – und das ist heute ein echter Wettbewerbsvorteil.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für Sie?

Ralf Buchner: KI ist ein Riesenthema – allerdings mit vielen Vorbehalten. Datenschutzbedenken sind weit verbreitet. Aber in der praktischen Anwendung, zum Beispiel beim Transkribieren von Befunden, erleben wir, wie hilfreich KI sein kann. Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern wie wir sie sinnvoll nutzen. Unsere Kunden, die erste Erfahrungen gemacht haben, wollen die Technologie nicht mehr missen.

Wirtschaftsforum: Ihre Website bietet auch Wissen, Webinare und E-Learning – warum?

Ralf Buchner: Niemand kauft Software um ihrer selbst willen. Unsere Kunden wollen Probleme lösen. Viele Praxen sind medizinisch hervorragend aufgestellt, ihnen fehlen jedoch wirtschaftliches und organisatorisches Know-how. Deshalb bieten wir mehr als Software: Wir liefern auch das Wissen, um sie sinnvoll einzusetzen. Das betrifft Themen wie Kommunikation, Abrechnung oder gesetzliche Vorgaben – alles Dinge, die im medizinischen Ausbildungskanon oft zu kurz kommen.

Wirtschaftsforum: Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe?

Ralf Buchner: Klassische Messen sind oft zu aufwendig. Stattdessen setzen wir auf eigene Veranstaltungsformate wie Road­shows. Im letzten Jahr waren wir an 23 Orten unterwegs, um direkt mit unseren Kunden in den Austausch zu gehen. Darüber hinaus publizieren wir die auflagenstärkste Fachzeitschrift im Markt und sind in der gesundheitspolitischen Diskussion präsent – unter anderem über unsere Mitgliedschaft im BVITG.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihre Softwarelösungen besonders?

Ralf Buchner: Wir bewegen uns weg von proprietären Stand-alone-Lösungen hin zu cloudbasierten, modularen Anwendungen – Stichwort Appifizierung. Gerade mobile Nutzungsmöglichkeiten sind für Therapeuten attraktiv. Unsere Software unterstützt nicht nur die Abrechnung, sondern zunehmend auch die Versorgung selbst – beispielsweise durch Anamneseformulare oder digitale Terminbuchung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die Telematikinfrastruktur, inklusive E-Rezept und elektronischer Heilmittelverordnung, die ab 2028 kommen soll.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne verfolgen Sie für die Zukunft Ihres Unternehmens?

Ralf Buchner: Unser Ziel ist es, unsere Arbeitsweise und Qualität langfristig zu sichern, anstatt um jeden Preis zu wachsen. Ein Team von rund 20 Beschäftigten ist für uns ideal: Wir bleiben agil, effizient und nah dran an unseren Projekten. Größe allein ist kein Wert an sich, entscheidend ist, dass wir das tun können, was uns auszeichnet – praxisnah, durchdacht und mit Blick auf das Wesentliche.

Wirtschaftsforum: Und was wünschen Sie sich persönlich?

Ralf Buchner: Persönlich wünsche ich mir vor allem weniger kurzfristige Verwaltungsvorgaben und deutlich mehr langfristige Planbarkeit. Das betrifft sowohl die politische Ebene als auch die Branche selbst. Unser tägliches Arbeiten lebt davon, Orientierung zu geben – und genau diese Verlässlichkeit erwarte ich im Gegenzug auch von der Politik.

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