Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Die Schanzenbäckerei verbindet klassisches Bäckerhandwerk mit einem Filial- und Café-Konzept, das zum urbanen Alltag passt. Seit der Gründung 1992 ist aus der ersten Filiale ein Unternehmen mit 31 Standorten in Hamburg geworden. Rund 350 Mitarbeitende arbeiten heute für die Schanzenbäckerei; der Jahresumsatz liegt nach Unternehmensangaben bei rund 20 Millionen EUR.

Vom Nebenjob zur Gründung

Geschäftsführer Gürol Gür führt den Erfolg auf konsequente Weiterentwicklung zurück – bei Produkten, Prozessen und Ladenbau.

Dabei bleibt der Anspruch konstant: Qualität soll zu schmecken sein, auch wenn ein Unternehmen wächst. „Ich kam mit 17 nach Deutschland“, erzählt Gürol Gür. Während seiner Ausbildungs- und Studienzeit arbeitete er am Wochenende in einer Bäckerei – und fand dort seine Berufung. „Das hat mir so viel Spaß gemacht“, sagt er. Entscheidend war für ihn das Handwerk selbst: „Dass man aus Mehl, Wasser, Hefe und Sauerteig etwas anderes macht – das hat mich fasziniert.“ 1992 eröffnete er die erste Filiale. Heute ist die Marke in sehr unterschiedlichen Lagen präsent – in Wohngebieten, in der Innenstadt und dort, wo viele Menschen arbeiten. Diese Mischung ist Teil der Strategie: Die Schanzenbäckerei möchte Nahversorger sein und verschiedene Tagesbedürfnisse abdecken – vom schnellen Frühstück bis zur Mittagspause.

Vier Standbeine für den ­Stadtalltag

Das Angebot ruht auf vier Säulen, die Gürol Gür klar benennt: „Wir haben typisch deutsche Backwaren. Wir haben ein tolles Café. Wir haben kalte Snacks – und wir haben warme Snacks“, sagt Gürol Gür. Für ihn ist die Breite eine Antwort auf das veränderte Konsumverhalten: Qualität wird erwartet, aber ebenso Komfort, Auswahl und ein angenehmer Ort zum Verweilen. Zu den Produkten, die in den Filialen besonders gefragt sind, zählen nach Angaben des Unternehmens Klassiker wie Franzbrötchen, Croissants, Körnerbrötchen und das Sauerteigbrot. Ein Grundsatz ist dabei nicht verhandelbar: „Ich habe immer gesagt: Wir müssen unsere Kunden glücklich machen. Was der Kunde von uns wünscht, versuchen wir zu erfüllen“, sagt Gürol Gür. Dieses Eingehen auf Kundenwünsche zeigt sich auch in der Produktentwicklung. So hat die Schanzenbäckerei ein eigenes Pasta-Angebot aufgebaut, das in einer Zentralküche vorbereitet und in ausgewählten Filialen frisch finalisiert wird. „Wir haben unser Konzept selbst entwickelt“, betont Gürol Gür. In Mittagslagen ergänzt zudem seit Jahren eine Pizza nach italienischem Rezept das Angebot; der Teig wird mit Vorteig angesetzt und rund 36 Stunden gekühlt geführt.

Moderne ‘grüne’ Backstube – und trotzdem Handarbeit

Wachstum verlangt nach professionellen Strukturen. Einen zentralen Schritt hat die Schanzenbäckerei 2019 gemacht: Die Produktion wurde neu aufgstellt. „Wir haben 2019 neu gebaut – eine moderne, ‘grüne‘ Backstube’“, sagt Gürol Gür und verweist auf energieeffiziente Technik und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen. Trotz moderner Maschinen bleibt Handarbeit ein Markenkern. „Wir haben noch nicht einmal Teigteilmaschinen“, sagt Gürol Gür. Bestimmte Brote werden nach wie vor von Hand abgewogen und aufgearbeitet. Gerade beim Sauerteigbrot setzt das Team auf eine Langzeitführung von bis zu 40 Stunden. Dazu kommt die lange Teigführung, etwa bei Sauerteigbroten und Rezepturen mit Langzeitprozessen. Für Gürol Gür ist das ein klares Bekenntnis: Effizienz ist wichtig – aber nicht auf Kosten von Geschmack und Handwerk.

Familienunternehmen, Team­kultur und Engagement

Die Schanzenbäckerei ist ein Familienunternehmen im Wortsinn. Zwei Söhne von Gürol Gür sind Bäckermeister; einer davon arbeitet bereits an seiner Seite in der Geschäftsführung. „Wir führen die Geschäfte gemeinsam – und ich lasse ihn auch ein bisschen alleine leiten, weil ich jetzt 61 bin“, sagt Gürol Gür. Führung versteht er als Präsenz und Vorbild: „Wenn ich im Laden bin, arbeite ich notfalls wie eine Putzfrau – als Chef muss man Vorbild sein“, sagt Gürol Gür. Auch die Unternehmenskultur beschreibt er als Mischung aus Wärme und Verbindlichkeit: „Die türkische Kultur ist für uns Gastfreundlichkeit und Wärme. Gleichzeitig sind wir sehr diszipliniert – und Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig“, sagt Gürol Gür. In einer Branche, die vom Fachkräftemangel geprägt ist, setzt die Schanzenbäckerei auf Ausbildung und langfristige Bindung. Verantwortung zeigt sich für Gürol Gür zudem außerhalb des Geschäfts: Seit 2012 unterstützt eine Bildungsstiftung sozial schwächere Kinder, insbesondere mit Migrationshintergrund. „Wenn du glücklich sein möchtest, musst du auch mal abgeben“, sagt der Geschäftsführer. Für die Zukunft bleibt der Kurs klar: Neue Filialen stehen nicht im Fokus – vielmehr soll die erreichte Größe stabil gehalten, Standorte bei Bedarf optimiert und die Qualität der vier Standbeine Schritt für Schritt weiter verbessert werden. Damit positioniert sich die Schanzenbäckerei GmbH als Hamburger Mittelständler, der Genuss, Service und Handwerk wirtschaftlich tragfähig verbindet.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“

Gemeinsam für Menschen da zu sein: ein Anspruch, der unter den engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags häufig auf der Strecke bleibt. Der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft, der sich auf die Betreuung…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Software für den Praxisalltag

Interview mit Fabian Gundlach, Geschäftsführer der ergosoft GmbH

Software für den Praxisalltag

Aus einer Abrechnungssoftware für Psychotherapeuten ist bei ergosoft über drei Jahrzehnte eine umfassende Lösung für den Praxisalltag entstanden. Geschäftsführer Fabian Gundlach setzt auf Spezialisierung, engen Kundenkontakt und neue Technologien wie…

Spannendes aus der Region Hamburg

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Interview mit PD Dr. Peter Kuhlang, Geschäftsführer der MTM SOLUTIONS GmbH

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Das MTM-Verfahren, das auf der zentralen Größe Leistung, also Arbeit pro Zeiteinheit basiert, findet in der Industrie weite Verbreitung. Seine Umsetzung ist im Detail jedoch nicht trivial. Die MTM SOLUTIONS…

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Interview mit Roman Kowalew, Senior Brand Manager der DOVGAN GmbH

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Ethnowochen stehen in deutschen Supermärkten und Discountern hoch im Kurs: Osteuropäische Produkte haben es den Verbrauchern inzwischen besonders angetan – die Paradedisziplin der DOVGAN GmbH, die seit fast 30 Jahren…

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Interview mit Axel Rebien, CEO der Serrala Group GmbH

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Während CFOs noch vor wenigen Jahren mühsam Excel-Tabellen für Liquiditätsplanung füllten, übernehmen heute KI-Agenten die Arbeit. Sie arbeiten autonom, in Echtzeit und, anders als jeder Mensch, fehlerfrei. Das Hamburger Unternehmen…

Das könnte Sie auch interessieren

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Interview mit Susanne Hipper, Geschäftsführerin der jufico GmbH

Gesunde Produkte, die Kinder lieben!

Zwei junge Väter, ein Problem: Wie bekommt man Obst und Gemüse eigentlich in kleine Kinder? Aus dieser Alltagsfrage entstanden 2005 die ersten Quetschbeutel in Deutschland. Die Marke dahinter heißt FruchtBar,…

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Interview mit Toma Marcinkeviciute, Geschäftsführerin

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Seit 2010 vertreibt die VG Handel GmbH die Produkte der litauischen VIČI-Gruppe in Deutschland. Insbesondere Surimi möchte das Unternehmen in nächster Zeit noch deutlich bekannter machen und als nahr- wie…

Weinkultur mit Weitblick

Interview mit Jürgen Lergenmüller, Geschäftsführer der Weinhaus Lergenmüller GmbH

Weinkultur mit Weitblick

Weniger Weinkonsum im Inland, veränderte Vorlieben jüngerer Zielgruppen und neue Chancen im Export setzen die Branche in Bewegung. Lergenmüller reagiert darauf mit leichteren Produkten, mehr Bioanbau und einer stärkeren internationalen…

TOP