Im Herzen Mensch, im Kopf Cloud

Interview mit Jens Dreger, Mitglied Management Team teccle group

Wirtschaftsforum: Herr Dreger, Sie haben 1992 Ihr eigenes Unternehmen gegründet und es 2021 an die teccle group verkauft. Wie kam es zu diesem Schritt?

Jens Dreger: Ich habe die Dreger IT über fast 30 Jahre aufgebaut. 2021 haben wir uns der teccle group angeschlossen – und das aus Überzeugung. Die Dynamik, die Vision und der Spirit, etwas Großes im Mittelstand zu bewegen, haben mich begeistert. Selbst nach so vielen Jahren als alleiniger Geschäftsführer war es für mich reizvoll, in einer größeren Struktur weiterzuentwickeln, was mir wichtig ist: mit guten Leuten zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen und gemeinsam nach vorn zu blicken.

Wirtschaftsforum: Die teccle group ist seit 2020 rasant gewachsen. Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein?

Jens Dreger: Wir sind inzwischen knapp 700 Mitarbeitende und haben 17 Unternehmen übernommen. Aktuell bündeln wir die Strukturen und integrieren die Gesellschaften. Dieses Wachstum ist kein Selbstzweck – es ist die Basis, um Kompetenzen zu vereinen und unseren Kunden ein breites Portfolio aus Managed Services, Public Cloud, Enterprise Services und DATEV-Lösungen zu bieten. Trotz dieser Größe bleiben wir flexibel und nahbar. Wir arbeiten bewusst ohne Profit Center-Logiken, die dem Kundennutzen im Weg stehen könnten. Ein Kunde soll nicht merken, von welchem Standort oder aus welcher Einheit er betreut wird – nur dass es gut funktioniert.

Wirtschaftsforum: Sie betonen immer wieder den Fokus auf den Menschen. Was bedeutet das in der Praxis?

Jens Dreger: Unsere Philosophie ist „One teccle“. Das heißt: flache Hierarchien, direkter Austausch, schnelle Entscheidungen und vor allem zufriedene Mitarbeitende. Mitarbeiterzufriedenheit ist bei uns eine echte KPI, nicht nur eine Floskel. Nur wenn Menschen gern bei uns arbeiten, wird das auch bei den Kunden spürbar. Wir leben eine Kultur, in der zuerst geholfen wird – ohne dass jemand fragt, auf welches Projekt er gerade buchen kann. Das ist in unserer Branche nicht selbstverständlich.

Wirtschaftsforum: Ein Schwerpunkt der teccle group sind Managed Services. Was verstehen Sie darunter?

Jens Dreger: Wir übernehmen auf Wunsch die vollständige Betriebsverantwortung für den Kunden – von der Infrastruktur bis hin zu Applikationen und Prozessen. Das geht weit über klassische Infrastructure-as-a-service-Modelle hinaus. Unsere Teams arbeiten eng mit den Fachabteilungen der Kunden zusammen, sind als Teil der Prozessketten vor Ort und sorgen dafür, dass Systeme nicht nur laufen, sondern ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Dieses Schulter-an-Schulter-Arbeiten ist ein wesentlicher Bestandteil unserer DNA.

Wirtschaftsforum: Wie stellen Sie sicher, dass die Integration vieler Unternehmen funktioniert?

Jens Dreger: Integration ist ein Marathon, kein Sprint. Wir verfolgen bewusst keinen starren 100-Tage-Plan. Jedes Unternehmen hat eine eigene Kultur, und diese wollen wir nicht zerstören, sondern stärken. Wir arbeiten mit Erfahrungs-Blueprints, aber immer individuell. Auch wenn es manchmal anstrengender und teurer ist: Der Erhalt von Menschen, Wissen und Identität ist langfristig der Schlüssel zu echter Gemeinsamkeit – und zu Skalierung.

Wirtschaftsforum: Die IT-Sicherheit nimmt viel Raum ein. Warum beschäftigt Sie dieses Thema persönlich so stark?

Jens Dreger: Weil wir als Branche häufig zu langsam sind. Viele Gefahren sind seit Jahren bekannt, und trotzdem werden grundlegende Sicherheitsmaßnahmen oft nicht umgesetzt. Wir reden nicht über einzelne Passwörter oder eine nette Firewall-Konfiguration – wir reden über ernsthafte IT-Sicherheitsarchitektur. Die Anzahl der Angriffe steigt rasant. Es ist wie im Alltag: Niemand lässt die Haustür offenstehen, aber in der IT ist das leider noch verbreitet. Sicherheit ist unbequem, klar. Aber ohne sie gibt es weder Effizienz noch Stabilität.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen sehen Sie aktuell für Ihre Kunden?

Jens Dreger: Viele Unternehmen stehen unter enormem Kostendruck und verschieben Projekte, obwohl sie wissen, dass sie handeln müssten. Digitalisierung, Cloud, Automatisierung – all das ist notwendig, aber oft fehlt der Mut, den nächsten Schritt zu gehen. Gleichzeitig gibt es einen Fachkräftemangel, der ohne externe Partner kaum zu bewältigen ist. Wir sehen unsere Rolle daher zunehmend als Berater und Sparringspartner, der Komplexität herunterbricht und hilft, richtige Entscheidungen zu treffen. Und wir versuchen, technische Sprache dort zu vermeiden, wo sie nicht nötig ist. Unsere Mission bleibt, Kunden nachhaltig zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen zu wachsen.

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