Mit regional verfügbaren Ressourcen die Wettbewerbsfähigkeit am Standort stärken!

Interview mit Dr. Tobias Wolfinger, Geschäftsführer der Technikum Laubholz GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Wolfinger, mit dem Technikum Laubholz wollen Sie Forschung schnell in die Anwendung bringen und nachhaltige Lösungen für die Industrie von morgen entwickeln – welche Ansätze verfolgen Sie dabei genau? 

Dr. Tobias Wolfinger: Bekanntermaßen ist Deutschland exzellent in der Grundlagenforschung und Entwicklung. Doch viele Ideen, die hierzulande entstehen, werden dann anderswo auf der Welt umgesetzt – das trägt nicht gerade zur Steigerung unserer nationalen Wirtschaftskraft bei. Mit dem Technikum Laubholz wollen wir dafür sorgen, dass regionale Rohstoffe auch einer regionalen Wertschöpfung zugeführt werden können – das ist unser Auftrag. 

Wirtschaftsforum: Als zentralen Rohstoff dafür haben Sie das Laubholz identifiziert – wie kam es dazu? 

Dr. Tobias Wolfinger: Während das Nadelholzvorkommen in Zentraleuropa und insbesondere in Deutschland rückläufig ist, wird Laubholz in Zukunft in immer größeren Mengen verfügbar sein. Gleichzeitig befindet sich etwa ein Viertel der Waldfläche in Baden-Württemberg im Landforstbesitz, sodass der Aufbau sinnvoller Abnahmewertschöpfungsketten für diesen Rohstoff sogar im ureigenen öffentlichen Interesse liegt – deshalb profitieren wir auch von einer Anschubfinanzierung des Landes, seit wir 2021 unseren operativen Betrieb aufgenommen haben – mit dem klaren Ziel, uns in absehbarer Zeit einträgliche Umsatzerlösströme zu erschließen. 

Wirtschaftsforum: Auf welche möglichen Produkte stellen Sie dabei ab? 

Dr. Tobias Wolfinger: Im Rahmen eines unserer ersten Projekte beschäftigen wir uns mit der Herstellung einer nachhaltigen Textilfaser, die bisher zum Beispiel in einem aufwendigen Viskose- oder Lyocellprozess hergestellt werden musste: Dabei veredeln wir sie zur Carbonfaser weiter, um sie dann letzten Endes in Leichtbauelementen einzubringen. So kann das atmosphärische CO2 über den Träger Holz in eine stoffliche Wertschöpfung einfließen. 

Wirtschaftsforum: Wie soll der Sprung von der Entwicklung zur eigentlichen Produktion der Endprodukte gelingen, die dann ebenfalls in Deutschland erfolgen soll? 

Dr. Tobias Wolfinger: Genau im Ausloten dieser Möglichkeiten liegt unsere Daseinsberechtigung als Technikum Laubholz: Denn auch bei der innovativsten Technologie oder dem nachhaltigsten Produkt entscheiden am Ende die Kostenkonkurrenzfähigkeit und der Kundennutzen über den langfristigen Markterfolg. Doch solange es keinen Abnehmer für die entsprechenden Materialien gibt, ist auch kein Unternehmen bereit, in eine künftige Produktion zu investieren. Genau in diesem Death Valley of Innovation haben wir uns strategisch positioniert, um die Skalierung der Technologien voranzutreiben, die wir in Deutschland entwickelt haben. So können wir auch zu einer stärkeren Resilienz unserer Volkswirtschaft beitragen – denn inzwischen sind wir von anderen Weltregionen nicht mehr nur abhängig, sondern regelrecht erpressbar. Damit die wirtschaftliche Umsetzung gelingt, sieht das Geschäftsmodell vor, etablierten Unternehmen aus der Wirtschaft für ein Investment in diese neuen Technologien zu überzeugen, um den Sprung in den Markt zu schaffen. Im Idealfall entlang der Wertschöpfungskette vom Wald bis zum Produkt. 

Wirtschaftsforum: Gibt es einen Plan B für das Technikum Laubholz, falls wesentliche Elemente der Wertschöpfung schneller aus Deutschland abwandern, als Ihre Entwicklungen greifen können? 

Dr. Tobias Wolfinger: Sollte es dazu kommen, dass hierzulande immer mehr Unternehmen in die Insolvenz rutschen oder in Regionen wie Asien oder Amerika abwandern, wollen wir nicht in Schönheit sterben, sondern rational an unseren Zielen weiterarbeiten. Wir möchten jedoch einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass es dazu gar nicht erst kommt, sondern dass wir auch in Deutschland einer wirtschaftlich attraktiven und ökologisch nachhaltigen Zukunft entgegengehen können. Der große Vorteil am Technikum Laubholz liegt dabei neben unserer Schnittstellenfunktion auch in unserer Unabhängigkeit: Uns geht es nicht um den schnellen Profit. Anders als andere Marktteilnehmer würden wir auch keine Patente unter Verschluss halten, damit die neue Technologie erst gar nicht auf den Markt kommen und in Konkurrenz zur Old Economy treten kann. An dieser Stelle sind jedoch auch dringend Novellen der bestehenden Gesetze und Vorschriften erforderlich: Darum gilt es, den Standort Deutschland von der Sicherung des Know-how an den Hochschulen bis zur Etablierung wirklich attraktiver Standortvorteile neu auszurichten. 

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