Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Reuß, wie ist TOSSTEC entstanden – und wie sind Sie persönlich in diese Nische gekommen?

Torsten Reuß: Ich bin Diplom-Ingenieur im Maschinenbau und war viele Jahre in leitenden Positionen in der Entwicklung tätig, zuletzt als Entwicklungsleiter und Mitglied der Geschäftsführung. Parallel dazu habe ich seit über 20 Jahren einen eigenen Naturpool. Dort habe ich immer wieder erlebt, wie unzureichend die damaligen Reinigungsgeräte waren – und als Ingenieur arbeitet der Kopf dann automatisch weiter. 2013 habe ich schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und TOSSTEC gegründet.

Wirtschaftsforum: Was genau macht TOSSTEC heute – in einem Satz?

Torsten Reuß: Wir entwickeln und fertigen spezialisierte Poolroboter für Naturpools und Schwimmteiche, die Beläge und Algen – den sogenannten Biofilm – zuverlässig entfernen und gleichzeitig den Filter so reinigen, dass er nicht verstopft.

Wirtschaftsforum: Sie gelten als technologischer Weltmarktführer. Worin liegt der Unterschied zwischen Ihren und klassischen Poolrobotern?

Torsten Reuß: In einem gechlorten Pool gibt es fast keine Beläge, im Naturpool dagegen schon – und die sind sehr hartnäckig. Ein Standard-Poolroboter saugt sich vielleicht mit rund 2 N an die Wand an. Unser System arbeitet mit etwa 100 N Anpresskraft. Nur so lässt sich der Biofilm wirklich lösen. Gleichzeitig reinigen wir den Filter während des Betriebs permanent, damit der Roboter nicht nach wenigen Minuten stehen bleibt, weil nichts mehr durch den Filter geht. Ein Roboter kommt nicht in jede Ecke. Deshalb lässt sich unser Gerät mit wenigen Handgriffen zu einem handgeführten Reiniger umbauen – zum Beispiel für Stufen. Außerdem kann dasselbe System als Schlammsauger genutzt werden, etwa für Pflanzzonen im Frühjahr. So decken wir mit einem Baukastenprinzip sehr viele Anwendungsfälle ab.

Wirtschaftsforum: Service scheint bei Ihnen eine große Rolle zu spielen. Sie versprechen Reparaturen innerhalb von vier Stunden. Wie geht das?

Torsten Reuß: Wir legen enormen Wert auf Kundenkommunikation und Geschwindigkeit. Intern unterstützen uns mehrere eigene Apps in Produktion und Service. Eine Reparatur bei uns dauert maximal vier Stunden – vorausgesetzt, es sind keine Rückfragen zur Kostenfreigabe nötig. Das ist in der Branche ziemlich einzigartig.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist Ihnen wichtig – wie zeigt sich das konkret?

Torsten Reuß: Zum einen in der Produktentwicklung: Verbesserungen sind entweder abwärtskompatibel oder können durch Umbauten nachgerüstet werden. Kunden, die seit 2016 ein Gerät besitzen, können etwa unseren neuen Powerfilter einfach nachrüsten. Zum anderen produzieren wir „Made in Germany“: Montage im eigenen Haus, die meisten Teile stammen aus einem Umkreis von 60 bis 70 km, fast ausschließlich aus Deutschland oder der EU. In der Coronazeit waren wir deshalb durchgehend lieferfähig.

Wirtschaftsforum: Viele kennen Naturpools noch gar nicht. Was spricht aus Ihrer Sicht gegen den klassischen Chlorpool – und für den Naturpool?

Torsten Reuß: Die Baukosten sind nahezu identisch, alle Extras wie Heizung, Abdeckung oder Gegenstromanlage funktionieren genauso. Aber: Im Naturpool braucht man keine Chemie, man hat kaum Wasserverlust, außer durch Verdunstung, und das Badegefühl ist völlig anders. Wer einmal in einem klaren Biopool geschwommen ist, möchte ungern in einen gechlorten Pool zurück.

Wirtschaftsforum: Zum Schluss: Wo sehen Sie TOSSTEC in einigen Jahren?

Torsten Reuß: Wir wollen die Internationalisierung weiter vo­rantreiben und arbeiten an neuen Produkten, um Naturpools weltweit attraktiver und einfacher im Unterhalt zu machen. Gleichzeitig bauen wir als Familienunternehmen bewusst für die nächste Generation – mein Sohn ist bereits im Unternehmen. Unser Ziel: Natur statt Chemie – mit Technologie „Made in Germany“.

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