Maschinen bauen Teile – Technologie baut Zukunft

Interview mit Ivan Filisetti, CEO UNITED MACHINING

GF Machining Solutions – nun UNITED MACHINING – zählt zu den technologisch führenden Akteuren im High-End-Fertigungsumfeld. Im Fokus steht dabei nicht die Maschine als Produkt, sondern der industrielle Nutzen, den sie erzeugt: reproduzierbare Präzision, stabile Prozesse und wirtschaftliche Ausbringung. Das Portfolio umfasst Hochgeschwindigkeitsfräsen, Draht- und Senkerosion, Lasertexturierung, Lasermikrobearbeitung sowie additive Metallfertigung. Ergänzt um Automation und Software-Ökosysteme entsteht ein inte­griertes Fertigungssystem, das als Architektur konzipiert ist, nicht als Einzelmaschine.

Langfristige Partnerschaft

Für Ivan Filisetti ist der Fokus auf industrielle Leistung entscheidend: „Eine Maschine, die steht, ist wertlos. Erst wenn sie zuverlässig produziert, ist sie Technologie.“ Deshalb beschränkt sich UNITED MACHINING nicht auf den Verkauf, sondern begleitet Kunden über

installierte Laufzeiten von 10, 15 oder 20 Jahren – inklusive Retrofit-Updates, Prozessoptimierung, Automationsintegration, Monitoring-Systemen, Remote-Diagnose und Schulungskonzepten. Kunden, die einmal auf UNITED MACHINING setzen, bleiben oft über Dekaden. Stabilität entsteht hier nicht durch ein Modell, sondern durch jahrzehntelange Wirtschaftlichkeit.

Fusion, die beschleunigt

Mit der Umfimierung in UNITED MACHINING und dem Übergang in die UNITED MACHINING SOLUTIONS Gruppe entstand eine Struktur aus zwei klar fokussierten Divisionen. UNITED MACHINING deckt die Bereiche Fräsen, EDM, Laser und Automatisierung ab, während die parallel eingegliederte UNITED GRINDING als Schleifspezialist die zweite technologische Säule bildet. Keine Überlappung, keine Produktkollision. Deshalb konnten Strukturen nicht nur zusammengeführt, sondern sofort verwendet werden. „Wir mussten nichts auflösen, wir haben verstärkt“, kommentiert Ivan Filisetti. Kooperation zwischen den beiden Unternehmen besteht bei Einkauf, IT, Data-Architektur, bei Softwareplattformen, bei globalen Ersatzteilströmen und Servicestandardisierung. Forschungsabteilungen tauschen Prozesswissen aus, Evaluationszyklen werden kürzer, Applikationsteams erhalten größere Technologiebreite. Der Zusammenschluss bedeutet Masse, aber keine Schwere – sondern Beweglichkeit. Besonders stark wirkt der globale Marktausgleich: UNITED MACHINING hat in China eine umfassende Präsenz aufgebaut, UNITED GRINDING dagegen im US-Markt, besonders im Aerospace-Segment. „Wir wachsen nicht nebeneinander, sondern ineinander“, fasst der CEO es zusammen.

Laser neu definiert

Laser, mit dem Brand CHARMILLES, ist bei UNITED MACHINING kein Nebenprogramm, sondern ein strategisches Zukunftsfundament. Was heute vor allem Mikrostrukturierung und Funktionsoberflächen ermöglicht, wird morgen ganze Prozessketten transformieren. Laser kann Materialkontakt ersetzen, Verschleiß eliminieren, Energieeintrag präzise steuern. Er wird Oberflächen nicht nur bearbeiten, sondern Eigenschaften generieren – hydrophob, leitfähig, adhäsiv, antibakteriell, strömungsoptimiert. „Wir haben Laser verstanden. Das Potenzial befindet sich jedoch vor uns, nicht hinter uns“, sagt Ivan Filisetti. Die nächste Entwicklungswelle wird nicht in Hardware, sondern in Software-Intelligenz begründet liegen. UNITED MACHINING arbeitet an KI-gestützten Prozessdatenbanken, an dynamischer Strahlformung, an Selbstoptimierungsalgorithmen. Ziel ist, Laserprozesse nicht zu programmieren, sondern zu definieren: Der Anwender gibt Zieltopologie, Oberflächenfunktion oder Materialparameter ein, die Maschine erzeugt den optimalen Prozess autonom. Damit wird Laser von einem Werkzeug zu einem wissensbasierten Produktionssystem. Diese Verschiebung ist keine Evolution – sie ist Revolution, aber eine, die weder laut noch zerstörerisch verläuft, sondern präzise und schrittweise.

Additive Fertigung

Additive Fertigung wird oft als Zukunftsversprechen dargestellt, das ‘alles ersetzt’. Bei UNITED MACHINING sieht man das differenziert: Additive Fertigung erweitert Fertigung, statt sie abzulösen. „Ein Druckteil ist noch kein Produkt – Funktion entsteht erst durch Bearbeitung“, erklärt Ivan Filisetti. Die Stärke von AM liegt in der Geometriefreiheit: Sie erlaubt innere Kühlkanäle, reduziert Bauteilgewicht und ermöglicht bionische Designs. Doch erst Lasermikrobearbeitung, Erodieren, Fräsen und Oberflächenfunktionalisierung machen ein Bauteil einsatzfähig. Deshalb entwickelt UNITED MACHINING hybride Prozesszellen, in denen additive und subtraktive Schritte nicht nacheinander, sondern vernetzt stattfinden: Druck – Vermessen – Nachbearbeiten – Laserfunktionalisieren – Reinigen – Härten – Prüfen. Ziel ist Serienfähigkeit, nicht nur Bauteilerzeugung. UNITED MACHINING liefert dafür Anwendungen, Prozessszenarien, Parameterdatenbanken, Materialprofile, Toolchain-Software – nicht nur Maschinen, sondern Verwandelbarkeit.

Global präsent, nicht uniform

Über 3.300 Mitarbeitende, mehr als 40 Nationalitäten, Standorte in Europa, USA, China und Schweden – UNITED MACHINING ist global, aber nie homogen. „Wer eine Technologie überall gleich durchdrückt, verliert sie dort, wo sie nicht passt“, sagt der CEO. „China denkt in Stückzahl pro Stunde: Bedienoberflächen müssen ultraschnell sein, Prozesswechsel ein Tastendruck. Indien legt Wert auf Stabilität und Wartungsrobustheit. Europa priorisiert Energieeffizienz, Datenintegration, Traceability. Die USA verlangen automatisierte Tool-Chains mit eng definierten Prozessfenstern.“ UNITED MACHINING baut diese Marktlogiken in Software-Interfaces, in Automationsgrad, in Service-Setups ein. Der Kern bleibt identisch, die Anwendung passt sich an.

Messbar nachhaltig

Nachhaltigkeit ist für UNITED MACHINING kein Slogan, sondern messbare Effizienz. „Nicht Schlagworte zählen – Kilowattstunden zählen“, stellt Ivan Filisetti klar. Neue Maschinen­generationen arbeiten energieoptimiert, mit intelligenten Standby-Profilen, effizienten Kühlstrukturen, Wärmerückgewinnungssystemen und reduzierten Pumpzyklen. Über 15 bis 20 Jahre Betriebsdauer entstehen so riesige Energieeinsparungen. Produktion wird CO2-neutral gefahren, Lieferketten werden auf ESG-Kriterien geprüft, die Materialeffizienz optimiert. Gleichzeitig wird Wissen als Ressource behandelt: Schulungen, Kompetenzzentren, Nachwuchsaufbau, lebenslange Qualifizierung. Technologie überlebt nur dann, wenn Menschen sie weiterdenken. „Nachhaltigkeit heißt nicht ‘grün’ auszusehen, sondern länger, effizienter und klüger zu produzieren“, bringt Ivan Filisetti es auf den Punkt.

Zyklische Märkte als Taktgeber

Der Werkzeugmaschinenmarkt ist volatil. Doch statt diesen Umstand als Risiko zu sehen, nutzt UNITED MACHINING ihn als Rhythmusgeber. „Wenn die Konjunktur atmet, atmet die Branche mit – das ist kein Problem, das ist Struktur“, so der CEO des Bieler Standortes. Europa transformiert Industriepolitik, China restrukturiert Exportmodelle, Indien wächst in Produktionsvolumen. UNITED MACHINING plant vo­rausschauend statt reaktiv: modularisierte Fertigungsplattformen, regionale Lieferketten, Software-Upgrades statt Hardwarewechsel, Lokalisierungsoptionen für ganze Produktlinien. Durch Stabilität im Kern und Beweglichkeit im Markt entsteht Zukunftssicherheit. Führung als Energiequelle Ivan Filisetti sieht sich nicht als klassischen Manager – er führt aus Überzeugung. „Innovation ist für mich eine Haltung, nicht etwa eine Phase im Ablauf. Fortschritt erkennt man nicht im Protokoll, sondern an neuer Technologie, die entsteht und wächst“, sagt er. „Das bestätigte die EMO eindrucksvoll: sieben Weltneuheiten in einem Jahr – hervorgegangen aus Materialforschung, Softwareentwicklung und Applikationsengineering.“ Die Mitarbeiter begleiten den CEO teils seit Jahrzehnten, ein Zeichen dafür, dass Führung hier Vertrauen statt Anweisung bedeutet. Für Ivan Filisetti ist klar: „Ich bleibe im Maschinenbau, weil er Zukunft ermöglicht, auch wenn der Weg anspruchsvoll ist. Fortschritt entsteht nicht automatisch, sondern durch Menschen, die ihn wollen.“

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