Die stillen Macher

Interview mit Josef Miggisch, Geschäftsführer der Zambelli Metalltechnik GmbH & Co. KG

1976 gegründet, begann Zambelli als Produzent von Büromöbeln. Der entscheidende Wandel kam Anfang der 1980er-Jahre: Mit der Investition in eines der ersten vollautomatischen Stanz- und Kantzentren in Deutschland – zwei italienische Maschinen, die damals Maßstäbe setzten – legte das Unternehmen den Grundstein für die industrielle Metallbearbeitung. Gehäuse für Zigarettenautomaten, Schubladensysteme, Blechbauteile aller Art: Zambelli belieferte fortan ein breites Spektrum an Industriekunden. Josef Miggisch begann 1985 als Lehrling bei Zambelli; heute leitet er als Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens und bringt die Erfolgsformel auf den Punkt: „Es gab nicht den einen großen Meilenstein. Wir sind stetig gewachsen, immer in kleineren Schritten. Aber vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept.“ Zur Gruppe gehören heute neben dem Stammwerk auch Schwesterunternehmen in Tschechien und Rumänien, die als verlängerte Werkbank in der Fertigung eingesetzt werden.

Stärke durch Tiefe

Was Zambelli heute von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist die außergewöhnliche Fertigungstiefe von der Konstruktionsunterstützung über die Blechbearbeitung bis hin zu Pulverbeschichtung, Steuerungsbau und Endmontage. Alles wird unter einem Dach produziert. Kunden erhalten damit nicht nur Blechteile, sondern fertige Baugruppen, die direkt in ihre Produkte einfließen können. Das schätzen vor allem Hersteller von Wärmepumpen, Stromspeichern und Heizkesseln, die Zambelli in einem Radius von rund 500 km – mit Schwerpunkt auf dem bayerisch-österreichischen Markt – als verlässlichen Partner schätzen. Im Bereich Regalsysteme für Archive und Bibliotheken zählt das Unternehmen zu den führenden Anbietern im deutschsprachigen Raum; das hauseigene System ‘Mediathek’ ist dabei besonders gefragt. International ist Zambelli mit Partnern in der Schweiz, Frankreich, Polen, Tschechien, Slowenien und den USA vertreten.

Krisenresistent, aber nicht ­unberührt

Die Coronajahre erwiesen sich für Zambelli als Hochphase: Der boomende Heizungs- und Photovoltaikmarkt trieb den Umsatz auf bis zu 31 Millionen EUR. Der anschließende Einbruch in der Heizungsbranche – ausgelöst durch den Zusammenbruch des privaten Baumarkts und eine abrupte Nachfrageschwäche bei Wärmepumpen und Pelletheizungen – traf das Unternehmen umso deutlicher. „Die letzten zwei Jahre waren schwierig“, räumt Josef Miggisch ein. Doch bereits Ende 2025 zeigten sich erste Erholungszeichen, und für 2026 blickt der Geschäftsführer vorsichtig optimistisch nach vorn – auch wenn er nicht erwartet, die Umsatzspitzen der Boomjahre so schnell wieder zu erreichen. 

Nachhaltigkeit und Digitalisierung als Treiber

Zambelli begegnet den großen Zukunftsthemen pragmatisch: PV-Anlagen auf allen Werksdächern, Umstieg von Öl und Gas auf Biomasse und Blockheizkraftwerke, energieeffiziente Maschinen, ein schrittweise elektrifizierter Fuhrpark. Nachhaltigkeit ist bei Zambelli kein Marketingversprechen, sondern fester Bestandteil der Jahresziele aller Führungskräfte. Auch das Thema grüner Stahl hat Josef Miggisch im Blick, wenngleich er einen Durchbruch in den nächsten fünf Jahren noch nicht erwartet. Pa­rallel dazu treibt das Unternehmen die Digitalisierung der Fertigung voran: Bestellungen sollen künftig automatisiert ins ERP-System einfließen, technische Zeichnungen automatisch ausgelesen und kalkuliert werden. Das eigene Rechenzentrum wurde bereits in ein externes ausgelagert, die Papierablage Zug um Zug digitalisiert.

Der Faktor Mensch

So sehr Technik und Automatisierung auch vorangetrieben werden, bei Zambelli bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Rund 80% der Belegschaft haben einen Arbeitsweg von unter 20 km, Berufsverkehr und lange Pendelstrecken sind die Ausnahme. Flexible Arbeitszeit­regelungen, kurze Entscheidungswege und eine familiäre Unternehmenskultur sorgen dafür, dass die Mitarbeiter nicht nur bleiben, sondern aktiv als Botschafter des Unternehmens auftreten und neue Kollegen oft über persönliche Empfehlungen ins Unternehmen bringen. Fachkräftemangel, in vielen Branchen ein drückendes Problem, spielt bei Zambelli bislang eine untergeordnete Rolle. Ausgebildet wird selbst, ergänzt durch regelmäßige interne Schulungen. Josef Miggisch fasst zusammen, was das Unternehmen als Arbeitgeber ausmacht: „Wir kennen jeden Einzelnen und das schafft Verbindlichkeit auf beiden Seiten.“

Solide aufgestellt für morgen

Für die kommenden Jahre hat Zambelli klare Prioritäten: Vertriebsausbau im Regal- und Zulieferbereich sowie eine Großinvestition in eine neue Pulverbeschichtungsanlage inklusive Lagerhalle, die ab Ende 2026 realisiert werden soll und bis 2028 abgeschlossen sein wird. Das Produktportfolio der Zulieferung umfasst den gesamten Bereich Heizung, Klima und Lüftung, mit dem Schwerpunkt Wärmepumpen. In Zukunft werden aber auch der Bereich Stromspeichergehäuse sowie neue Felder der Verteidigungs- und Sicherheitstechnik eine wichtige Rolle spielen. Im Regalbereich ist das Ziel klar definiert: eine der drei stärksten Positionen im Markt zu erreichen und zu halten. Die Unternehmens-DNA aber bleibt, wie der interne Leitspruch es auf den Punkt bringt: „Wir machen‘s einfach“. Für Zambelli heißt das: Dinge unkompliziert angehen, ins Handeln kommen, statt endlos zu planen. Und das seit fast 50 Jahren.

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