Solarstrom neu vernetzt

Interview mit Michael Reichert, Geschäftsführer der WI Energy GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Reichert, wie entstand die WI Energy GmbH und wie entwickelte sich das Geschäftsmodell?

Michael Reichert: Wir sind seit 2016 am Markt und haben WI Energy schrittweise zu einem Full-Service-Anbieter für großflächige Photovoltaikanlagen ausgebaut – von der Flächenfindung über die Projektentwicklung bis zur Realisierung und der kaufmännischen wie technischen Betriebsführung. Uns war wichtig, nicht nur Anlagen zu errichten, sondern sie über ihre gesamte Lebensdauer aktiv zu begleiten. Aus diesem Gedanken heraus ist unser Sharing-Economy-Ansatz gewachsen: Für jedes Projekt bündeln wir passende Partner und Kompetenzen, ob mit Flächeneigentümern, Kommunen, Landwirten oder institutionellen Investoren. So haben wir uns kontinuierlich vom regionalen Projektentwickler zu einem leistungsstarken GreenTech-Unternehmen in Deutschland entwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt?

Michael Reichert: Von Trier aus sind wir heute bundesweit tätig und zählen mit mehr als 800 realisierten Projekten und rund 1,1 GW installierter Leistung zu den führenden Anbietern der Branche. Zum Portfolio gehören Freiflächen-, Agri- und Floatinganlagen, Dachanlagen sowie große Stellplatzüberdachungen. Photovoltaik mit Grünstromspeicher ist für uns inzwischen Standard: Wir fokussieren uns auf hybride Solarparks, in denen Erzeugung und Speicherung als ein System geplant werden, und rüsten eine wachsende Zahl bestehender Anlagen mit Speichern nach. Wir haben eine digitale Infrastruktur geschaffen, um unsere Solarparks intelligent zu überwachen und den gesamten Wertschöpfungsprozess zu steuern – diese digitale Basis ist heute ein zentraler Baustein unserer Positionierung als GreenTech-Unternehmen, das Nachhaltigkeit und Technologie konsequent zusammendenkt.
 

Wirtschaftsforum: Was zeichnet die WI Energy GmbH aus und welche Zielgruppen sprechen Sie an?

Michael Reichert: Sharing-Economy gehört zu unserer DNA: Wir schaffen eine vernetzte Energiewelt, in der Unternehmen, Kommunen und Bürger gemeinsam profitieren. Mit Landwirten entwickeln wir Solarparks auf ihren Flächen, mit namhaften Industrieunternehmen realisieren wir innovative Großprojekte, etwa auf nicht mehr genutzten Industrieflächen, wie unsere langfristig angelegte Partnerschaft mit Heidelberg Materials und der Talanx-Gruppe zeigt. Kommunen und Bürgern vor Ort bieten wir echte Teilhabe an der regionalen Wertschöpfung – und über unsere Tochtergesellschaft WI Energy Invest eröffnen wir privaten wie institutionellen Investoren individuelle Anlagemöglichkeiten. Diese Philosophie, verbunden mit unserem neuen Markenauftritt, wurde in diesem Jahr auch extern honoriert: Wir haben den German Brand Award gewonnen und wurden zur „Sustainable Brand of the Year“ gekürt, zudem wurden wir als Toparbeitgeber von kununu ausgezeichnet.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen prägen den Markt?

Michael Reichert: Der Photovoltaikmarkt war in den vergangenen Jahren von Herausforderungen in den Lieferketten, Preisschwankungen sowie Veränderungen an den Zins- und Kapitalmärkten geprägt. Entscheidend sind verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Öffentliche Debatten sorgen für Unsicherheit und bremsen den Markt, Genehmigungsverfahren dauern heute vielerorts spürbar länger als noch vor einigen Jahren. Dabei gibt es aus unserer Sicht keinen günstigeren Strom als Photovoltaikstrom, besonders in Verbindung mit Speichern. Unternehmen und Kommunen können ihn direkt vor Ort nutzen und sich so unabhängiger von schwankenden Energiepreisen machen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI?

Michael Reichert: Wir haben eigene Softwarelösungen entwickelt und eine umfassende digitale In­frastruktur in unserer Organisation aufgebaut, die eng mit dem Performance Management unserer Solarparks verzahnt ist: Datenfusion, intelligente Prognosen und laufende Performanceanalysen ermöglichen uns eine präzise Zukunftsplanung und gesteigerte Effizienz. Mit dem Strategiebaustein „100% Digital“ setzen wir konsequent auf Digitalisierung, Automatisierung und KI, um unsere Workflows und Mitarbeitenden zu unterstützen, Effizienz zu steigern und den Kundenservice weiter zu verbessern. KI soll Menschen dabei nicht ersetzen, sondern Effizienz, Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Skalierbarkeit steigern.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Strategie 2030?

Michael Reichert: Unsere Strategie 2030 steht für intelligente Energiekreisläufe und Innovation als System. Wir wollen digitale, virtuelle Kraftwerke und Ökosysteme schaffen, die den wachsenden Energiebedarf flächendeckend absichern und sich nahtlos in moderne Lebenswelten integrieren. Durch innovative Speichertechnologien und das intelligente Management unserer Anlagen machen wir Energiekonzepte smarter, wirtschaftlicher und nachhaltiger. Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht als Schlagwort, sondern als Grundprinzip unseres Handelns – ökologisch, ökonomisch und partnerschaftlich. So wollen wir eine dezentrale, vernetzte und zukunftsfähige Energieversorgung vorantreiben.

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